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22.09.2012  |  05:00 Uhr

Mein Almsommer: "Ich wollte einfach mal oben bleiben"

von Anna Zimmermann

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 Beim romantischen Sonnenuntergang den Abend genießen, dem Gebimmel der Kuhglocken lauschen und Natur pur erleben − so stellt man sich das typische "Almidyll" vor. Daniela Nuber träumte schon längere Zeit insgeheim davon. Einmal wollte sie den Sommer auf einer Alm verbringen. Vor zwei Jahren ging dieser Traum dann schließlich in Erfüllung. Sie kündigte ihren Marketing-Job und zog für einen ganzen Sommer auf eine Alm in den Tiroler Alpen.

Für ein Leben ohne Strom, Internet und Smartphone alles aufgeben? Vielen erscheint dies in der heutigen Zeit unmöglich. Daniela Nuber berichtet jedoch, sie habe früher schon nach Ausflügen in die Berge immer Sehnsucht verspürt. "Ich wollte einfach mal oben bleiben", beschreibt sie das Gefühl. Als sie sich im Frühjahr 2010 auf die Suche nach einer geeigneten Alm macht, stört sie sich nicht an Bedenken ihrer Familie oder Freunde, wie "Wofür hast du studiert?". Sie macht sich schließlich auf den Weg mit einer Mischung aus Bauchgefühl und dem sicheren Wissen, dass sie im Notfall immer Unterstützung von Freunden oder Familie bekommen könnte.

Muskelkatervom Stallausmisten Trotz aller Liebe zu den Bergen ist der Alltag auf der Alm anfangs eine große Umstellung. Das Leben als Sennerin entspricht nämlich nicht immer dem "Almidyll". Besonders, wenn man wie Daniela an das Leben in der Stadt gewöhnt ist. Die Autorin ist in Passau geboren, aufgewachsen und hat hier studiert. Heute lebt sie in der Großstadt, in München. Der Tagesablauf auf der Alm ist von körperlicher Arbeit bestimmt und "grenzt an ein hartes Work-out, das man in keinem Fitnessstudio bekommt", sagt Daniela Nuber. Obwohl sie sich selbst als sportlich beschreibt, überrascht sie in den ersten Tagen starker Muskelkater vom Stallausmisten und Milchkannenschleppen.

Auch die Arbeit mit den Tieren ist gewöhnungsbedürftig. "Dafür gibt es schließlich keine Bedienungsanleitung", sagt die 33-Jährige. Man muss die Tiere langsam kennenlernen und sich an sie gewöhnen. Genau das ist es aber, was die "Kurzzeitsennerin" mit der Zeit fasziniert. "Man baut eine enge Verbindung zu den Tieren auf, so dass es sich anfühlt, als seien sie Mitbewohner oder Kinder, für die man sorgen muss", beschreibt sie die Beziehung zu den Tieren. Man sehe die Kühe beispielsweise nicht als Nutztiere oder Maschinen an, sondern als vertraute Lebewesen mit Charakter und Seele. Das schlimmste Erlebnis während ihres Almsommers ist deshalb für Daniela Nuber, als eine kranke Kuh letztendlich zum Metzger gebracht werden muss, obwohl man lange versucht hat, sie zu heilen. In solchen Situationen werden die Kühe dann eben doch als Nutztiere betrachtet, für die man nicht grenzenlos sorgen kann, muss die frischgebackene Sennerin erkennen.

Das Leben ohne elektronische Geräte hingegen ist für Daniela Nuber kein Problem. "Es ist Wahnsinn zu sehen, mit wie wenig man leben kann", erzählt sie und fügt hinzu: "Da wird einem bewusst, dass Glück nicht vom materiellen Luxus abhängt." An sozialen Kontakten mangelt es ohnehin nicht, denn man bekommt auf der Alm oft Besuch. Aus diesem Grund bleiben die Türen der Almhütten immer geöffnet. "Eine geschlossene Tür bedeutet, dass niemand zu Hause ist oder dass Besuch unerwünscht ist", erklärt Daniela. Trotz dieser Gastfreundlichkeit herrsche auf der Alm oft ein rauer Umgangston, an den man sich erst gewöhnen müsse. Außerdem habe es natürlich zu Beginn ihres Almsommers viel Getratsche darüber gegeben, ob die Neue aus der Stadt die Arbeit durchhalten würde. Dafür, dass sie es wirklich geschafft hat, bekommt sie am Ende aber auch Lob zu hören. Insgesamt seien die Leute auf der Alm sehr nett. Insbesondere der starke Zusammenhalt der Menschen hat die Buchautorin beeindruckt: "Wenn es darauf ankommt, ist jeder zur Stelle, um zu helfen."

Ihr Sommer auf der Alm hat Daniela Nuber so gut gefallen, dass sie ihn sogar zuerst nicht wiederholen wollte: "Der Sommer war so schön, dass ich dachte, er wäre gar nicht zu toppen." Wenn sie es sich leisten könne, würde sie mittlerweile aber gerne wieder einige Monate auf einer Alm arbeiten.

Es gibt trotzdem ein paar Dinge, die sie anderen Leuten rät, die auch einen Sommer als Sennerin verbringen möchten. Dazu zählt zum Beispiel ein Kurs zur Landwirtschaft oder ein Melkkurs zur Vorbereitung. Wenn man in diesen Dingen Erfahrung nachweisen könne, sei es leichter, eine Alm zum Arbeiten zu finden. Es sei außerdem wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass die Arbeit auf der Alm ein Knochenjob ist. Falsche Erwartungen können zu großer Enttäuschung führen. Zudem Zurück zu Fernseher,Internet und Smartphonesei es ratsam, sich beim ersten Mal eine Alm zu suchen, auf der man in einem Team mitarbeitet. So habe man nicht zu viel Verantwortung. Wenn man das alles berücksichtigt, kann die erträumte Almidylle also sogar Wirklichkeit werden. Das hat Daniela Nuber während ihres Aufenthalts auf der Alm erfahren: "Wenn man am frühen Morgen auf dem Weg zu den Kühen einen glutroten Sonnenaufgang über den Bergen bestaunen darf oder in der Jausenstation mit Harfe und Akkordeon zünftige Almmusik von den Almleuten erklingt, hat das schon fast etwas von kitschigem Heimatfilm."

Ihr Leben in der Stadt hat sich nach der Zeit auf der Alm nicht großartig verändert. Ihr Smartphone, das Internet, der Fernseher sowie andere Elektrogeräte gehören zu ihrem Alltag, "weil das einfach eine ganz andere Umgebung ist als auf der Alm". Beim Thema Ernährung ist ihr jedoch viel vom Leben in den Bergen geblieben. Zum Beispiel achtet sie jetzt mehr darauf, saisonale und natürliche Produkte zu kaufen. Besonders die Herkunft von Fleisch und Milch ist ihr wichtig.

Für Leute, die gerne mehr über ihren Sommer auf der Alm erfahren möchten, hat Daniela ein Buch geschrieben. "Mein Almsommer", im August im Ulmer Verlag erschienen, berichtet ausführlich über ihre Zeit als Sennerin (ISBN 978-3-8001-7795-0, 19,90 Euro). Einiges kann man auch im Internet unter www.almsommer.wordpress.com erfahren.








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