| DIE LETZTEN SPENDENAKTIONEN |
|
| SPENDENAKTION 2004 |
Aids-Epidemie außer Kontrolle PNP-Aktion für infizierte Kinder
|
So viele Ansteckungen und so viele Tote wie nie zuvor - »Ein Licht im Advent« für Aids-Waisen in Thailand
Passau/Genf (ddp/efi). Die Immunschwächekrankheit Aids droht zum unkontrollierbaren Problem zu werden. Nach Schätzungen des Aids-Bekämpfungsprogramms der Vereinten Nationen (UNAIDS) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde in diesem Jahr mit rund 40 Millionen Infizierten weltweit ein neuer Höchststand erreicht. Auch die Zahl der Aids-Toten ist mit rund drei Millionen im Jahr 2004 so hoch wie nie zuvor, geht aus dem gestern veröffentlichten Jahresbericht hervor.
Vor allem der rapide Anstieg der Neuinfektionen in Asien und Osteuropa gebe Anlass zu größter Sorge. Zudem seien immer mehr Frauen von Aids betroffen, teilten die Organisationen mit. Jeden Tag infizieren sich etwa 14 000 Menschen neu mit dem HI-Virus. 2004 stieg die Zahl der Neuinfektionen auf fast fünf Millionen. Weltweit sind 2,2 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren HIV-positiv, heißt es in dem Jahresbericht. 640 000 wurden in diesem Jahr infiziert und über eine halbe Million starb an Aids. »Aids ist die »Krankheit unserer globalisierten Zeit«, warnte der Leiter des UNAIDS-Programms Peter Piot.
Am meisten leiden unter der Geißel Aids die Kinder. Deshalb ist die diesjährige Weihnachtsaktion der Passauer Neue Presse in Zusammenarbeit mit der UNESCO den Aids-Kindern in Thailand gewidmet. Denn dort macht sich eine verschwiegene Katastrophe breit. Aids ist ein Tabuthema im Urlauberparadies, infizierte Menschen werden von der Gesellschaft ausgegrenzt. Das spüren in erster Linie die Kinder. Unschuldig werden sie in dieses Schicksal hineingeboren und müssen miterleben, wie dieses gleich zweimal auf grausame Weise bei ihnen zuschlägt: Sie sehen ihre Eltern sterben und, wenn bei ihnen die Krankheit ausbricht, werden sie selbst weggesperrt, verjagt, verstoßen.
Dagegen kann man etwas tun. Die PNP unterstützt das Projekt »Baan Gerda«, das der Deutsche Karl Morsbach im armen Norden Thailands nach dem Prinzip der SOS-Kinderdörfer ins Leben gerufen hat. Dort werden Kinder ins Leben zurückgeführt. Sie werden medizinisch versorgt, gehen zur Schule, finden neue »Familien«. Aids kann man nicht heilen, aber man kann damit leben. Deshalb soll heuer das »Licht im Advent« für die Aids-Kinder in Thailand leuchten. Denn auch diese Kinder haben ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben.
|
Wenn Kinder die Hölle auf Erden erleben
|
Bei der Geburt tragen sie ihr Todesurteil oft schon in sich: die Aids-Kinder in Thailand. Ihnen ist die Weihnachtsaktion von PNP und UNESCO in diesem Jahr gewidmet. PNP-Autor Heinz Sünder erklärt, wie die Hilfe der PNP-Leser vor Ort Großes bewirken kann.
Das Anwesen ist ein großer Komplex in einem anmutigen Tal. Eine Schranke mit Wärter, weiße kleine Häuschen mit einem Garten davor und Blumen. So sehen in Thailand Bungalow-Siedlungen für Touristen aus, die Billig-Urlaub machen. Rechts an einer langen weißen Mauer steht in mannshohen schwarzen Buchstaben das Wort AIDS. Das sieht nun nicht mehr nach Urlaub aus. Wenn man weitergeht, kommt man zu einer Art Lagerhalle. Dort liegen tausende Plastiksäcke, gefüllt mit einer weißen, pudrigen Masse. Sieht aus wie ein Sonderangebot für Streusalz im Baumarkt. Hier ist es die Asche der Menschen, die im Tempel-Hospiz »Wat phra baat naam phu« nach langem Leiden elendig an Aids gestorben sind und verbrannt wurden. Ihre Angehörigen haben die Asche nicht abgeholt. Das Dorf Ba gae liegt im Nordwesten Thailands. Es besteht aus 158 Häusern, die Menschen sind bettelarm. Von den Bezirksbehörden erfasst und als Aids-infiziert erkannt, sind dort 19 Kinder, zwischen vier und 12 Jahren alt. Man sieht fast nur Kinder, alte Männer und noch ältere Frauen im Dorf. Die Generation der Eltern, der Menschen zwischen 25 und 45, ist so gut wie ausgestorben. Hier wütet Aids. Und solche Dörfer gibt es unendlich viele in Thailand.
