von Mirja-Leena Klein
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Passaus Volksmusikpflegerin Kathrin Gruber kam selbst als junges Mädchen zur Musik. Heute gibt sie sie bei vielen Anlässen mit Begeisterung an Alt und Jung weiter. "Man muss sich nur trauen, denn jeder kann singen und keiner muss sich genieren", meint sie. − Foto: Jäger
Passaus Volksmusikpflegerin Kathrin Gruber kam selbst als junges Mädchen zur Musik. Heute gibt sie sie bei vielen Anlässen mit Begeisterung an Alt und Jung weiter. "Man muss sich nur trauen, denn jeder kann singen und keiner muss sich genieren", meint sie. − Foto: Jäger
"Alte Lieder am Leben erhalten, das geht nur, wenn sie auch gesungen werden", findet Karl-Heinz Reimeier, Volksmusik- und Heimatpfleger im Landkreis Freyung-Grafenau. Nie hätte er geglaubt, dass er mal "bei der Volksmusik landet", wie er lachend sagt. Denn er hatte lang die volkstümliche mit der Volksmusik verwechselt. "Ich hab nicht die richtige Musik gehört, nicht die überlieferte", erinnert sich Reimeier. Als Volksmusikpfleger trägt er nun selbst dazu bei, dass Lieder weiter überliefert werden. Das tut er bei unterschiedlichen Anlässen wie Singstunden − auch hat er das Liederbuch "Wetzstoa" mit 151 Liedern herausgegeben, um jedermann die alten Lieder zugänglich zu machen.
"Singen lässt das Herz leichter werden"Was macht man eigentlich genau als Volksmusikpfleger? "Die wichtigste Voraussetzung ist die Freude am eigenen Tun", weiß Reimeiers Kollegin im Landkreis Regen, Sonja Petersamer. Wenn die Kinder, mit denen sie vorwiegend singt, merken würden, dass es einem selbst Spaß macht, alte Lieder zu singen, gehe die Vermittlung ganz leicht. "Volksmusik ist ein Virus, der leicht übertragbar ist", scherzt Petersamer. Viele Jugendliche fänden Volksmusik am Anfang blöd, weil sie sie mit Musikantenstadl assoziieren würden, doch wenn sie dann in Berührung mit der "eigentlichen" Volksmusik kämen, schlage der Virus schnell durch.
Das kann in Passau Kathrin Gruber nur bestätigen: "Ich bin als Volksmusikpflegerin eine Art Vermittlerin zwischen Sängern und Musikanten und den, manchmal auch skeptischen, Zuhörern. Ich arrangiere Begegnungen, um die Leute wieder aufmerksam zu machen, wie wohltuend und schön die einfache Musi aus dem Volk ist und wie verbindend es ist, miteinander zu singen. Handgemachte, manchmal altüberlieferte Musik weiterzutragen, ist meine Aufgabe."
Was Gruber, Petersamer und Reimeier bei all ihren unterschiedlichen Aufgaben verbindet, ist die Auffassung, dass Volksmusik nichts Statisches sein darf. Das bezieht sich sowohl auf die Inhalte als auch auf die Darbietungsformen. "Es muss sich was bewegen. Nichts Schlimmeres, als wenn einer vorne steht auf der Bühne und sich nichts regt und rührt", sagt Reimeier. Zwischen den Leuten müsse man sein, nicht abseits, nicht "nur" vorführend.
Die Regenerin Sonja Petersamer nennt ihre Art der Volkmusik-Vermittlung daher "ganzheitlich". "Die Kinder sollen sich bewegen, klatschen, tanzen. So wird es vor allem den Kleinen nicht langweilig." Es geht den Volksmusikpflegern vor allem ums Singen, um die Praxis und das Einbinden aller, die Lust haben, aktiv mitzumachen. Petersamer weiß um die Stärkung des Selbstbewusstseins durch das Singen. Auch Kathrin Gruber hat diese Erfahrung gemacht: "Singen tut einfach gut, lässt das Herz wieder leichter werden und befreit die Seele. Man muss sich nur trauen, denn jeder kann singen und keiner muss sich genieren." Textprobleme löst sie ganz einfach indem sie entsprechende Liedermappen vorbereitet, die oft kopiert werden.
Gruber pflegt in ihrem "Musikantenfreundlichen Wirtshaus" in der Passauer Rittsteigerstraße regen Kontakt zu anderen Musikanten und sieht sich durch den steten Zulauf bestätigt, dass Volksmusikpflege nichts Verstaubtes sein muss: "Ein Wirtshaus ist ein wunderbarer Ort, um sich gemütlich zusammenzusetzen, um alte Lieder zu singen. Fast jeder am Stammtisch kennt ein altes Lied, das schon fast vergessen scheint."
Man darf nicht außer Acht lassen, dass eine Kernaufgabe der Volksmusikpfleger eben darin liegt, alte Lieder erst einmal aufzuspüren. Nur wie? Karl- Heinz Reimeier sammelt als Kreisheimatpfleger natürlich nicht nur Lieder, sondern auch Geschichten, Sagen und schreibt Bräuche nieder.
"Das haben wir beim Holzhauen gesungen"Und in diesem Zusammenhang erzählen ihm ältere Gewährsleute häufig von schon fast vergessenen Liedern. "Die erinnern sich dann: Das haben wir früher beim Holzhauen gesungen." Am wichtigsten sei es eben, immer in direktem Kontakt mit den Menschen zu sein, weiß Reimeier: "In dem ich zu den Leuten gehe, von denen ich weiß, dass sie gern singen, erfahre ich viel. Ich gehe von Dorf zu Dorf und sammle ich meine Lieder." Oft setzt er sie um in Noten und verhindert so ihr Verschwinden.
Es sind alle Arten von Liedern dabei, erzählt Reimeier. Politische Lieder, Liebeslieder, Soldatenlieder, Spottlieder. Gern bringt er auch neuen Schwung in die alten Vorlagen, experimentiert herum und will sie somit lebendig halten.
Bei Sonja Petersamer war es die Mutter, die schon immer sorgfältig Lieder- und Notenbücher gesammelt und aufgehoben hat. So habe sich im Lauf der Jahre ein Fundus an alten Liedern entwickelt, den sie an Singwochenenden, bei Seminaren und im Unterricht weitergibt. Ein Problem sieht sie darin, dass die Berieselung der Jugendlichen durch die Ohrstöpsel immer mehr zunehme und einfach zu wenig aktiv musiziert werde.
"Berieselung durch Ohrstöpsel nimmt zu""Es müsste in der Schule schon viel mehr geschehen, um musikalische Talente früh zu erkennen", findet die Musiklehrerin. Denn nicht jeder hat das Glück, Eltern zu haben, die die Musikalität ihrer Kinder erkennen und fördern, so wie es bei Kathrin Gruber der Fall war: "Die Diatonische Harmonika hat mir mein Papa schmackhaft gemacht. Mit neun Jahren habe ich das erste Instrument bekommen, womit ich im Trachtenverein fleißig gespielt habe. Die Mitgliedschaft im Verein, einer wunderbaren Gemeinschaft mit Liebe zur Kultur und zum Brauchtum, hat meine Leidenschaft zur Musik früh entstehen und wachsen lassen."
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