Von Andreas Herholz und Renate Kortheuer
Berlin. Noch ist der designierte Bundespräsident Joachim Gauck nicht im Amt, schon gerät die neue "First Lady" ins Visier. Denn mit dem allseits hoch gelobten 72-jährigen Theologen und Bürgerrechtler, der von seiner Ehefrau getrennt lebt, wird wohl seine langjährige Lebensgefährtin mit ins Schloss Bellevue ziehen: die Nürnberger Journalistin Daniela Schadt (52). Von Seiten des Protokolls steht dem nichts entgegen. Aber: Konservative stört die wilde Ehe.
Der CSU-Politiker Norbert Geis empfahl Joachim Gauck, baldmöglichst Klarheit in seinen persönlichen Lebensumständen zu schaffen. "Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird", sagte der Bundestagsabgeordnete Geis im Gespräch mit der PNP. Der Präsidentschaftskandidat und frühere Bürgerrechtler ist seit zwölf Jahren mit der Journalistin Daniela Schadt liiert. Sie soll Gauck nach der Bundespräsidentenwahl am 18. März als neue "First Lady" ins Schloss Bellevue begleiten.
Bereits im Frühjahr 2010 nach dem Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler war die "Wilde Ehe" Gaucks ein Thema gewesen, als der Pfarrer gegen Christian Wulff bei der Wahl in der Bundesversammlung angetreten und erst im dritten Wahlgang unterlegen war. Damals hatte Gauck versichert, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen, für den Fall dass er zum Staatsoberhaupt gewählt würde. Wulff wurde Präsident, seine Frau Bettina "First Lady", und Gauck heiratete nicht.
Holt der 72-jährige Rostocker mit Wohnsitz in Berlin die Trauung jetzt nach? Vor der Wahl in der Bundesversammlung und der anschließenden Vereidigung dürfte dies kaum noch zu schaffen sein. Schließlich wird die Scheidung seiner bestehenden Ehe – ob nun Bundespräsident in spe oder nicht − nicht von heute auf morgen möglich sein.
Gauck selbst und auch seine Lebensgefährtin Daniela Schadt wollen sich zunächst nicht dazu äußern. Sie wolle ihr Privatleben "nicht ventilieren", erklärte die Journalistin. Doch zumindest so viel verraten sie dann doch: Beide wollten sich nun "Gedanken machen". Und Gauck versichert, kein Feind bürgerlicher Lebensformen zu sein. Kirchenglocken für das Staatsoberhaupt und die First Lady? Das wäre eine weitere Premiere in Bellevue.
Wilde Ehe im Bellevue? Und das noch dazu von einem Pfarrer? Müsste dies nicht die Kirchen auf den Plan rufen? Nach Ansicht des Vorsitzenden des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück (CSU), ist es nicht Aufgabe des ZdK, darüber zu urteilen. "Herr Gauck benennt seine Lebenssituation offen, das ist zu respektieren", sagte Glück der PNP. Gelassen zeigte sich die evangelische Kirche: "Das ist Gaucks Privatangelegenheit. Da haben wir uns nicht einzumischen", sagte die evangelische Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Man könne Gauck keinen unsoliden Lebenswandel nachsagen. "Beide werden eine Entscheidung treffen, die gut ist und für sie stimmt. Darauf sollten wir vertrauen."
Protokollarisch ist der Fall für das Bundespräsidialamt klar: "Das Grundgesetz sieht keine ,First Lady‘ vor", sagt Vizesprecher Martin Schulze. Es werde aber erwartet, dass die Partnerin ehrenamtliche Verpflichtungen wahrnehme − etwa beim Kinderhilfswerk UNICEF. − pnp/epd
Daniela Schadt (52), Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck, wird Schirmherrin des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Das traditionelle Ehrenamt wird ihr am Donnerstag in Berlin von der früheren First Lady Bettina Wulff (38) übergeben. Schadt lädt bei einem Unicef-Aktionstag eine Gruppe von Juniorbotschaftern ins Schloss Bellevue ein...
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