
Gemeinsam spielen bringt weiter – in der Musik und im Leben. Aus dieser Überzeugung heraus leiten Roland Pongratz (vorne) und Josef Schmidt (hinten rechts) den "Pluskurs Volksmusik" am Gymnasium Zwiesel. − Foto: Petersamer
Gemeinsam spielen bringt weiter – in der Musik und im Leben. Aus dieser Überzeugung heraus leiten Roland Pongratz (vorne) und Josef Schmidt (hinten rechts) den "Pluskurs Volksmusik" am Gymnasium Zwiesel. − Foto: Petersamer
Die Musik springt einen geradezu an, wenn man den hellen Raum im Erdgeschoss des Zwiesler Gymnasiums betritt. Durch große Fensterfronten fällt das Licht auf ein Klavier, um das sich allerlei Instrumente und gut bestückte Notenständer scharen, über der Tür hängt ein Tamburin am anderen, ein weiteres "wächst" aus dem Topf der Zimmerpflanze. Die Wände sind gespickt mit Fotos und Zeitungsausschnitten vergangener Auftritte, darunter hängen, stehen und liegen weitere Instrumente. "Los, spiel mit uns!" lautet ihre unhörbare, aber deutliche Botschaft. "Musik ist zum Machen da!"
Immer samstags drei Stunden Praxis purVon dieser Botschaft sind die beiden Männer, die sich am Tisch niedergelassen haben, so felsenfest überzeugt, dass sie seit Jahren nicht nur Dienstzeit, sondern auch viel freie Zeit und noch mehr Energie darauf verwenden, ihre Schüler zum Musizieren zu bringen – und zwar anders, als man es aus Formaten wie Schulchor oder Schulorchester kennt: Regelmäßig am Samstagvormittag geben Musiklehrer Josef "Bepp" Schmidt (56) und (Volks)Musikpädagoge Roland Pongratz (40) den "Pluskurs Volksmusik" – drei Stunden Praxis pur. "Eine Mordsgaudi", sagt Schmidt. Ein erstaunliches Generationenprojekt könnte man es auch nennen.
Erstaunlich, weil sich eine Schule in Zeiten der Mittelknappheit über das "Pflichtprogramm" hinaus musische Kurse leistet. Erstaunlich, weil hinter diesem Aufwand kein weiterer Antrieb steht als die einfache These, dass gemeinsames Musizieren Spaß macht und weiterbringt. "Erst im Zusammenspiel wird den Kindern bewusst, weshalb sie eigentlich Musi machen: Weil die Einzelstimmen erst miteinander einen Sinn ergeben, weil die Leut' dann tanzen können und eine Freud' haben", sagt Pongratz. "Sie lernen, alleine eine Stimme zu spielen und sich vor Publikum zu präsentieren. Das stärkt das Selbstvertrauen ungemein."
Das Erstaunlichste: Es spricht eine Menge dafür, dass die beiden Lehrer damit richtig liegen. So kann der Kurs jedes Schuljahr eine stattliche Teilnehmerzahl (19 Instrumentalisten im Jahr 2011/12) vorweisen, darunter auch spielfreudige Eltern. So kann er bereits in dritter Generation seine Schüler dafür begeistern, selbst unter die Lehrer zu gehen: Schmidt nahm das Projekt in Angriff, Schmidts einstiger Schüler Pongratz lehrt seit zwei Jahren an seiner Seite. Und auch ein Schüler der jüngeren Zeit engagiert sich nun zunehmend bei der Ausbildung des Musikantennachwuchses: Andreas Weiß, Akkordeonist bei den Äff-tam-tam-Musikanten. Sechs Mitglieder der siebenköpfigen Formation, die mit frisch interpretierter Tanzmusik Erfolg um Erfolg feiert, haben im "Pluskurs" gespielt.
Die "besondere Aura" des Zwiesler Musikraums und Schmidts Art zu unterrichten sind an dieser Strahlkraft wohl nicht ganz unbeteiligt. "Die Distanz zwischen Lehrerpult und Schülerbank ist beim Bepp geringer als im Rest des Schulhauses", beschreibt Pongratz den freundschaftlichen Ansatz seines Lehrmeisters, der um keinen lustigen Spruch verlegen ist, wenn es gilt, den Kindern die Hemmungen vor traditionellen Klängen zu nehmen. "Wir sagen gar nicht erst: Achtung, jetzt singen wir ein Volkslied. Wir singen halt zufällig auf Bairisch." Schmidt lächelt breit. "Und wenn hinterher ein 14-Jähriger kommt und sagt: He, Schmidt! Des gfallt mir! Dann weiß ich, dass ich es gut gemacht habe."
"He, Schmidt! Des gfallt mir!" Sorgen um den musikalischen Nachwuchs macht man sich in und um Zwiesel nicht? Entschiedenes Kopfschütteln. "Mit dem Pluskurs haben wir es geschafft, dass die Musik nicht an der Schultür aufhört", sagt Pongratz. "Die Jungen tragen's nach Hause und ins Land. Das ist das, was zählt." Schmidt sagt nichts dazu, lächelt aber noch breiter. Dann setzt er sich ans Klavier und spielt "A Rollmops und a Haring". Einfach so zum Spaß. Musik ist schließlich zum Machen da.
Katrina Jordan
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