• regioevent.de
  • mydealbayern.de
  • heimatsport.de
  • am-sonntag.de




Icon Breadcrumb Sie sind hier:
RSS-Feed abonnieren
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...




Buchet/Bernried  |  05.09.2011  |  06:49 Uhr

Zauberhafte Zauberflöte im Bauernstadl

Lesenswert (1) Lesenswert Weitersagen Weitersagen drucken Drucken






Sogar an die Portion Sex-Appeal hat der Kulturwald gedacht: Die "Drei Damen" (von links) Nina Kaiser, Sigrun Maria Bornträger und Anne Hartmann versuchen Tamino (Corby Welch, links) und Papageno (Thomas Bauer, rechts) für sich einzunehmen.  − Foto: Manuel Birgmann

Sogar an die Portion Sex-Appeal hat der Kulturwald gedacht: Die "Drei Damen" (von links) Nina Kaiser, Sigrun Maria Bornträger und Anne Hartmann versuchen Tamino (Corby Welch, links) und Papageno (Thomas Bauer, rechts) für sich einzunehmen.  − Foto: Manuel Birgmann

Sogar an die Portion Sex-Appeal hat der Kulturwald gedacht: Die "Drei Damen" (von links) Nina Kaiser, Sigrun Maria Bornträger und Anne Hartmann versuchen Tamino (Corby Welch, links) und Papageno (Thomas Bauer, rechts) für sich einzunehmen.  − Foto: Manuel Birgmann


Das hätte auch schief gehen können. Gewaltig schief. Drei Tage, Montag, Dienstag, Mittwoch nur, hatte das Gesamtensemble geprobt, am vierten stellten sich Orchester, Chor und Solisten bereits dem Publikum in einer öffentlichen Generalprobe − weil die drei Vorstellung längst ausverkauft, die Anfragen aber unzählig waren. Drei Tage für Wolfgang Amadeus Mozarts Singspiel "Die Zauberflöte". Da ist weniger zu befürchten als schon fast sicher damit zu rechnen, dass szenische Übergänge zu unfreiwillig gedehnten Kunstpausen werden, dass die Musik daherschaukelt und die Inszenierung spricht: Lasst Milde walten, ich bin eine Notlösung!

Trampelgewitter und stürmische Bravochöre Nichts davon wird wahr bei der Premiere auf dem Kulturwald-Festival, das sich im vierten Jahr an seine erste Opernproduktion gewagt und statt der Katastrophe einen unerhörten Triumph eingefahren hat. Trampelgewitter und stürmische Bravochöre nach einer ungekürzten, tief charmanten und musikalisch wunderbar schmackhaften "Zauberflöte". Im Stadl wohlgemerkt, das Orchester in den neu geschaffenen seitlichen Anbau geschlichtet, die Musiker umrahmt von Geweihen und ausgestopftem Wildsaukopf. Eingespielt hat man sich zuvor im Hofladen zwischen Hirschsalami, Bayerwaldschnaps und Marmelade.

 Das Rustikalambiente des Spielorts macht sich die Münchner Regisseurin Doris Heinrichsen für ihr Konzept zunutze und stiftet so harmonische Identität zwischen dem Wildhof draußen und der Bühnenhandlung: Papageno, verwurzelter Waidler, spricht Dialekt, mampft Wurst am Stück und beschimpft Sarastros Wächter: "Behandelt ma alle Leut so bei euch? Dann wird’s da nix mit ’m Tourismus."

 Glücklicherweise wahrt Heinrichsen (bis auf Ausrutscher wie eine Bärwurz-selige Arie) gemessene Distanz zum Bauernschwank und führt unaufgeregt dezent durch das Stück, das sie mit kurzweiligen, erfrischenden und schlank zu realisierenden Ideen spickt: Wie aus einer anderen Welt herbeigezaubert bezirzt Yanping Tu als Papagena ihren Papageno auf Chinesisch, und siehe da, er versteht jedes Wort. Die nur zehnköpfige, aber mächtig singende Max Reger Vereinigung (vor allem der Männerchor zeigt sich herrlich homogen, geschmeidig und punktgenau) wird in Putzfrau-und-Hausmeister-Montur zum Requisitienschieben eingespannt. Und die Königin der Nacht tritt mit einem leibhaftigen schwarzen Pferd durchs Tor: So schafft man königliche Aura.

 So wohlig ist dieser "Adalbert-Stifter-Stadl" mit seinen alten Balken und seiner wundersam warmen Akustik, dass eine gemalte Rückwand als Bühnenbild voll ausreicht: Aus einem Totenschädel wächst da scherenschnittartig ein Baum, um den sich Eisvogel, Schmetterling und wieder Hirsch scharen. Dazu das minimalistisch-wirkungsvolle Licht, Kostüme vom Trachtenanzug für Sarastro bis zum Drei-Engel-für-Charlie-Lederlook für die "Drei Damen" − mehr braucht diese "Zauberflöte" nicht an Drumherum.

