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Frauen versterben häufiger an unerkannten Herzinfarkten, weil sie häufig viel später als Männer den Notarzt rufen.  − Foto: Superbild

Frauen versterben häufiger an unerkannten Herzinfarkten, weil sie häufig viel später als Männer den Notarzt rufen.  − Foto: Superbild

Frauen versterben häufiger an unerkannten Herzinfarkten, weil sie häufig viel später als Männer den Notarzt rufen.  − Foto: Superbild


Von Sandra Hiendl

 Männer und Frauen beschreiben Krankheiten nicht nur anders, sie erleben und fühlen Symptome auch unterschiedlich. Dennoch hat die klassische Schulmedizin diesem Thema in der Vergangenheit wenig Stellenwert eingeräumt.

 "Eine durchschnittliche Frau in Mitteleuropa hat nicht dieselben Möglichkeiten wie Männer, sich Gesundheit leisten zu können. Frauen versterben häufiger an unerkannten Herzinfarkten, sie werden viel öfter mit Antidepressiva therapiert und sind häufiger Konsumentinnen von Schmerz- und Schlafmitteln", weiß Dr. Angelika Dieplinger, Soziologin und Leiterin der Abteilung Sozialdienst im Linzer Krankenhaus.

Frauen arbeiten 65 Stunden, Männer nur 44  In ihrem Vortrag beim TEM- Symposium in Linz erläuterte sie den Stellenwert des Genderansatzes in der Medizin. Unter genderspezifischer Medizin versteht sich der geschlechtergerechte Ansatz von Frauen und Männern, und auf diesem Gebiet hinken die Frauen den Männern sehr stark hinterher, wie die Ärztin betonte. Verantwortlich dafür macht die Österreicherin unter anderem auch die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf bei Frauen. "Zum einen gibt es Defizite bei Kinderbetreuungsangeboten, dann verdienen Frauen in Vollzeitbeschäftigung weniger als Männer, und nicht zuletzt arbeiten Frauen im Schnitt laut einer Studie 65 Stunden, während Männer auf 44 Stunden kommen, weil die Hausarbeit und Kinderbetreuung den Frauen zufällt." Dass dieser Unterschied nicht gesund ist, dürfte klar sein, führte die Referentin weiter aus. Ihr Tipp: "Frauen sollten aber auch einmal versuchen, nicht alles selbst zu machen, sondern Hilfe einfordern und ihre Männer mehr erledigen lassen."

 Gendermedizin ist allerdings auch deshalb so wichtig, weil die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen und Männern in der Prävention, Diagnostik und Versorgung berücksichtigt werden müssen, um eine Fehlversorgung zu vermeiden. So wurden zum Beispiel bis in die 90er Jahre hinein pharmakologische Studien und deren Nebenwirkungen nur an Männern durchgeführt, und so sind auch die Behandlungsleitlinien männlich. Dabei baut aber die Leber einer Frau Wirkstoffe anders ab als die eines Mannes. "Ich kann Frauen deshalb nur raten, bei ihrem Arzt nachzufragen, ob die Dosierung auch ihrem Gewicht angepasst ist, denn wenn ein Medikament an Männern mit durchschnittlich 80 Kilo getestet wurde, wäre es für manche Frau ziemlich überdosiert", gab Dr. Angelika Dieplinger zu bedenken.

Weil Frauen auch grundsätzlich anders mit Erkrankungen umgehen, sterben mehr. So führte die Referentin an, dass Frauen bei einem Herzinfarkt im Schnitt eine halbe Stunde später in die Klinik gehen oder einen Notarzt rufen als Männer, weil sie ihre Beschwerden häufig nicht so wichtig nehmen.

"Frauen sollten mehr an sich denken. Es hat sich auch gezeigt, dass Frauen, die zum Beispiel mit der Diagnose Krebs konfrontiert werden, zuerst einmal an ihre Kinder und an ihre Familie denken, aber nicht an sich selbst. Einem Mann käme das nicht in den Sinn. Der denkt an sich", so ihr Fazit.

Deshalb plädierte Dr. Angelika Dieplinger am Ende ihres Vortrags eindringlich an alle Frauen, sich selbst und ihr Wohlbefinden mehr in den Mittelpunkt zu stellen. "Es ist gut, andere zu lieben, ohne sich dabei selbst zu überspringen."












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Dokument erstellt am 2012-02-13 10:41:42







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