In Bayern schmeckt der "Schabäzi"
Geradliniger Rock, ab und zu ein satter Bläsereinsatz, die Texte durchgängig so, wie den sechs Bandmitgliedern der Schnabel gewachsen ist. Und wenn da ein Nordlicht skeptisch schaut? "Unsdochwurscht", sagen Gsindl. So heißt die fünfte CD der Band aus dem oberbayerischen Anzing.
Früher haben sich Gsindl, die es seit 1995 gibt, aus dem internationalen Rock-Fundus bedient: Aus "Knockin’ On Heaven’s Door" wird "Noggad am Himmelstor". Bekanntestes Beispiel für die bavarisierten Coverversionen ist "Da Hof is’ am brenna", ein genauso staubtrockenes Brett wie das Original der Bloodhound Gang. "Unsdochwurscht" dagegen ist komplett aus eigener Feder − bis auf die Gsindl-Version der Bayernhymne.
In den elf Nummern davor halten sich die Sehnsucht nach "am griabigen Lebn" und die Kritik an neureichen Nichtstuern und Steuerflüchtigen ("Wia konnst du nur dei Lebn erdrong") sowie geistlosen Schwätzern ("Jetz moi ganz ehrlich") die Waage. In "Weihnachtsliadazeit" geht es um das Mainstream-Radio, das im Advent mit Liedern wie "Last Christmas" "die Hörerschaft mit Schellen penetriert".
Über weite Strecken pendeln Gsindl zwischen soft-sehnsuchtsvollen Klängen wie in "Novi Vinodolski" − das an einen romantischen Urlaub irgendwo an der östlichen Adria erinnert − und Nu Metal. Klar, hier wird der Rock nicht neu erfunden. Andernfalls hätten Gsindl im Vorprogramm etwa der Spider Murphy Gang und Liquido nichts zu suchen gehabt. Gleich drei Männer arbeiten mit Gitarren: Konrad Brummer, Thomas Reischl und Frank Riepl. Gerade, als man dann doch ein bisschen zu oft an den schleppenden Sound von Linkin Park denken muss, kommt die Speedska-Nummer "Wer wia wos?" um die Ecke: Das klingt frisch und sympathisch.
Bestes Stück auf "Unsdochwurscht" ist aber "Schabäzi", eine Hymne an die "babbig braune Brüa". Denn der Spezi, singen Gsindl, macht sogar den "Schweinsbron" resch. Der übrigens findet sich gleich in drei Liedern wieder: So viel Bayern muss sein. − slDonnerwetter, ca. 12 Euro
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