 Denn den Rest besorgt die Musik. Und das tut sie ganz exzellent: Noam Zur leitet hingebungsvoll die junge Kammerphilharmonie Frankfurt: ein feiner, frischer, nuancenreicher Orchesterklang voller Musikalität und Sensibilität. Das Solistenensemble dominiert US-Tenor Corby Welch als Tamino, der sich vom Pollunderstreber zum Prinzessinnenretter mausert, sich klangschön frei in welche Höhe auch immer schwingt und Mozart gehörig in Richtung Verdi schiebt, ohne grob zu werden. Nadine Lehner zeigt als aufgebrezelte Landhausmoden-Pamina einen schlanken Sopran mit staunenswerten Präzisionskoloraturen, der ukrainische Bass Taras Konoshchenko lässt als profund vibrierender Sarastro die Zeit vergessen, und die "drei Knaben" Naomi Hielscher, Juliane Fels und Katharina Weber machen ihren Job so bezaubernd wie sängerisch klasse.

 Etwas sehr zart klingt dagegen der Monostratos des Tenors Marc Megele, überaus dramatisch und an diesem Abend nicht ganz intonationssicher zudem Sara Hershkowitz als Königin der Nacht. Kulturwald-Chef Thomas Bauer leiht dem Papageno seinen voluminösen Prachtbariton, seine Lust an der Wortgestaltung und seine Spielfreude, die ihn mitunter zu einem Scherz in Richtung Ehrengäste zu viel und zu einem Blick zum Dirigenten zu wenig verleitet. Doch wer das hier auf die Beine gestellt hat, der darf am Premierenabend auch einmal dem Orchester davoneilen. Wir warten auf die Wiederaufnahme 2012!

Raimund MeisenbergerMehr zum Thema lesen Sie am 5. September im Feuilleton der Passauer Neuen Presse.












Sicherheitscode:



Dokumenten Information
Copyright © Passauer Neue Presse 2012
Dokument erstellt am 2011-09-04 22:34:14






Mehr aus Kultur




Wie aus Bildern einer Überwachungskamera hat Katharina Dietlinger ihren "Supermarkt" in Öl auf Leinwand gemalt, 2012.  − Foto: Fisch

Im Supermarkt der Kunst: Nürnberger Absolventen stellen in Passau aus

 Zwei Euro kostet der "Kunstkeks" von Michael Dietlinger. Es ist der "Kuke professional". Dafür bekommt man eine kleine Plastikdose mit einer mit Lebensmittelfarbe bedruckten Oblate sowie einen sehr ausführlichen Beipackzettel, der Einnahme, Wirkung und Nebenwirkungen erklärt. Oder man entscheidet sich für einen handlichen "Aura-Akkumulator" aus Eichenholz mit Kippschalter um Gegenständen...





Dieter Hildebrandt.  − Foto: dpa

Der Hitler war’s! − Dieter Hildebrandt im Interview zum 85. Geburtstag

 Dieter Hildebrandt ist seit Jahrzehnten im Geschäft − als einer der bedeutendsten Kabarettisten der Republik. Jetzt wird er 85 und steht immer noch auf der Bühne. Sein aktuelles Programm heißt "Ich kann doch auch nichts dafür" − die Universalausrede schlechthin, wie er im Interview sagt. Sie werden 85 und stehen immer noch fast jeden Abend auf der Bühne...






Mit scharfer Zunge für die Demokratie − Hildebrandt im Porträt

Dieter Hildebrandt wurde im schlesischen Bunzlau geboren und begann nach dem Zweiten Weltkrieg ein Studium in München, wo er heute noch lebt. Er entdeckte zunächst die Liebe zur Schauspielerei, doch bei der so genannten "Schauspielergenossenschaftsprüfung" fiel er durch. Zusammen mit Sammy Drechsel gründete er nach seinen Intermezzi als Platzanweiser und als Mitglied in einem Studentenkabarett...






Inntöne: Der Sauwald lädt ein

Gemütlichkeit ist die Relation von Zeit, Bier und Geld. Sagt Gerhard Polt. In der Froschau ist Gemütlichkeit die Relation aus Zeit, Musik und Backhendl. Und Bier, durchaus auch. Auf Paul Zauners Bio-Bauernhof im Bezirk Schärding findet am Wochenende das 27. Inntöne-Festival statt. Weil "Jazz am Bauernhof" für künstlerisches Niveau und Laisser-faire-Lebensgefühl zugleich steht...








