
Aus Hunderten Kostümen, die von der Decke schweben, werden wechselnde Bühnenbilder gebaut. − Foto: Eschenfelder/TadR
Aus Hunderten Kostümen, die von der Decke schweben, werden wechselnde Bühnenbilder gebaut. − Foto: Eschenfelder/TadR
Bild herunterladenJohanna ist kaum tot, da donnert der Applaus los. Heftig, herzlich, Füße trampeln, Münder rufen Bravo, stoßen Pfiffe der Begeisterung aus. Groß, fast schon großspurig hatte Intendant und Regisseur Mario Eick seine "Jungfrau von Orleans" angekündigt. "Überzeugen Sie sich von der Qualität unseres Angebots", heißt es in einer getürkten Anzeige, die in einem Video auf der Theater-Homepage den "Ausverkauf" des Ensembles am Ende der Saison und der Intendanz Eick anprangert. Er hat überzeugt bei dieser Premiere am Samstagabend − mit seinem Ensemble und mit der besten Regiearbeit seiner Amtszeit.
Gelungen ist ihm das, indem er maximal viel Raum schafft für Friedrich Schillers Text und Sprache − den Rest besorgen diese in ihrer Brillanz fast alleine. Die Darsteller kombinieren Schwert und Springerstiefel, die Bühne ist kahl, schwarz, offen bis zur Rückwand, etliche Holzhocker, nichts weiter. Aus dem Seilzug-Himmel schweben je nach Szenerie Landschaften und Architekturen, geformt aus Hunderten Kostümen. Diese Optik verstört einen Augenblick und erfreut dann drei immens kurze Stunden lang mit ihrer Flexibilität und mit ihrer Offenheit für ganz subjektive Projektionen des einzelnen Zuschauers − wunderbare Arbeit von Werner Klaus und Simone Sommer.

Zu neuer Größe spielt sich nicht nur Liza Sarah Riemann als Johanna in dieser Rottaler Inszenierung. − Fotos: Jörg Eschenfelder/TadR
Zu neuer Größe spielt sich nicht nur Liza Sarah Riemann als Johanna in dieser Rottaler Inszenierung. − Fotos: Jörg Eschenfelder/TadR
Bild herunterladenNach anfänglich sehr vielen Versprechern steigert sich das Ensemble und folgt, unterstützt von Erich Maiers pointierten Klanginstallationen, dem Regisseur mit Mut zur Ironie. Etwa wenn die gesprochenen Regieanweisungen zu Befehlen an die Figuren werden oder in komischem Kontrast zur Inszenierung stehen: "Der König weicht entsetzt zurück", tönt es. Dieser aber lächelt souverän und steht!
Diese "Jungfrau" zeigt in der Tat das Potenzial des Ensembles. Und seine Grenzen, wenn Schauspieler-Typen die Bühnen-Charaktere überlagern: So neigt Sebastian Goller zum Pathos, Christine Reitmeier zum Forcieren, Erich Maier zum Karikieren. Florian Federl strahlt am hellsten als narzisstisch-zagender König, Christopher Luber kann alles vom verhärmten Vater bis zum tänzelnden Bänkelsänger, Boris Schumm scheint in einen Kessel voll Bühnenpräsenz gefallen zu sein, und Liza Sarah Riemann ist einfach nur goldrichtig auf Johannas Platz: bohrender Blick, priesterliche Haltung, naiv, streitbar. Unschuld vom Lande und Schlächterin. Wer diesen Spagat ohne Muskelzerrung schafft, darf sich bejubeln lassen. Kompliment!Raimund MeisenbergerWieder am 11./12. Februar, 3./4. März. Karten: 08721/1268980
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