Die verschwiegene Katastrophe Im Urlauberparadies Thailand ist Aids allgegenwärtig. Nach UN-Angaben beträgt die Zahl der infizierten Menschen mindestens eine Million. An der Krankheit gestorben sind etwa 400 000. Das sind offizielle Zahlen, die Dunkelziffer dürfte doppelt so hoch sein.
In Thailand ereignet sich zur Zeit eine Katastrophe. Allerdings eine verschwiegene Katastrophe. Denn Aids ist ein Tabu-Thema. Die Angaben der UN waren Thailands führender Zeitung »Bangkok Post« ganze elf Zeilen wert. Es gibt mehrere Gründe, warum Aids in Thailand ignoriert wird. Da ist die Angst vor einer Krankheit, die von den Thailändern nicht begriffen wird. Wer infiziert ist, der tut so, als ob er gesund sei, lebt normal weiter. Wenn aber die Krankheit ausbricht, dann wird der Kranke mit seiner Familie von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Irgendwann sterben diese Menschen, irgendwo in einem Straßengraben, auf einem Reisfeld. Mit viel Glück schaffen sie es noch zum Kloster-Hospiz des Mönches Athun, nach Wat phra baat naam phu. Dort sterben sie auch, aber nicht allein - sie werden in den Tod geleitet. Ein weiterer Grund ist die absolute Unkenntnis über Aids, seine Ursachen, seine Folgen. Aufklärungskampagnen in den Dörfern sind versucht worden, aber die Menschen im bergigen Nordwesten sind meist Analphabeten.
Sie entwickeln kein Gespür für die Problematik Aids. Zudem ist in ihrem Glauben fest verankert: »Mein jetziges Leben wird weitgehend bestimmt von meinem Verhalten in meinen vorherigen Leben.« Und wie schrecklich muss ein Mensch gesündigt haben, der von einer so grausamen Krankheit befallen wird? Also haben diese Menschen kaum Mitleid mit Aids-Kranken. Ein Teufelskreis.
Warum grassiert Aids gerade im Nordwesten? Die Mädchen dort sind größer und hellhäutiger als sonstwo im Land. Viele Familien müssen aus Geldnot eine Tochter an ein Bordell in die Touristenzentren im Süden oder nach Bangkok verkaufen. Dort infizieren sich die Mädchen, werden krank und nach Hause geschickt. Oder ihr Vertrag läuft aus, sie kehren heim und sind infiziert, ohne es zu wissen. Manchmal heiraten diese Mädchen, dann stecken sie nur den Ehemann an. Oder sie arbeiten weiter als Prostituierte - und sind lebende Zeitbomben. Die Männer in den Dörfern sind oft wochen- und monatelang weg. Sie arbeiten als Saisonarbeiter auf den Reisfeldern, in Holzfällerlagern oder beim Straßenbau. Im thailändischen Kulturkreis ist es normal, dass die Männer ab und zu ins Bordell gehen. So wird die Krankheit verbreitet, kommt in die Dörfer und trifft die Kinder. Denn natürlich werden infizierte Frauen bei diesem Umgang mit Aids schwanger.
Deshalb kommen unzählige Kinder zur Welt, die den HIV-Virus bereits bei der Geburt in sich tragen oder durch die Muttermilch infiziert werden. Für diese Kinder beginnt ein Leben, das geradewegs in eine Hölle auf Erden führt.
Das alles ist die Schilderung einer Situation, die uns fremd ist. Aber dahinter stecken Schicksale von Kindern, die hilflos in ein schauerliches Dasein gestoßen werden.
Denn in den armen Bergregionen Thailands, in den einsamen Dörfern im Dschungel, in den Slums am Rande Bangkoks gibt es für solche Kinder weder Hilfe noch Heilung noch Trost. Jedenfalls für die meisten.
