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Passau  |  20.01.2012

Zwei Liebende begegnen sich im Nähekurs

Der Passauer Herbert Hindringer und die Augsburgerin Judith Sombray teilen ihr Leben und ihr Schreiben − Ihr Lyrikband scheut sich nicht vor Gefühlen

von Eva Müller

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In zwischenmenschlicher Distanz üben sich die beiden auf ihrem Schwarzweiß-Selbstporträt mit Unschärfe-Effekt: Der Passauer Herbert Hindringer und die Augsburgerin Judith Sombray. Bald wollen sie in Hamburg zusammenziehen.  − Foto: Fixpoetry

In zwischenmenschlicher Distanz üben sich die beiden auf ihrem Schwarzweiß-Selbstporträt mit Unschärfe-Effekt: Der Passauer Herbert Hindringer und die Augsburgerin Judith Sombray. Bald wollen sie in Hamburg zusammenziehen.  − Foto: Fixpoetry

In zwischenmenschlicher Distanz üben sich die beiden auf ihrem Schwarzweiß-Selbstporträt mit Unschärfe-Effekt: Der Passauer Herbert Hindringer und die Augsburgerin Judith Sombray. Bald wollen sie in Hamburg zusammenziehen.  − Foto: Fixpoetry


Liebe in Worte zu fassen ist ein schwieriges Unterfangen. Es lässt sich ja doch nicht annähernd ausdrücken, was sich im Zusammenspiel zweier Menschen auf sämtlichen Ebenen tut. Der gebürtige Passauer Lyriker Herbert Hindringer (37), der seit 2005 in Hamburg lebt und als Sozialpädagoge in einer Einrichtung für psychisch Kranke arbeitet, und seine Partnerin Judith Sombray (32), Diplom-Designerin aus Augsburg, haben sich der Aufgabe gestellt. In Form von 24 Gedichten gestalteten sie ihren "Nähekurs", abwechselnd eines von ihr, das nächste von ihm. Das ist kein Dialog, das ist gleichberechtigte Abwechslung. Kurz genug, reimlos, mit variierender Versform und steter Klarheit.

"Da andere auch lieben, werden sie verstehen" "Man kann Liebe für andere nicht aufschreiben", sagen Judith Sombray und Herbert Hindringer. "Da andere auch lieben, werden sie verstehen." Die beiden locken die Gemeinsamkeiten aus der Reserve, vereinen Gegensätze harmonisch, bieten den Spannungen Platz, halten die Anziehung im richtigen Kräfteverhältnis. Ganz so wie in einer Beziehung. Wie es gelungen ist, ihr erstes gemeinsames Jahr in Gedichten zu verarbeiten, erzählen sie im PNP-Interview.

Wie kamen Sie zueinander?

Sombray: Wir kannten uns schon lange Zeit vorher von einer Internetplattform für Autoren. Da haben wir beide schon vier oder fünf Jahre in Hamburg gelebt, bevor wir uns gesehen haben. Eigentlich wollte ich Herbert schon viel früher treffen, aber er hat sich ein bisschen gesträubt.

Hindringer: Die letzten zwei Jahre haben wir sogar nur 900 Meter voneinander entfernt gewohnt. Wir kannten uns acht Jahre virtuell und haben uns irgendwann doch verabredet.

Sombray: Aufgrund unserer Texte war es vorher schon klar, dass wir uns verstehen würden. Das hat sich dann bewahrheitet, als wir uns getroffen haben.

"Gedichte für Menschen ohne Leibwächter" nennen Sie Ihre Lyrik. Wie meinen Sie das?

Sombray: Keine Scheu vor Gefühlen.

Hindringer: Genau. Kein Panzer, keine Schutzrüstung. Nichts Superverstelltes − moderne Lyrik ist ja oft unglaublich kompliziert und unverständlich. Wir schreiben beide sehr direkt. Ich glaub, bei unseren Gedichten weiß man, worum es geht. Ich mag es, wenn Gedichte für "normale" Menschen eine Aussage haben können − da muss man nicht Germanistik studiert haben.

Wie haben Sie es geschafft, gemeinsam Ihre Liebe in Worte zu fassen?

Hindringer: Kurz nachdem wir uns getroffen haben, haben wir damit begonnen, aneinander erste Gedichte zu schreiben. Wir schreiben beide gerne und es war klar, dass das Kennenlernen und Verlieben ein Stoff ist, über den man schreiben will. Ende 2010 hat unsere Verlegerin angefragt, ob wir nicht Lust hätten, gemeinsam einen kleinen Band zu machen. Alles hat sich so ergeben − es hat einfach gepasst.

Frau Sombray, Herr Hindringer schreibt schon seit den 90er Jahren.  Hat er viel dreingeredet?

Sombray: Nein. Herbert hält vieles bis kurz vor Schluss unter Verschluss − wenn ich etwas geschrieben habe, schicke ich das gleich los. Am Ende haben wir unsere Gedichte gegenseitig redigiert. Das war sehr hilfreich. Das war auch nicht schwierig, weil wir gegenseitig unsere Gedichte sehr schätzen.

Wie unterschieden sich Ihre Gedichte?

Sombray: Bei Herberts Gedichten sieht man, dass sie sehr gleichmäßig sind und meine oft nicht so ordentlich.

Trifft diese Ordnung und Unordnung auch auf Sie selbst zu?

Sombray: Lustigerweise ist es genau umgekehrt.

Hindringer: Im Prinzip stimmt das schon genau. Ich bin im echten Leben unglaublich unordentlich, bei den Texten will ich schon fast zwanghaft Symmetrie herstellen. Bei Judith ist es umgekehrt − sie ist sehr ordentlich und fast zwanghaft und bei den Gedichten . . .

Sombray: . . . da geht es mir mehr um die Worte.

Bitte in einem Satz: Wie definieren Sie Liebe?

Sombray: Für mich hat es viel mit gegenseitigem Annehmen zu tun − so, wie man ist, ohne am anderen rumbiegen zu wollen. Du schaust so kritisch, Herbert?

Hindringer: Ich überlege.

Sombray: Bei Herbert und mir ist ein großes Grundverständnis da, das ich so vorher in keiner Beziehung hatte. Natürlich sind wir in manchen Punkten sehr unterschiedlich, siehe Chaos und Struktur. Aber wir können uns so lassen, wie wir sind. Und natürlich gibt's auch ein ganz romantisches Bild.

Hindringer: Bei mir ist es relativ ähnlich, darum sind wir wohl zusammen. Bei mir bedeutet Liebe, dass man sich einlässt, mit seinen Schwächen und dass man sich traut, nah zu sein. Das hatte ich so vorher auch noch nicht. Wir beide begegnen uns wirklich.

Sombray: Das ist nicht immer einfach, aber es ist sehr lohnend und schön. Wenn's oberflächlicher wär, würde mich das gar nicht interessieren.Haben Sie einen gemeinsamen Lieblingslyriker?

Hindringer: Wir beide mögen total gern "Die sachliche Romanze" von Kästner − das ist zwar sehr traurig, bringt's aber doch auf den Punkt.

Sombray: Wir haben uns gegenseitig Lyriker nähergebracht. Herbert mag viele zeitgenössische Lyriker. Bei mir hat's mit 16 angefangen mit Gottfried Benn und Paul Celan.



 
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Dokumenten Information
Copyright © Passauer Neue Presse 2012
Dokument erstellt am 2012-01-20 01:59:52
Letzte Änderung am 2012-01-20 08:20:04






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