Migranten haben es in Schule und auf Arbeitsmarkt immer noch schwerer als Einheimische
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Ein Integrationsbeauftragter bespricht mit einer türkischen Schülerin in Bremen die Hausaufgaben. Schulen, die von vielen Kindern mit Migrationshintergrund besucht werden, bieten zusätzlichen Deutschunterricht an. − F.: dapd
Ein Integrationsbeauftragter bespricht mit einer türkischen Schülerin in Bremen die Hausaufgaben. Schulen, die von vielen Kindern mit Migrationshintergrund besucht werden, bieten zusätzlichen Deutschunterricht an. − F.: dapd
Berlin. Bei der Integration von Zuwanderern sieht ein neuer Regierungsbericht Fortschritte − Migranten tun sich aber weiterhin schwerer auf dem Arbeitsmarkt und in der Schule als Einheimische. "Wir können von maßgeblichen Fortschritten im Bereich der Integration sprechen, die in den letzten Jahren erreicht worden sind", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), gestern in Berlin. Die Entwicklung gehe in die richtige Richtung. Böhmer räumte aber auch ein: "Noch immer sind die Unterschiede zwischen Migranten und Menschen ohne Migrationshintergrund zu groß." In Deutschland leben rund 16 Millionen Zuwanderer und ihre Kinder.
Die Opposition warf der Regierung vor, zu wenig zu tun. "Die Bundesregierung muss noch erhebliche Anstrengungen in der Integrationspolitik unternehmen", sagte die Integrationsexpertin der SPD-Fraktion, Aydan Özoguz. Die migrationspolitische Sprecherin der Linken, Sevim Dagdelen, erklärte: "In allen wichtigen Lebensbereichen herrscht für Migranten bestenfalls Stillstand." Grünen-Parteichef Cem Özdemir sagte, vor allem die Zahl der Schulabbrecher und Migranten ohne Schulabschluss sei viel zu hoch.

Im Jahr 2010 waren dem Bericht zufolge 4,4 Prozent der 18- bis 24-jährigen Migranten ohne Schulabschluss. Damit hat sich die Quote zwar seit dem Jahr 2005 (5,1 Prozent) verringert. Sie ist aber im Vergleich zur Quote von Schülern ohne ausländische Wurzeln (1,6 Prozent) immer noch mehr als doppelt so hoch. Eine Erkenntnis der Wissenschaftler: Es ist nicht die ausländische Herkunft, die über die Entwicklung der Kinder entscheidet, sondern die soziale Herkunft. Zudem sei von großer Bedeutung, ob in einer Familie Deutsch gesprochen werde.
Auch auf dem Arbeitsmarkt gibt es noch große Unterschiede: Unter den 15- bis 65-jährigen Zuwanderern waren 2010 fast 12 Prozent erwerbslos − im Vergleich zu rund 18 Prozent im Jahr 2005. Die Quote bei den Armutsrisiko bei Zugewanderten höher Menschen, die nicht zugewandert sind, ist mit 6,1 Prozent (2010) weiterhin deutlich niedriger. Als erwerbslos gilt, wer weniger als eine Stunde pro Woche arbeitet, aber eine Arbeit sucht.
Böhmer erklärte, ein Problem sei, dass im Ausland erworbene Abschlüsse häufig nicht in Deutschland anerkannt würden. Große Fortschritte werde hier aber das kürzlich verabschiedete Anerkennungsgesetz bringen, kündigte Böhmer an. Auch das Risiko, arm zu werden, ist bei Zugewanderten ungleich höher als bei Einheimischen. Doch es gibt eine leicht positive Entwicklung. Dennoch sehen Experten bei jedem vierten (26,2 Prozent) Zugewanderten ein Risiko zu verarmen. Dagegen wird diese Quote bei den Einheimischen mit 11,7 Prozent angegeben. Als arm gilt, wer ein Nettoeinkommen hat, das weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens beträgt.
Erschreckend sind die Kriminalitätszahlen: Der Anteil von ausländischen Tatverdächtigen ist höher als unter Einheimischen. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass die Aussagekraft der Zahlen beschränkt sei. Denkbar sei etwa, dass die Bürger Taten mit ausländischen Verdächtigen häufiger anzeigten oder die Polizei bei solchen Fällen aufmerksamer ist.
− dpa/Kommentar S.2
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