Der angesehene Publizist Peter Seewald plädiert für Umbau des Verlages
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Hält Weltbild-Verlag für ein wichtiges Instrument: Peter Seewald. − Foto: Knaur/Paul Badde
Hält Weltbild-Verlag für ein wichtiges Instrument: Peter Seewald. − Foto: Knaur/Paul Badde
Der Münchner Publizist Peter Seewald, der in Niederbayern aufwuchs, einige Jahre in Passau wohnte und vor allem durch sein Papstbuch und einige Publikationen zur Kirche von sich reden machte, hält den von den deutschen Bischöfen beschlossenen Verkauf der Verlagsgruppe Weltbild nicht für zwingend. In einem Interview mit der österreichischen Internetzeitung "kath.net" warb Seewald stattdessen für einen "ehrlichen, machbaren Umbau" des Unternehmens. Weltbild sei eine "wertvolle Marke" mit einem "einzigartigen Vertriebssystem". In einer Zeit, in der es der Glaube in der Gesellschaft immer schwerer habe, sei zu fragen, ob auf ein solches Instrument verzichtet werden könne.
Seewald war von 1981 bis 1987 Redakteur beim Spiegel, von 1987 bis 1990 Reporter beim Stern. Er wechselte danach zu dem Magazin der Süddeutschen Zeitung, das er 1993 verließ. Seitdem arbeitet er freier Journalist in München. Das Problem bei Weltbild seien nicht an erster Stelle die im Online-Angebot gefundenen pornografischen Titel, führte der Journalist aus. "Der eigentliche Skandal ist, dass hier ein Verlagshaus, das zu einhundert Prozent der deutschen katholischen Kirche gehört, mit Reifen fährt, denen jegliches Profil fehlt." Wenn in einem katholischen Buch-Katalog, der monatlich drei Millionen Haushalte erreiche, kein einziges religiöses oder katholisches Buch angeboten werde, könne etwas nicht in Ordnung sein. Die drängenden gesellschaftlichen Fragen müssten ein Thema für ein Verlagshaus sein, das "nicht zuletzt einem katholischen Bildungsauftrag verpflichtet" sei, betonte der Journalist.
Nötig seien Rettungsschirme nicht nur für Banken, sondern auch für die Seele. Über seine eigene Zusammenarbeit mit Weltbild im Jahr 2006 äußerte sich Seewald positiv. Für seinen Bildband über den deutschen Papst habe er mit einem "professionellen und verlässlichen Team" zusammengearbeitet. Der Verkaufspreis sei damals "sensationell günstig" gewesen.
"Aber solche Projekte dürfen halt keine Eintagsfliegen bleiben oder gar als Alibi dienen." Zugleich verteidigte Seewald die Kritik an Weltbild und dem dort angebotenen Sortiment. Diese stehe für ein kritisches Bewusstsein, für Wachheit und den Mut, Authentizität einzufordern.
Weltbild gehört zwölf deutschen Bistümern, der katholischen Soldatenseelsorge Berlin und dem Verband der Diözesen Deutschlands. Unter dem Eindruck einer öffentlichen Debatte über den Verkauf von Erotik- und Esoterik-Titeln hatten die Bischöfe im November 2011 beschlossen, sich von dem Medienhandelshaus zu trennen. − KNA/ra
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