
Bis zu einer halben Million Pinguine kommen in den Brutkolonien auf der antarktischen Halbinsel im Sommer auf den wenigen eisfreien Flächen zusammen. Die Pinguine sind die bekanntesten Tiere der Antarktis und stellen 90 Prozent des gesamten Vogelbestandes. In einem Nest aus Kieselsteinen brüten die Pinguine innerhalb von 33 bis 40 Tagen ein bis zwei Eier aus. − Fotos: Dominic Barrington/Riversdale7
Bis zu einer halben Million Pinguine kommen in den Brutkolonien auf der antarktischen Halbinsel im Sommer auf den wenigen eisfreien Flächen zusammen. Die Pinguine sind die bekanntesten Tiere der Antarktis und stellen 90 Prozent des gesamten Vogelbestandes. In einem Nest aus Kieselsteinen brüten die Pinguine innerhalb von 33 bis 40 Tagen ein bis zwei Eier aus. − Fotos: Dominic Barrington/Riversdale7
Bild herunterladen"Auf Hannah Point konnten wir schon lange nicht mehr anlanden, so schwierig sind hier die Bedingungen", strahlt Uli Dornsiepen, der deutsche Geologe vom Expeditionsteam des Kreuzfahrtschiffes MS Fram, der sich mindestens so sehr wie die 199 Passagiere über den geglückten Landgang freut. "Es gibt hier überhaupt nur 50 Meter steinigen Strandabschnitt, der für unsere Polarzirkelboote zugänglich ist. Wenn das voll Eis ist oder in diesem Bereich zu viele Pinguine brüten oder See-Elefanten liegen, können wir da unmöglich landen."
Im Sommer zwischen null und fünf Grad"Hannah Point" ist einer der seltenen eisfreien Plätze im sensiblen Küstensaum der antarktischen Halbinsel und damit bevorzugter Lebensraum und Brutplatz für die Tiere der Antarktis. Im Gegensatz zur restlichen Antarktis verfügt die antarktische Halbinsel über ein mildes Klima. Im Sommer, also von November bis März, herrschen hier konstant zwischen null und fünf Grad. Auf diesen winzigen Bereich − gemessen an der Gesamtgröße der Antarktis − konzentriert sich im kurzen antarktischen Sommer fast alles Leben und damit auch aller Tourismus.

Die klassische Antarktisreise führt mit dem Kreuzfahrtschiff von Südamerika, meist Ushuaia/Argentinien, über die Drake Passage zur antarktischen Halbinsel und zurück. − Foto: Hurtigruten/io
Die klassische Antarktisreise führt mit dem Kreuzfahrtschiff von Südamerika, meist Ushuaia/Argentinien, über die Drake Passage zur antarktischen Halbinsel und zurück. − Foto: Hurtigruten/io
Bild herunterladen"Das hier ist die Antarktis in der Nussschale", begeistert sich auch der neuseeländische Expeditionsfotograf Dominic Barrington. "Auf "Hannah Point" ist wirklich alles versammelt: Kapsturmvögel, Dominikanamöwen, Skuas, Scheidenschnäbel, Riesensturmvögel, Blauaugenkormorane, See-Elefanten, Pelz- und Weddelrobben, Zügel- und Eselspinguine und sogar einige Goldschopfpinguine. Ein Traum!"
Da die Antarktis nicht bewohnt ist und es keine Häfen gibt, erfordert ein Landgang immer das Umsteigen in kleine Polarzirkelboote. Bis zuletzt war unklar, ob der hohe Wellengang eine Anlandung überhaupt zulassen würde. In der Antarktis bestimmen alleine Wetter-, Wind- und Eisbedingungen über Programm und Zeitpläne. Selbst in der günstigsten Reisezeit während des Hoch- und Spätsommers birgt jede Reise Überraschungen und fordert ein Höchstmaß an Flexibilität von allen.
Nur hundert Passagiere gleichzeitig an LandFür alle Anlandungen gelten strenge internationale Vorschriften. Lediglich hundert Passagiere dürfen sich zeitgleich an Land aufhalten. Mit dem Antarktisvertrag haben sich 47 Nationen in einer beispiellosen internationalen Kooperation auf den uneingeschränkten Schutz der Antarktis verständigt − des letzten großräumig funktionierenden Ökosystems der Welt. "Es ist eine Art gentlemans agreement", erläutert die norwegische Expeditionsleiterin Karin Strand, "es gibt keine Polizei, die uns hier überwachen würde, aber es halten sich dennoch alle an die hohen Auflagen, weil wir alle dasselbe Ziel verfolgen − den maximalen Schutz dieser fantastischen Welt."
Um das zu gewährleisten, sind auf allen Kreuzfahrtschiffen Biologen und Wissenschaftler an Bord, die eine Art "site-management" durchführen. Dabei wird der Zustand der Tier- und Pflanzenwelt jeder einzelnen Anlandestelle protokolliert und auf mögliche Belastungen durch den Tourismus oder anderes geprüft. Auch auf "Hannah Point" muss der Ornithologe des Expeditionsteams, Manuel Marin aus Chile, vor der Anlandung die Situation anhand eines festen Kriterienkataloges einschätzen: "Lassen sich Veränderungen in den Tierkolonien feststellen? Gibt es auffällig viele tote Tiere auf einer gegebenen Fläche? Finden sich Hinweise auf negative Einflüsse?" Schon bei einem einzigen Ja müsste die Anlegestelle sofort für alle Schiffe gesperrt werden.
Manuel Marin findet aber ein intaktes Ökosystem vor und gibt endgültig grünes Licht für die Anlandung. Mit einer einzigen Einschränkung: Da sich auf "Hannah Point" deutlich mehr Tiere aufhalten, als die Biologen erwartet haben, wird die Zahl der gleichzeitig an Land gehenden Passagiere kurzerhand auf 50 reduziert.
Drei Polarzirkelboote pendeln fast sechs Stunden lang zwischen der MS Fram und "Hannah Point" hin und her. Aus Sicherheitsgründen werden statt der üblichen acht nur je sechs Passagiere gebracht und geholt. Der starke Wellengang und die Gischt durchnässen alles, was nicht wasserdicht ist. Fast alle Passagiere trauen sich in die schwankenden Boote, niemand will sich diesen letzten Höhepunkt der Reise entgehen lassen.
Publikum immer jünger und mobilerÜberhaupt ist es eine erstaunlich junge Reisegruppe. Keine Spur von seniler Kreuzfahrtklientel, die nur noch eingeschränkt mobil wäre und deshalb auf schwierige Anlandungen verzichten müsste. "Fahrten in die Antarktis sind heutzutage nicht mehr der letzte Wunsch, den sich unsere Gäste vor dem Sterben noch erfüllen", bringt es Karin Strand lachend auf den Punkt. Ganz im Gegenteil: "Unsere Gäste werden immer jünger und aktiver, so dass wir uns bereits überlegen, ob wir nicht mehr Wanderungen und Aktivitäten neben den klassischen und sehr ruhigen Besuchen der Pinguin- und Tierkolonien anbieten sollen."
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Redaktion Karin Polz Tel. 0851 / 802 363 E-Mail: karin.polz@pnp.de Anzeigenverkauf Mediaberater |