von Katrina Jordan
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"Es ist ein tolles Gefühl, das Instrument zu bauen, das man selbst spielt": Siegfried "Haglmo" Haslbeck (44) ist auch als Harmonikakünstler gefragt. − Foto: Birgmann
"Es ist ein tolles Gefühl, das Instrument zu bauen, das man selbst spielt": Siegfried "Haglmo" Haslbeck (44) ist auch als Harmonikakünstler gefragt. − Foto: Birgmann
Es riecht gut in Dr. Siegfried Haslbecks Werkstatt. Frisch, würzig, ein bisschen süß. "Birnbaumholz", sagt der 44-Jährige und lächelt. "So ein schönes Holz ist das." Und Haslbeck baut schöne Instrumente daraus: Seit zwei Jahren stellt er auf dem familieneigenen Einödhof Hackl bei Marklkofen (Lkr. Dingolfing-Landau) mechanisch und optisch einzigartige Harmonikas her. Der "Haglmo", der "Hackl-Mann", wie er überall genannt wird, hat sich damit einen Traum erfüllt. "Es ist ein tolles Gefühl, das Instrument zu bauen, das man selbst spielt. Und es so zu bauen, dass andere Leute auch Freude dran haben", sagt er. "Konstruktiver als alles, was ich bisher gemacht habe."
Der Musiker Haglmo entscheidet sich für die Musik. Der Physiker Haglmo auch. Im Keller seiner Münchner Wohnung entsteht der Prototyp einer Harmonika mit patentierter eigener Mechanik: Anders als bei der klassischen Steirischen sind alle Hebel unter den Knöpfen gleich lang. Für den Spieler eine Erleichterung, weil alle Töne exakt ansprechen, ohne dass er den Fingerdruck anpassen muss. Für den Hersteller ein Zusatzaufwand, weil das Innenleben der Harmonika zum komplexen Puzzle wird. Interessierte Firmen wollen deshalb das erste spielbare Instrument und die "Kinderkrankheiten" abwarten. Doch als 2009 eine ziemlich gesunde Harmonika auf dem Hackl-Hof das Licht der Welt erblickt, ruft Haglmo sie nicht mehr an. "Für mich war klar: Wenn ich tatsächlich ein gutes Instrument fertig bringe, dann baue ich es auch selbst."
Mit der kaufmännischen Unterstützung seines älteren Bruders Johann gründet er die Marke Haglmo – benannt nach dem ersten "Hackl-Mann", dem Vater Hans, der zu Lebzeiten mit großem Talent Harmonika spielte. Ein gutes Dutzend Instrumente haben sie bisher verkauft. Genug, um zum Geheimtipp zu werden. Für den eleganten honigfarbenen Korpus haben die einst sehr beliebten Instrumente des Eggenfeldener Harmonikabauers Sebastian Roßhuber Pate gestanden. Fein gearbeitete Edelstahlbeschläge und handgefertigte Lederriemen ergänzen das Ton in Ton gehaltene Design. "Eine Optik, auf die d'Leut reagieren", sagt Haglmo. Einfach schön, könnte man auch sagen.
Dazu besitzt die Harmonika auch noch einen bemerkenswerten Klang: energisch vibrierend, farbenreich, fein ausgewogen. Hat sich hier die Wissenschaft bezahlt gemacht? Lässt sich das gar berechnen? "Nicht wirklich." Der Physiker Haglmo lacht. "Oft genug findet man den perfekten Klang durch Zufall. Es gibt aber Tricks, wie man die Stimmzungen trimmen und den Klang beeinflussen kann."
Eine Formel für Volksmusik hat hingegen der Musiker Haglmo für sich entdeckt: Kraft plus Ehrlichkeit plus Schwung. Wo andere sagen: "Da wird Musik gespielt", sagt er: "Da passiert eine Musik." Und das Ereignis Volksmusik hört für ihn jenseits des Traditionellen noch lange nicht auf: Mit Harmonika und Stimme widmet er sich dem Zwiefachen genauso gerne wie der "alternativen" Mischung mit hartem Rock, Punk und Elektrosounds. In seinen Augen ist beides "gelebte Volksmusik": "Hauptsache, die Musik kommt mitten unter die Leute und sorgt dafür, dass sie sich bewegen. Die musikalische Bandbreite ist das, was die Volksmusik am Leben erhält." Er streicht seiner Harmonika sanft über das geschliffene Birnbaum-Gehäuse. "Und jede Haglmo ist mein Beitrag dazu."
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