Wenn man dort hinkommt, dann verlässt man die Zivilisation und tritt ein in eine Hölle der Krankheit, der Tränen und der Hilflosigkeit. Wir waren dort. Wir haben Aids-infizierte Kinder gefunden, die seit vielen Monaten versteckt wurden, die vom Tod ihrer Eltern völlig traumatisiert waren. Da war das Mädchen, das Lehrerin werden wollte und nicht mehr zur Schule darf, weil die Eltern der gesunden Kinder sie davongejagt haben. In deren Augen man lesen konnte, dass sie wusste, was ihr passieren würde, und in deren Augen die Bitte stand: »Helft mir, ich will leben.«
Das Spenden-Projekt »Baan Gerda« Wir wollen helfen. Wir wollen diesen Kindern ein Leben in Würde ermöglichen, wir wollen, dass sie betreut werden, dass sie nicht einem schrecklichen Tod entgegenvegetieren. Wir widmen unsere diesjährige Weihnachts-Aktion »Ein Licht im Advent« den Aids-Kindern von Thailand. Mit unserem Partner UNESCO haben wir ein geeignetes Projekt gefunden. Denn auch in dieser Hölle von Krankheit und Tod ist das Licht der Menschlichkeit nicht ganz erloschen. Das Projekt heißt »Baan Gerda«, es liegt in der Nähe des Kloster-Hospizes Wat phra baat naam phu. Hier werden Kinder aufgenommen, deren Eltern im Hospiz gestorben sind, die am Tor standen oder gebracht wurden. Oft mehr tot als lebendig. »Baan Gerda« ist organisiert nach dem System der SOS-Kinderdörfer: Ein Haus, acht bis neun Kinder, ein »Elternpaar«. Soweit ist noch alles normal, ein Hilfsprojekt für Waisenkinder eben. Aber in »Baan Gerda« ist alles auch ganz anders. Alle Kinder, die hier leben, sind infiziert. Die »Eltern« von denen sie betreut werden, haben ebenfalls Aids. Hier weiß man, wie man mit der Krankheit umgeht. Und hier erzielt man unglaubliche Erfolge. Kinder wurden aufgenommen, die waren dem Tod oft näher als dem Leben: Zum Skelett abgemagert, von Geschwüren und Hautkrankheiten zerfressen, von Tbc befallen, mit einem Immunsystem, das kaum noch wahrzunehmen war. Wir haben Fotos gesehen - und wir haben gesehen, wie diese Kinder nach wenigen Monaten aussehen: normal entwickelt, lachend, spielend, lernend. Aids kann man nicht heilen, aber man kann es in den Griff kriegen. Und das machen sie in »Baan Gerda«: Sie kriegen die Aids-Infektion in den Griff. Hier werden die Kinder ins Leben zurückgeführt. In ein Leben, wie es Kinder überall haben sollten. Sie werden medizinisch betreut, sie bekommen gesundes Essen. Vor allem bekommen sie Liebe und Zuwendung.
Hier begreift man, was Berührung, Körperkontakt für ein Kind bedeutet. Die Kinder hatten das bisher nicht. Sie waren ausgestoßen, gemieden, niemand hat sie je angefasst, sie in den Arm genommen, ihre Hand gehalten. Wer »Baan Gerda« besucht, der wird von den Kindern förmlich annektiert. Sie hängen an einem, sie wollen auf den Arm genommen werden - und nie mehr herunter. Das Projekt wurde gegründet und wird geleitet von Karl Morsbach (65). Er lebt seit über 30 Jahren in Thailand, war dort Südostasien-Chef des Düsseldorfer Chemiekonzerns Henkel. Er ging in Pension, blieb in Thailand und begann sein Projekt »Baan Gerda«. Wenn er durch das Dorf geht, dann hängen an ihm ganze Trauben von Kindern. Sie lieben ihren »Onkel Karl« - und er liebt sie. »Es sind besondere Kinder.« Das Projekt wird nur aus Spenden finanziert. Sechs Häuser hat er bisher gebaut, 54 infizierte Kinder und sechs Elternpaare leben dort. Er muss das Dorf vergrößern: »Wir sind voll. Ich kann keine Kinder mehr aufnehmen, weil die Finanzierung sonst nicht mehr stimmen würde. Wissen Sie, wie schrecklich es ist, wenn Sie ein Kind wegschicken müssen? ,Baan Gerda‘, das ist der Unterschied zwischen Leben und Tod. Und dann muss ich Kinder wegschicken, weil ich keinen Platz mehr habe. Ich kann nur aufnehmen, wenn die medizinische Versorgung gesichert ist. Sonst gefährde ich die anderen. Ich muss den lieben Gott spielen, und das beschert mir Albträume.« Das Projekt »Baan Gerda« wollen wir unterstützen. Diesen Kindern wollen wir helfen. Wie immer direkt und schnell. Und effektiv. Natürlich kann man sagen: »Es geht um viele tausende Aids-infizierte Kinder in Thailand. Was hilft es, wenn man da ein paar hundert Kindern hilft?« Aber so kann man immer argumentieren. Irgendwie, irgendwann und irgendwo muss man anfangen. Karl Morsbach hat mit seinem Projekt auch einfach angefangen. Und deshalb wollen wir ihm helfen. Und wir hoffen auf Ihre Mithilfe.
|
 |
|
| ABO-FRÜHLINGSAKTION |
|
Ihr Frühlingsabo: Jetzt bestellen, sparen und ein Geschenk gratis! [mehr] |
 |
| BUCHTIPP |
|
Baedeker für den Bayerischen Wald Der neue Baedeker Reiseführer zum Bayerischen Wald präsentiert die Region... [mehr] |
 |
| FORUM |
|
Diskutieren Sie mit Ihre Meinung ist uns wichtig: Besuchen Sie uns im Leserforum! [mehr] |
 |
|