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Dr. Jürgen Gosda weiß, dass viele Schmerzpatienten einen oft jahrelangen Leidensweg hinter sich haben.  − Foto: Rottal-Inn-Kliniken

Dr. Jürgen Gosda weiß, dass viele Schmerzpatienten einen oft jahrelangen Leidensweg hinter sich haben.  − Foto: Rottal-Inn-Kliniken

Dr. Jürgen Gosda weiß, dass viele Schmerzpatienten einen oft jahrelangen Leidensweg hinter sich haben.  − Foto: Rottal-Inn-Kliniken


Schmerzen können ein Leben verändern – besonders für Patienten, bei denen das Leiden chronisch geworden ist. Zu den großen Herausforderungen der modernen Medizin gehört, dass es für chronische Schmerzpatienten keine Behandlungsmethoden mit hundertprozentiger Erfolgsgarantie gibt. Im Interview mit der Passauer Neuen Presse erklärt Dr. Jürgen Gosda, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Chef der Fachklinik Psychosomatik in Simbach am Inn (Landkreis Rottal-Inn), warum chronischer Schmerz häufig so schwer zu behandeln ist und welche Lösungswege sich Therapeuten in interdisziplinärer Kooperation erschließen können.

Wie unterschiedlich kann Schmerz sein? Manche Leute beißen die Zähne zusammen, andere jammern und klagen. Lassen diejenigen, die stark leiden, sich einfach gehen?

Dr. Jürgen Gosda: Patienten, die dieselbe Krankheit haben, reagieren sehr unterschiedlich. Bei Schmerz liegt das daran, dass er bei jedem einzelnen Patienten auf einen anderen Boden fällt und anders verarbeitet wird. Schmerz kann objektiv nicht gemessen werden – wie intensiv der Einzelne reagiert, ist bei weitem nicht nur eine Frage der Selbstdisziplin und des Sichgehenlassens.

Woran liegt das?

Dr. Jürgen Gosda: Akuter Schmerz ist in der Regel eine Reaktion auf eine Verletzung oder Beeinträchtigung körperlicher Strukturen. Chronischer Schmerz dagegen basiert auf der Verarbeitung von Erfahrungen mit Schmerz, Stress, Angst und Anspannung. Auch Depression ist schmerzfördernd, diese Faktoren potenzieren sich gegenseitig. Inzwischen weiß man auch, dass es ein sogenanntes Schmerzgedächtnis gibt, in dem Schmerzerfahrungen abgespeichert werden, über lange Zeit ruhen und bei neuen Schmerzereignissen wieder aktiviert werden. Wir kennen mittlerweile einige Risikofaktoren. Wenn jemand als Kind schon Schmerzen ausgesetzt war, kann dadurch eine Prägung erfolgen, die Konsequenzen für das künftige Leben hat.

Was genau geschieht dann?

Dr. Jürgen Gosda: In solchen Fällen entsteht eine hohe Grundspannung im Körper, die meist aber nicht bewusst wahrgenommen wird. Auf Belastungen im normalen Alltag reagieren solche Menschen eher als andere, die solche Erfahrungen nicht hatten. Häufig verbergen sich unter körperlichen auch seelische Schmerzen. Die Gefühle, die einst mit Schmerz verbunden waren, schwingen heute noch mit – man reagiert stärker.

Wie wirken sich die Schmerz-Erfahrungen aus der Kindheit aus?

Dr. Jürgen Gosda: Sie spielen eine große Rolle dabei, ob Therapien, Operationen oder Medikamente etwas bringen.

Können Sie uns das an einem Beispiel erklären?

Dr. Jürgen Gosda: Stellen wir uns vor, ein Mensch hat starke chronische Rückenschmerzen, wie sie einem Ischias-Schmerz entsprechen. Da man erhebliche Veränderungen am Röntgenbild sehen kann, wird operiert, manchmal mit gutem Erfolg, oft aber ohne Erfolg. Wir wissen heute, dass Patienten, die depressiv sind oder eine Neigung zur Depression haben, häufig von solchen Operationen nicht profitieren. Meist werden dann mehr und mehr Schmerzmittel gegeben. Wenn auch diese keine Besserung erzielen, wächst die Krankenakte. Ein Kollege sagte einmal: "Ich lese die Akte nicht mehr, ich wiege sie!" Wenn diese Geschichte jahrelang so weitergeht, bekommt der Patient irgendwann die Diagnose "chronischer, unbehandelbarer Schmerz". Dann wird er zum Psychiater geschickt.

Was machen Sie heute anders?

Dr. Jürgen Gosda: Heute besprechen wir uns regelmäßig im Team mit Ärzten verschiedener Fachrichtungen und Therapeuten. Die Biografie des Patienten, insbesondere seine Erfahrungen mit Schmerzen, spielt dabei eine wichtige Rolle. In der engen interdisziplinären Zusammenarbeit können wir dann gemeinsam eine Therapiestrategie entwickeln. Wichtig ist, dass ein Patient seine Erkrankung in seine Lebensgeschichte integriert.  − pnp



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Jeder Mensch empfindet sein Leid anders
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http://www.pnp.de/nachrichten/ratgeber/gesundheit/schmerz_serie/602666_Jeder-Mensch-empfindet-sein-Leid-anders.html
2012-12-06 15:23:00
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