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Sie sind hier: Startseite / Nachrichten / Spezial / PNP-Spendenaktion "Kinder in Bangladesch" Sonntag, 14. März 2010
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PNP-Weihnachtsaktion
»Ein Licht im Advent« für die Kinder in Bangladesch
Das versteckte Elend am Ende der Welt

Was bei uns dank Polio-Schluckimpfung weitgehend ausgerottet ist, bedeutet für Kinder wie Mong Sha ein Leben voller Schmerzen. Der Junge leidet an Kinderlähmung, seine Großmutter trägt ihn einmal am Tag vor die Bambushütte, damit er wenigstens die anderen Kinder im Dorf sehen kann. (Foto: Sünder) Bangladesch ist eines der drei ärmsten Länder auf der Erde - doch selbst dort gibt es Menschen, denen es noch schlechter geht als dem Rest der Bevölkerung. Den Bergstämmen in den Chittagong Hill Tracts ist die diesjährige Weihnachtsaktion der PNP gewidmet.

Geboren werden und Sterben an einem schrecklichen Ende dieser Welt. Und was zwischen diesen beiden Daten liegt, das hat mit einem Leben in unserem Sinn wenig zu tun: Hunger, Krankheiten, Hoffnungslosigkeit und Vergewaltigung von Körper und Seele sind die vier apokalyptischen Reiter, die diese Menschen vor sich her durch ein elendes Leben treiben. Menschen, die keine Schuld an ihrer erbärmlichen Lage haben - außer: die falsche Herkunft, die falsche Hautfarbe, die falsche Religion. Sie leben in den „Chittagong Hill Tracts“, einem Bergdschungel-Gebiet im Südosten von Bangladesch an der Grenze zu Myanmar, dem früheren Burma. Es sind Menschen einer Minderheit, die in einem unglaublichen Elend dahinvegetieren. Nur sechs von zehn Neugeborenen erleben das zwölfte Lebensjahr, Malaria, Tbc, tödliche Diarrhoe, Kinderlähmung und schreckliche Parasiten-Krankheiten sind die Ursache. Die Kindheit in den Hill Tracts endet spätestens mit sechs Jahren, dann müssen die Kleinen mithelfen, die Familie durchzubringen. Nahezu keines hat je eine Schule gesehen, sie kennen nur Unterdrückung, Hunger und Not. Diesen Kindern ist die diesjährige Weihnachtsaktion der Passauer Neuen Presse gewidmet. PNP-Redakteurin Eva Fischl und PNP-Autor Heinz Sünder waren dort, haben für Sie aufgezeichnet und fotografiert. Diese Kinder und ihre Familien sollen heuer auf ein „Licht im Advent“ hoffen dürfen. Über ihre Schicksale werden wir ab dem ersten Advent täglich berichten (s. Kasten).

Bittere Lebensrealität in Bangladesch: Im Krankenhaus von Bandarban sind die Patienten oft sich selbst überlassen, sie sterben an Krankheiten wie Malaria oder Durchfall. Die meisten davon sind noch Kinder. (Foto: Sünder) Salam ist zwölf Jahre alt. Er hockt mutterseelenallein am Rand einer Piste durch den Dschungel. Hinter ihm ein Berg von mittelgroßen Felsbrocken, vor ihm ein Häuflein kleiner Schottersteine. Die hat Salam hergestellt. Mit der Kraft seiner dünnen Arme und mit einem Hammer, mit dem er so lange auf die großen Brocken einschlägt, bis wieder ein kleiner Splitter abspringt. Salam arbeitet für den Straßenbau, mit dem Schotter soll die Schlammpiste wenigstens in eine Schotterpiste verwandelt werden. Sein Arbeitstag dauert acht bis zehn Stunden, der Weg in sein Heimatdorf ist etwa sieben Kilometer lang. Zu Fuß, durch den Dschungel. Salam verdient 15 Cent am Tag. Ein hart verdienter Hungerlohn. Salam wird auch noch in zehn Jahren mit dem Hammer an der Straße arbeiten. Er kann weder lesen noch schreiben. Er hat keine Zukunft. Mong Sha ist acht oder neun Jahre alt. So genau weiß das seine Oma nicht. Ein zu großer Kopf auf einem zu dünnen Hals, muskellose Ärmchen, die Beine baumeln ab der Hüfte ohne Funktion am Körper. Mong Sha hat Polio. Er bekam Kinderlähmung, als er vier Jahre alt war. Bei sieben Kindern im Dorf brach damals diese Krankheit aus, Mong Sha hat als Einziger überlebt. Manchmal trägt ihn die Oma aus der Hütte, setzt ihn auf den Bambus-Vorsprung vor der Hütte. Dann kommen Kinder und besuchen ihn - obwohl er kaum sprechen kann. Er gehört zum Stamm der Tripura. Das sind freundliche Menschen, Kranke werden nicht ausgestoßen. Ihm können wir nicht mehr helfen - aber seinen kleinen Freunden, die ihn immer wieder besuchen kommen.

