von Raimund Meisenberger
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Wie die Made im Speck lebt der Großvater (Gerd Lohmeyer, 2. von links) bei den reichen Haslingers: Lorenz Gutmann (v. l.), Veronika Eberl und Ambra Berger. Manchmal muss er sich allerdings der heuchlerischen Streicheleinheiten der Bäuerin erwehren. − Foto: Rupert Rieger
Wie die Made im Speck lebt der Großvater (Gerd Lohmeyer, 2. von links) bei den reichen Haslingers: Lorenz Gutmann (v. l.), Veronika Eberl und Ambra Berger. Manchmal muss er sich allerdings der heuchlerischen Streicheleinheiten der Bäuerin erwehren. − Foto: Rupert Rieger
Lässt sich die Kurve noch kriegen, wenn man den Komödienstadel rechts überholt? − "Der verkaufte Großvater" läuft jetzt im Eggenfeldener Theater an der Rott.
Na servus, das wird zünftig! Wirklich alles mögliche ist zu erwarten, wenn der Eggenfeldener Theater-Erneuerer Karl M. Sibelius die groteske Volkskomödie "Der verkaufte Großvater" von Anton Hamik in der Bearbeitung von Franz Xaver Kroetz auf den Spielplan setzt − aber nicht, dass er den Komödienstadel rechts überholt und direkt im krachledernen Bauerntheater landet. Regisseurin Susi Weber und ihr Ausstatter Luis Graninger beginnen den "Großvater" mit bajuwarischem Hauruck-Realismus. Und die Frage ist: Wie kommen sie in den nächsten 135 Minuten da wieder heil raus?
Dieser Großvater ist ein Scheusal, der den verlorenen Beichtzettel der Dirn an die Kirchenmauer klebt − Gerd Lohmeyer aber macht ihn spielend zum Sympathieträger. Der 1945 in Würzburg geborene Charakterdarsteller mit der markanten hohen Stimme beherrscht die Bühne trotz seiner kleinen Statur mit umso größerem Charisma und darstellerischer Autorität. Wirklich ein Genuss, wie viel Wirkung er mit sparsam und punktgenau eingesetzten Mitteln erreicht. Lohmeyer schafft es, mit Stöckelschuhen über die Bühne zu laufen, das Publikum spendet Szenenapplaus, prustet vor Lachen − und er bewahrt im größten Klamauk wie selbstverständlich seine Würde! Lohmeyers Engagement lohnt allein schon den Besuch.
Was anfangs so demonstrativ im Bauerntheater-Gestus inszeniert war, wird jetzt mehr und mehr grotesk (etwa wenn die Bauernkinder anbandeln und beim einen die Arme, bei der anderen die Beine ein unkontrolliert neurotisches Eigenleben entwickeln). Regisseurin Susi Weber dreht die Schraube gnadenlos weiter Richtung Satire und Trash. Das Volkstheater als Freakshow. Zeitgleich. Kurve gekriegt, Respekt.
Wieder am 11./12./13./18./19. und 20. Januar.
Karten unter 08721/1268980.
Die ausführliche Kritik lesen Sie am 7. Januar im Feuilleton der Passauer Neuen Presse.
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