US-Virtuose Eliot Fisk ist Stargast des Festivals "Passauer Saiten" − dank seiner Schülerin Yvonne Zehner
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"Süße, Ablenkung, Spaß": Eliot Fisks musikalische Welt ist mit Bach und Paganini lange nicht erschöpft. Er will für alle spielen. − Foto: Agentur
"Süße, Ablenkung, Spaß": Eliot Fisks musikalische Welt ist mit Bach und Paganini lange nicht erschöpft. Er will für alle spielen. − Foto: Agentur
Seine Studenten unterrichtet Eliot Fisk nach Bedarf in fünf verschiedenen Sprachen. Im Alter von 22 Jahren wurde er beauftragt, eine Abteilung für das Fach Gitarre an der Elite-Universität in Yale aufzubauen, seit 1989 ist er Professor am Salzburger Mozarteum. Kritiker nennen den 1954 in Philadelphia geborenen Musiker gern "Paganini der Gitarre", seit er dessen 24 Capriccen für Violine solo für die Gitarre bearbeitet und auf CD eingespielt hat. Er selbst nennt sich Weltbürger und schwärmt statt von sich lieber von Johann Sebastian Bach und von seiner ehemaligen Schülerin Yvonne Zehner, die gemeinsam mit Jürgen Schwenk-glenks vom 2. bis 17. März zum vierten Mal die "Passauer Saiten" veranstaltet. Wir haben den Stargast des hochklassigen Festivals in seiner Heimatstadt Boston zum Telefoninterview erreicht.
"Die Musik hat sich zu weit vom Volk entfernt"Herr Fisk, Sie spielen auf dem Festival Ihrer ehemaligen Schülerin. Was schätzen Sie an der Gitarristin Yvonne Zehner?
Eliot Fisk: Wir beide sind bestens befreundet und ich bin sehr stolz auf sie! Yvonne hat eine wunderbare Entwicklung gemacht als Künstlerin − eine Wunschstudentin für jeden Lehrer, eine sehr positive Erscheinung. Und dass sie das Festival in Passau gegründet hat, ist großartig. Denn wir brauchen eine neue Infrastruktur für die Kunst! Die Musik hat sich viel zu weit vom Volke entfernt! Viel zu oft in der Geschichte kam nur eine bestimmte Schicht in die Konzerte. Wir haben einen schlechten Ruf bekommen − und Yvonne Zehner ist eine wunderbare Ausnahme davon.
Welche Erinnerungen haben Sie an die Stadt Passau?
Fisk: Es ist schon einige Jahre her, dass ich dort gespielt habe, ich war in den 80er und 90er Jahren öfter zu Gast bei den Europäischen Wochen und habe nur die besten Erinnerungen. Eine wunderschöne Stadt ist das!Bei Ihrem Konzert am 8. März spielen Sie u. a. die berühmte Chaconne aus der d-Moll Partita von Bach − und Musik des indianischen Komponisten Agustín Barrios Mangoré aus Paraguay. Wieso passt das zusammen?
Fisk: Barrios Mangoré war ein ausgefallener Typ, der mal im Frack und mal im Kostüm seines Stammes auftrat. Seine Musik ist sehr lieblich, sehr publikumswirksam, sehr schön zum Anfang eines Programms. Dann fühlt man sich zu Hause und kann sich danach auch ernsthafteren Dingen zuwenden: Bach, Scarlatti und dem "Kleinen Requiem" von Kurt Schwertsik. Dazwischen Albéniz als reine Ablenkung und zum Schluss Paganini als reiner Spaß.
"Ich glaube an die klassische Musik"Also keine Angst vor Romantik?
Fisk: Ich habe immer versucht, die unvereinbaren Einflüsse meiner Lehrer zu vereinen: die Romantik von Andrés Segovia und die Klarheit des Satzes von Ralph Kirkpatrick. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß es: "Wenn a-Moll direkt nach Auschwitz führt, will ich damit nichts zu tun haben". Und so fühle ich mich heute oft sehr fremd in der Gitarrenwelt, weil die Romantik dermaßen zurückgedrängt wird. Dann wird die Musik langweilig und das Publikum wird verklemmt. Zum Glück ist das in Passau immer anders!
Sie suchen konsequent auch das Publikum jenseits der großen Konzertbühne. Warum?
Fisk: Ich bin ein Patriot und immer noch sehr überzeugt von Urideen unseres Landes: Jeder Mensch soll die gleichen Möglichkeiten haben, sich weiterzuentwickeln und tolle Sachen in seinem Leben zu erfahren. Ich glaube wirklich an die klassische Musik − man muss das einfach weitergeben.
Interview: Raimund Meisenberger
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