Große Egos und großes Talent: Die Burghauser Hip-Hopper von "escapemusic" starten durch
von Dominik Schweighofer
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Vor 4000 Leuten spielten escapemusic bei einem Jugendevent in Burgkirchen. | Michael Schlemmer
Vor 4000 Leuten spielten escapemusic bei einem Jugendevent in Burgkirchen. - Michael Schlemmer
Man kann sich das gut vorstellen: Die Muskeln brennen. Der ganze Körper schreit "Aufhören". Den Profifußballern vom SV Wacker Burghausen geht das öfter so. Zumal bei Gerd Stummvoll, dem Athletiktrainer des Vereins. Doch zum Glück hat eben jener Stummvoll eine Geheimwaffe im Kampf gegen müde Kickerbeine im Repertoire: "Wir breiten unsere Schwingen aus und steigen in den Himmel auf" − so kommt es plötzlich mit fettem Beat und ansteckender Lebensfreude aus den Boxen. "Aufwind" heißt der Muntermacher, und der da gerade den Refrain singt, ist Magnus Stummvoll, Sohn von Gerd und Mitglied der Burghauser Hip-Hop-Crew "escapemusic".
"Ja, das taugt der Mannschaft total", sagt dann auch Magnus, oder "Banga", wie er mit Künstlernamen heißt. Er grinst. Es läuft gerade ziemlich gut für ihn und seine Jungs. Auftritte mit den österreichischen Hip-Hop-Ikonen von "Texta" und vor 4000 begeisterten Schülern bei "Adrenalin Ja, Gewalt? Nein Danke" in Burgkirchen, sprechen für sich.
Seit Ende 2008 gibt es "escapemusic" in dieser Formation. Ihr Herz an den Hip-Hop haben die Jungs mit den Künstlernamen "Dizzy Def", "enigma", "Triad", "Sayne One", "Banga" und "DJ Andida" schon viel früher verloren. Bereits als Schüler haben sie eigene Rap-Texte geschrieben, Magnus hat sein Talent als Beatboxer entdeckt. Die "sprachliche Ausdrucksmöglichkeit", das ist es, was sie an Hip-Hop fasziniert: "Da kannst du so viel reinpacken."
Eine Hip-Hop-Initialzündung gab es eigentlich bei jedem Bandmitglied. Erkut Balkan musste zum Beispiel dringend seine Musiknote verbessern, und da er kein Instrument beherrschte, erzählte er seiner Lehrerin, dass er Rappen könne. Eine Notlüge. Aber seltsamerweise kam sein Auftritt bei Klasse und Lehrerin bestens an. Oder Christopher Kaiser: Der war etwa elf Jahre alt, als ihn der Eminem-Film "8 Mile" so faszinierte, dass er selbst schreiben wollte. Zunächst besorgte er sich aber eine Samy-Deluxe-CD − auf nicht ganz legalem Weg. Eine "Jugendsünde", über die er heute schmunzelt.
Mit genau jenem Samy Deluxe werden "escapemusic" nun im Sommer beim Burghauser Festival "Kultur im Zelt" die Bühne teilen. Für Christopher schließt sich der Kreis. Auch weil Mister Deluxe einer von jenen Rappern ist, auf die sich alle sechs einigen können. "Wir haben ziemlich verschiedene Einflüsse und feiern teilweise total unterschiedliches Zeug ab", erklärt Martin Keindl. Von amerikanischem Undergroundrap, über Soul bis hin zu deutschem Hip-Hop reicht die Palette.
Überhaupt sind die sechs Burghauser ziemlich unterschiedlich. "Es ist eigentlich interessant, dass wir als Gruppe so gut funktionieren", sagt Erkut Balkan. Und Roman Stein fügt hinzu: "Bei uns prallen schon einige große Egos aufeinander." Da ist es ganz gut, dass vier der "escape"-MCs gerade ihre Solo-EPs herausbringen, um "ihr Zeug zu präsentieren".
Überhaupt läuft es bei "escapemusic" deutlich anders ab, als man das etwa von einer Rockband kennt: Meistens hat einer irgendwo einen Beat aufgetan und stellt ihn dann zusammen mit einer thematischen Idee den anderen vor. Wer mitmachen will, schreibt dann seinen Part für sich und nimmt ihn auch selbst auf. Am Schluss landet alles auf einer gemeinsamen Session-Datei. Klingt unromantisch? Nun, so lange das Ergebnis weiterhin für so einen "Aufwind" sorgt . . .
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