Salam (12) muss als STeineklopfer die Familie unterstützen - er verdient 15 Cent am Tag. Die Bergstämme haben jede Hilfe nötig. Sie sind zwar auf dem Papier gleichberechtigte Staatsbürger in der Volksrepublik Bangladesch - in Wirklichkeit aber sind sie Parias, ähnlich den "Unberührbaren" im indischen Kastenwesen. Sie sind tibeto-burmesischen Ursprungs, die Hautfarbe ist eher dunkel bis gelb statt braun, und sie sind weder Muslime noch Hindus, sondern Katholiken mit Beimischungen alter Naturreligionen. Sie bekommen keine Jobs, wenn doch, dann werden sie schlechter bezahlt als ihre Kollegen indisch-bengalischer Herkunft. Es gibt für sie keine Schulen, kein Sozialsystem, sie werden um ihr Land betrogen und verjagt. Wehren sie sich, dann werden die Dörfer niedergebrannt, die Menschen verjagt, getötet und vergewaltigt. Die Angst um das eigene kleine Leben wird hier jedem Kind schon in die Wiege gelegt. Die Hill Tracts werden vom Militär beherrscht. Es gibt nur wenige Straßen durch den Dschungel, alle acht bis zehn Kilometer Militärstationen, Kontrollen, Schikanen. Bis vor wenigen Jahren gab es einen Guerilla-Krieg, Tausende wurden vertrieben und getötet. Immer wieder tauchen aus dem Dschungel winzige, dünne Frauen auf, Riesenkörbe am Stirnband auf dem Rücken tragend, immer einige Kinder im Schlepptau. Es ist uns kaum gelungen, mit ihnen Kontakt aufzunehmen: Sie flüchteten sofort wieder zurück in den Dschungel. Die Erfahrung sagt ihnen: "Jeder Fremde ist ein Feind." Pater Lupi ( 52) lebt seit 15 Jahre in den Hill Tracts. Er ist Italiener, sein Orden hat ihn in diese Hölle geschickt, um zu missionieren. Schon längst aber ist aus einem Missionar ein Helfer geworden. Er hat Schulen aufgebaut, Spenden eingesammelt, den Menschen Landwirtschaft gelehrt. Er versucht, ihnen handwerkliche Fertigkeiten beizubringen - und die Rechte der Bergstämme gegen Landräuber durchzudrücken. Menschen wie Pater Lupi sind für die etwa 100 000 Bergbewohner die einzige Hoffnung.

Auch das ist Bangladesch. Menschen wie Pater Lupi (Mitte) engagieren sich für die Kinder und schenken ihnen eine Zukunft. (Foto: Sünder) Wir haben ihn an einem Sonntagvormittag getroffen. In einer seiner Schulen. Er trug keinen Priesterrock, sondern T-Shirt und Jeans. Und er zeigte uns voller Stolz seine erste eigene Wasserleitung: Frisches, klares Wasser aus einer sauberen Leitung. „Wasser“, so sagt er, „ist hier das Hauptproblem. Die Hälfte aller Krankheiten und Todesfälle kommt von verseuchtem Wasser.“ Seine Projekte sind einer der Schwerpunkte unserer diesjährigen Hilfsaktion. Bandarban ist Provinzhauptstadt. Ein elendes Nest, in dem es vor Menschen nur so wuselt. Es hat auch ein Hospital. Auf den Betten liegen malariakranke Kinder mit ihren Müttern. Kinder, total ausgetrocknet vom Durchfall. Eine alte Frau macht in den Armen ihrer Söhne ihre letzten Atemzüge - sie stirbt an einem Darmverschluss. Die Hitze, der Gestank und der Dreck sind unerträglich: Dantes „Inferno“ im Bergdschungel von Bangladesch. Heilung ist hier eher Zufall, der Tod die Normalität. Mit dem Bau einer neuen Krankenstation mit geschultem Personal wollen wir solche Zustände ändern. Die Lage der Bergstämme ist verzweifelt. Bangladesch ist 144 000 Quadratkilometer groß. Auf dieser kleinen Fläche leben 147 Millionen Menschen dicht an dicht. Es gibt immer weniger Land und immer mehr Menschen. Der Bevölkerungsdruck ist gewaltig. Allein in der Hauptstadt Dhaka leben geschätzte 14 Millionen Menschen unter teils unvorstellbaren Bedingungen. Das Land der Bergstämme lockt mit leeren Flächen. Immer mehr Menschen strömen aus dem übervölkerten Flachland in die Berge und drücken die Ureinwohner erbarmungslos zurück. Ein Kampf um Leben und Tod. Ohne Hilfe haben die Bergstämme keine Chance. Das feuchtheiße Bergland der Chittagong Hill Tracts ist sehr weit weg von unserer Welt. Vieles, was dort geschieht und was Kinder dort erdulden müssen, ist für uns unvorstellbar. Dort wollen wir mit Ihrer Unterstützung helfen. Wir wollen Schulen errichten, wir wollen für sauberes Wasser sorgen, wir wollen den Hunger lindern und wir wollen dafür sorgen, dass auch Kinder dieser unterdrückten Minderheit die Chance bekommen, sich eine eigene und bessere Zukunft zu gestalten. Die PNP-Weihnachtsaktion steht in diesem Jahr unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“. Mit Ihren Spenden wollen wir den Stein dazu anstoßen, dass sich die Region nachhaltig entwickeln und stabilisieren kann. Ein großes Ziel - mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, können wir es schaffen.
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