Bildungsministerin
Bildungsforscher fordern einen Schulterschluss der Länder in Sachen Abitur mit gemeinsamen Aufgaben für die Kernfächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Unterstützen Sie diese Forderung?

Der Studentenansturm auf die Unis freut Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). − F.: dpa
Der Studentenansturm auf die Unis freut Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). − F.: dpa
Annette Schavan: Ich begrüße diese Überlegungen ausdrücklich. Diese Idee muss weiterverfolgt werden. Wir benötigen mehr Vergleichbarkeit beim Abitur, aber auch bei anderen Abschlüssen. Alles andere ist ungerecht. Ich unterstütze diesen Vorschlag sehr. Die Länder sollten hier ihre gesamtstaatliche Verantwortung wahrnehmen.
Zwischen Bund und Ländern wird auch über die Bewertung des Abiturs gestritten. Sollte das Abi künftig als gleichwertig mit einer erfolgreich absolvierten dualen Ausbildung eingestuft werden?
Schavan: Ja. Wir waren immer für die Gleichwertigkeit beruflicher und allgemeiner Bildung. Deshalb gehört das Abitur zusammen mit den dreijährigen Berufsausbildungen auf Stufe 4 im Deutschen Qualifikationsrahmen. Da sind wir gleicher Meinung wie die Sozialpartner und die Wirtschaftsminister der Länder. Ich hoffe auf ein Umdenken der Kultusminister.
Die Zahl der Studienanfänger erreicht Rekordniveau: Haben Politik und Universitäten den Ansturm unterschätzt?
Annette Schavan: Ganz und gar nicht! Wir wussten, dass in diesem Semester deutlich mehr junge Menschen ihr Studium beginnen als je zuvor. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Eine höhere Akademikerquote war immer unser Ziel. Dafür haben wir den Hochschulpakt geschaffen. Und der Bund hat noch einmal zwei Milliarden Euro extra zur Verbesserung der Lehre zur Verfügung gestellt. Mein Eindruck ist: Die Hochschulen haben sich gut vorbereitet.
Überfüllte Hörsäle, zu wenige Bücher, fehlende Wohnheimzimmer − lässt sich so überhaupt erfolgreich studieren?
Schavan: An Deutschlands Hochschulen lässt sich außerordentlich erfolgreich studieren. Kein Semesterstart verläuft ohne Anfangsschwierigkeiten. Nicht alles läuft gleich perfekt. Und es laufen immer noch Nachrückverfahren. Wir dürfen nicht übersehen, dass es in Deutschland nicht allein große Universitäten gibt. An vielen kleineren und mittleren Hochschulen sind die Studienbedingungen gut. Mich freut sehr, dass sich immer mehr junge Menschen aus Westdeutschland für ein Studium im Osten entscheiden.
Viele Studenten haben erst jetzt die Zusage für ihren Studienplatz erhalten. Das neue System für die bundesweite Studienplatzvergabe funktioniert immer noch nicht. Schavan: Es ist höchste Zeit, dass Länder und Hochschulen das neue Zulassungsverfahren in Gang setzen. Die benötigte Software für die Studienplatzvergabe ist da. Spätestens zum Wintersemester 2012/13 muss die Vergabe über das neue Verfahren laufen. Es ist im Interesse der Länder und der Hochschulen, dass der letzte Schritt gelingt.
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