Vernetzen Sie sich mit uns auf folgenden Seiten:

Die Passauer Neue Presse auf Facebook Die Passauer Neue Presse bei Google+ Der Youtube-Kanal der Passauer Neuen Presse Die Passauer Neue Presse bei Twitter Die Passauer Neue Presse bei Xing RSS-Feeds der Passauer Neuen Presse



Anzeige




Mia san d'Musi - Volksmusik-Serie


Aktuell in Ihrer Heimatzeitung





Hier können Sie die tagesaktuelle Zeitung sowie 6 Monate rückwirkend alle regionalen Ausgaben der Passauer Neuen Presse als PDF-Dokument direkt online kaufen (Sie benötigen ein Konto bei Click&Buy) und sofort lesen. Bitte wählen Sie nun die gewünschte Ausgabe und den entsprechenden Erscheinungstermin:




Jetzt kaufen!
















Ein kleines Kind ist bei einem tragischen Unglücksfall vom Auto der eigenen Mutter im...



Die Baustelle für das 330 Meter lange Parkdeck, hier der Bereich zwischen Autobahnbrücke und Ackerloh. Auch hier stehen mittlerweile die Pfeiler und Wände, der Boden wird asphaltiert. Aber anders, als im Ostteil der Baustelle, ist die Decke noch nicht betoniert.  − F.: Binder

Das neue Parkdeck bekommt eine Fassade aus versetzten, schräg gestellten Alustäben...



Im Krankenhaus erwartet man mit Spannung den Richterspruch des Sozialgerichts.  − Foto: Archiv BBZ

Das Ultimatum des Sozialgerichts in München ist abgelaufen: Im Streit zwischen dem Zwieseler...



Sanft zum Fluss hin abfallendes Ufer. Kiesstrand, extra ausgewiesene Liegewiesen...



Ein jähes Ende hat der Betrieb im ZEB, dem Hallenbad in Zwiesel (Landkreis Regen)...





Dafür kann es einen Strafzettel geben: Der schwarze Volvo steht entgegen der Fahrtrichtung in einer Parklücke im Birkerlweg.  − Foto: Binder

Anwohner des Birkerlwegs in Deggendorf sind empört: Mehrere Strafzettel über 15 Euro hat die Polizei...



 − Foto: fib/DG

Ein 20 Jahre alter Motorradfahrer ist am Samstag in Geisenhausen (Kreis Landshut) beim Überholen mit...



Chelsea's players celebrate with the trophy after winning the UEFA Champions League soccer final between FC Bayern Munich and FC Chelsea at Fußball Arena München in Munich, Germany, 19 May 2012. Photo: Marc Müller dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++ - dpa

Chelsea London ist Sieger der UEFA Champions League 2011/2012. Im Elfmeterschießen hatte der...



 − Foto: Mittelbayerische Zeitung

Ein Wolf ist aus dem Bayerwald-Tierpark Lohberg im Landkreis Cham ausgebrochen...



Alle Hunde wurden in Transportboxen untergebracht.  − Foto: Ertl

Das Tierheim des Kreistierschutzvereins Zwiesel-Regen-Viechtach ist hundelos. Wie 1...





Schon seit 14 Jahren leistet das Auto Josef und Michaela Reitmajer treue Dienste. Sie nennen ihn ihren "17er".  − Foto: Eckert

Bei 999 999 Kilometer blieb der Tacho stehen. Die Schallgrenze für die Kilometeranzeige im...



Eine große Schar versammelte sich nach der Firmung um Abt Marianus Bieber.  − Foto: Jeske

55 jungen Christen aus der Pfarrei Vilshofen sind am Montagvormittag in der Stadtpfarrkirche gefirmt...



Alle Hunde wurden in Transportboxen untergebracht.  − Foto: Ertl

Das Tierheim des Kreistierschutzvereins Zwiesel-Regen-Viechtach ist hundelos. Wie 1...



Gründer Josef Esterer(1796 - 1877)

 Altötting. In wenigen Wochen feiert die Maschinenfabrik Esterer einen für Industriebetriebe...



Die evangelische Religionslehrerin Ute Kusser (l.) und ihre katholische Kollegin Anna Solka, beide Mitarbeiterinnen der Regierung von Niederbayern, begrüßten die gemeinsame Erklärung des Landesbischofs der evangelisch-lutherischen Kirche Heinrich Bedford-Strohm und des Münchner Erzbischof Reinhard Kardinal Marx mit der bayerischen Wirtschaft, die den Religionsunterricht an Berufsschulen stärkt.  − Foto: Solka

Von Theresia Wildfeuer   Die gemeinsame Erklärung von Kirchen, Wirtschaft und Gewerkschaft zum...