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Ziel der Therapie: Patient hat seine Schmerzen im Griff − und nicht umgekehrt

von Sandra Hiendl

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Schmerzpatienten haben oft nicht die Kraft aufzustehen. Doch gerade die körperliche Aktivität würde helfen, das Herz-Kreislauf-System zu stabilisieren.  − Foto: Superbild

Schmerzpatienten haben oft nicht die Kraft aufzustehen. Doch gerade die körperliche Aktivität würde helfen, das Herz-Kreislauf-System zu stabilisieren.  − Foto: Superbild

Schmerzpatienten haben oft nicht die Kraft aufzustehen. Doch gerade die körperliche Aktivität würde helfen, das Herz-Kreislauf-System zu stabilisieren.  − Foto: Superbild


Es gibt weder Labor- noch Röntgenbefunde und trotzdem leiden die Betroffenen unter Schmerzen, Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Schlafstörungen oder Herz-Rhythmus-Störungen. Lange Jahre wurden Patienten wegen einer fehlenden Diagnose oft nicht ernst genommen oder gar verdächtigt, Simulanten zu sein. Heute weiß man, dass Erkrankungen wie Fibromyalgie oder auch eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung trotz fehlender objektivierbarer Laborbefunde das Leben der Betroffenen in der Tat stark beeinträchtigen.

"Das ist ein sehr sensibles Thema, bei dem die Betroffenen oft schon einen jahrelangen Leidensweg hinter sich haben", weiß Dr. Wolfgang Kalleder, Chefarzt der psychosomatischen Abteilung in der Fachklinik Johannesbad in Bad Füssing (Landkreis Passau). "Etwas überspitzt formuliert, versteht man unter Fibromyalgie die Diagnose der Orthopäden, unter einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung die Diagnose der Psychosomatiker. Auch wenn sich das auf den ersten Blick etwas befremdlich anhört, werden beide Diagnosen oft parallel gestellt, denn man kann sie nicht sauber voneinander trennen", erklärt der Experte.

Praktisch alle chronischen Schmerzpatienten zeigen auch deutliche depressive Störungen. Die berühmte Frage, wer zuerst da war, die Henne oder das Ei, sprich die Schmerzen wegen der Depressionen oder Depressionen wegen der Schmerzen, drängt sich gerade bei diesen Erkrankungen auf. Dennoch gibt Dr. Wolfgang Kalleder zu bedenken, dass eine exakte Definition, um welche Form der Erkrankung es sich de facto genau handelt, nicht im Vordergrund stehe, denn die Behandlungswege seien ohnehin sehr ähnlich. Fibromyalgie-Patienten und Betroffene einer anhaltenden Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren werden multimodal behandelt. "Das heißt, wir kombinieren eine medikamentöse mit einer Psychotherapie, schulen den Patienten hinsichtlich seiner Schmerzen, lernen ihm Entspannungsverfahren und raten grundsätzlich zu körperlichen Aktivitäten wie Schwimmen oder Radfahren. Dazu kommen noch physikalische Verfahren wie Massagen", zählt Dr. Wolfgang Kalleder auf.

Hinsichtlich der medikamentösen Therapie setzen die Experten bei Schmerzpatienten heute auf Antidepressiva und Antiepileptika, da sich beide als schmerzdistanzierend bei Betroffenen auswirken und sie dadurch eine veränderte Schmerzwahrnehmung verspüren. Angst vor einer Abhängigkeit müssen Patienten nicht befürchten, denn diese Medikamente werden erstens in meist relativ geringer Dosierung eingesetzt und zweitens ist eine kontinuierliche ärztliche Überwachung sehr wichtig. Ziel der Therapie ist, dass der Schmerz den Patienten nicht länger im Griff hat, sondern umgekehrt der Patient den Schmerz im Griff hat. Auch wenn eine völlige Schmerzfreiheit nach dem oft jahrelangen Leidensweg der Betroffenen meist nicht mehr erreicht werden kann, geht es in erster Linie darum, die Beschwerden auf ein erträgliches Maß zu reduzieren und den Patienten in seiner Lebensqualität möglichst wenig zu beeinträchtigen.

Wichtig ist es dem Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie zu betonen, dass es allerdings ohne körperliche Aktivität nicht geht. "Die medikamentöse Therapie gilt eher als Krücke. Den Zustand aus Schmerzen und Erschöpfung kann man aber nur durchbrechen, wenn man sich moderat, aber ausdauernd bewegt. Daran kommt keiner vorbei, denn eine Stabilisierung des Herz-Kreislauf-Systems ist enorm wichtig."

Ebenso wichtig ist für Patienten, in einer Psychotherapie (zum Beispiel Verhaltenstherapie) der Frage auf den Grund zu gehen, wo man selbst aktiv eingreifen kann, um eine Schneise zu schlagen in den Teufelskreis aus Schmerzen und Depressionen.



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Copyright © Passauer Neue Presse 2014
Dokument erstellt am 2012-12-06 15:25:50







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