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18.01.2012

Brüssel stellt Ungarn an den Pranger

Zweifel an Unabhängigkeit von Zentralbank, Justiz und Datenschutz

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Im heftigen Streit mit der EU sucht Ungarns Premier Viktor Orban nun den Dialog.      − F.: dapd

Im heftigen Streit mit der EU sucht Ungarns Premier Viktor Orban nun den Dialog.      − F.: dapd

Im heftigen Streit mit der EU sucht Ungarns Premier Viktor Orban nun den Dialog.      − F.: dapd


Straßburg. In einer beispiellosen Machtprobe stellt die EU-Kommission Ungarn wegen seiner umstrittenen neuen Verfassung an den Pranger. Die Brüsseler Behörde eröffnet gleich drei Schnellverfahren wegen Verletzung der EU-Verträge gegen das Land. Diese können in letzter Konsequenz zu einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof und auch Geldstrafen führen.

 "Ungarn ist ein Schlüsselmitglied der europäischen Familie. Wir wollen, dass nicht länger auch nur der Schatten eines Zweifels am Respekt für europäische Prinzipien und Werte über dem Land schwebt", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso gestern in Straßburg. Er kündigte Gespräche mit Ungarns Premier Viktor Orban an. Orban reist dazu nächsten Dienstag nach Brüssel.

 Grund für die Verfahren sind Zweifel an der Unabhängigkeit der ungarischen Zentralbank, der Justiz sowie der Datenschutzbehörde. Die Gesetze setzen die neue ungarische Verfassung um, die bereits bei ihrer Verabschiedung vor einem Jahr heftig umstritten war. So soll unter anderem das Ruhestandsalter für Richter zeitweise von 70 auf 62 Jahre heruntergesetzt werden. Die EU-Kommission erwägt ein weiteres Verfahren gegen Ungarn, weil sie eine Machtkonzentration auf einem zentralen Posten der ungarischen Justizbehörde befürchtet.

 EU-Justizkommissarin Viviane Reding teilte mit, sie erwarte nun rasches Handeln von Budapest. "Nur tatsächliche Änderungen der fraglichen Gesetzgebung oder ihre sofortige Aussetzung werden den rechtlichen Bedenken der Kommission Rechnung tragen", sagte sie. Besonders eckt Orban mit der Gesetzgebung zur ungarischen Zentralbank an. Brüssel befürchtet, die Regierung könne zu viel Einfluss auf die laut EU-Recht unabhängige Institution gewinnen.

 Um Änderungen zu erzwingen, üben EU und Internationaler Währungsfonds (IWF) finanziellen Druck aus: Solange keine Änderungen am neuen ungarischen Zentralbankgesetz in Aussicht stehen, wollen die Geldgeber die Gespräche über dringend benötigte Hilfskredite für Ungarn nicht weiterführen − eine Position, die EU-Währungskommissar Olli Rehn nach der Entscheidung der EU-Kommission noch einmal bekräftigte.

 Ungarn hat nur einen Monat Zeit, auf den Beschwerdebrief aus Brüssel zu reagieren − üblich bei solchen Verfahren sind zwei Monate. Danach kann die EU-Kommission eine Änderung der Gesetze verlangen. Kommt Ungarn dem nicht nach, kommt es zu einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof und möglicherweise zu Geldstrafen. EU-Währungskommissar Rehn hatte Ungarn im laufenden Defizitverfahren bereits mit Streichung von EU-Fördergeldern 2013 gedroht.  − dpa












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Dokument erstellt am 2012-01-18 02:18:27






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