Kulturwald-Eröffnung: Der erst zwanzigjährige Pianist Daniil Trifonov sorgte für fast unwirkliche Klänge
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Sorgte für Gänsehaut pur: der Pianist Daniil Trifonov. − Foto: Birgmann
Sorgte für Gänsehaut pur: der Pianist Daniil Trifonov. − Foto: Birgmann
Bild herunterladenMit einem künstlerischen Paukenschlag startete das Kulturwald-Musikfestival im Landkreis Deggendorf in seine vierte Saison: Wieder einmal waren es langjährige persönliche Kontakte von Intendant Thomas E. Bauer, die den Besuchern des Eröffnungskonzertes im Stadl des Wildberghofes in Buchet einen Festspielauftakt bescherten, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hat.
Über den israelischen Konzertagenten Uri Zur gelang es, den gerade zwanzigjährigen russischen Pianisten Daniil Trifonov zu engagieren, der heuer bei den bedeutendsten Klavierwettbewerben der Welt – "Rubinstein" in Tel Aviv und "Tschaikowsky" in Moskau – mit ersten Preisen überhäuft wurde. Ihm zur Seite standen beim Kulturwald die jungen Musiker der "Kammerphilharmonie Frankfurt" unter der Leitung von Uris Sohn, Noam Zur, die mit der rasanten Ouverture zu Mozarts "Zauberflöte" gleich einen Vorgeschmack auf die kommenden Opernabende gaben.
Was dann mit Chopins Klavierkonzert f-moll op. 21 folgte, war atemberaubend. Kein Abtasten war da zu spüren; von den ersten Tönen weg zeigten sich Orchester und Solist synchron und homogen, als hätten sie schon Dutzende gemeinsamer Auftritte hinter sich, kraftvoll und virtuos in Szene gesetzt vom überaus präzisen Dirigat des erst dreißigjährigen Noam Zur.
Und dann der zweite Satz! Da breiteten die fantastischen Streicher einen roten Teppich aus feinstem Samt aus, auf dem Daniil Trifonov silbrig schimmernde, fast unwirklich traumverlorene Zauberklänge erglänzen ließ. Augenblicke von größter Subtilität, fast nicht zu beschreiben – Gänsehaut pur, bevor der Schlusssatz noch einmal die Lebensgeister weckte und das begeisterte Publikum von den Stühlen riss. In zwei Zugaben von Liszt ("La campanella" und "Die Forelle") konnte man noch einmal die unglaubliche technische Meisterschaft Trifonovs bewundern, der wie ein kleiner Bub am Flügel einfach auszuprobieren scheint, was dieses Instrument denn so hergibt – und sich schelmisch über das perfekte Gelingen freut.
Außer Konkurrenz folgte der Auftritt des Kulturwald-Kinderchores, der in den vergangenen Tagen einen intensiven Workshop mit Karl-Heinz und Ursula Liebl absolviert hatte. Beide Chorpädagogen lassen ansonsten die jungen Regensburger Domspatzen musikalisch flügge werden und weckten zwischen den ersten Versuchen, fünfundzwanzig verschiedene Stimmen auf einen gemeinsamen Ton zu sammeln, und der hübsch inszenierten Vorführung die Talente der Kleinen zu einer sehr schönen stimmlichen Leistung, die den herzlichen Applaus redlich verdiente.
Der Schnitt zum dritten Teil des Eröffnungskonzertes hätte nicht krasser ausfallen können. Auch wenn ungewöhnliche Programmzusammenstellungen als Markenzeichen zum Kulturwald gehören, standen Konstanze Kraus und Otto Göttler alias "Unverschämte Wirtshausmusik" trotz des völlig anderen Genres ihrer Darbietung von vornherein auf verlorenem Posten und konnten weder künstlerisch noch inhaltlich einen nennenswerten Kontrapunkt zum Vorangegangenen setzen. T. Weber
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