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Osterhofen/Dubai  |  14.09.2013  |  08:00 Uhr

Osterhofenerin im Spagat zwischen den Welten

von Nina Kallmeier

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Der Sonnenuntergang in der Wüste gehört zu den unvergesslichen Eindrücken, die Sylvia Abel (kleines Bild) immer mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbinden wird.  − Fotos: Abel

Der Sonnenuntergang in der Wüste gehört zu den unvergesslichen Eindrücken, die Sylvia Abel (kleines Bild) immer mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbinden wird.  − Fotos: Abel

Der Sonnenuntergang in der Wüste gehört zu den unvergesslichen Eindrücken, die Sylvia Abel (kleines Bild) immer mit den Vereinigten Arabischen Emiraten verbinden wird.  − Fotos: Abel


Lange Arbeitstage sind für Sylvia Abel aus Osterhofen (Lkr. Deggendorf) zur Gewohnheit geworden – seit sie im Herbst 2007 ihrer niederbayerischen Heimat den Rücken kehrte, um für die Lindner Group in die Vereinigten Arabischen Emirate nach Dubai zu gehen. Eine Stadt, mitten aus der Wüste gestampft, in der Bauvorhaben der Extraklasse realisiert werden und die in den meisten Köpfen untrennbar mit Luxus verbunden ist.

 Das alles war für die Osterhofenerin am Anfang nicht nur im Arbeitsalltag eine Umstellung – eine extreme Multikulti-Gesellschaft durch die vielen in Dubai ansässigen Arbeitsmigranten aus vielen Ländern, zu stark klimatisierte Gebäude bei im Sommer bis zu 50 Grad Außentemperatur, überall Baustellen, eine Tochtergesellschaft im Aufbau, der freie Wochenendtag am Freitag statt des üblichen Sonntags, meist eine Sechs-Tage-Woche. Erst vor zwei Jahren kam die 34-Jährige zurück zum Unternehmenssitz in Arnstorf (Lkr. Rottal-Inn) und ist jetzt von Deutschland aus weiterhin verantwortlich für die Projektabwicklung und den kaufmännischen Bereich der Niederlassung für Liefergeschäft. Nach Dubai fliegt sie zwar immer noch regelmäßig, doch ihre Aufenthalte sind beschränkt – ein Leben im Spagat zwischen Deutschland und den Arabischen Emiraten.

 Dabei wollte Sylvia Abel eigentlich einmal einen Beruf ergreifen, der etwas mit Kindern zu tun hat, und Grundschullehrerin werden. "Ich wollte nach dem Abi aber nicht studieren, sondern gleich arbeiten", erinnert sie sich. 2001 fing sie bei der Lindner Group an. Dass es die Osterhofenerin einmal permanent ins Ausland verschlagen würde, hätte sie damals nicht gedacht. "Ich war 2005 zum ersten Mal aufgrund einer Baumesse für eine Woche in Dubai. Da hat sich mein Umzug zwei Jahre später noch nicht angekündigt."

 Das war für sie absolutes Neuland. "Ich war überrascht, wie liberal die Stadt war." Einen so hohen Ausländeranteil vorzufinden –, auch so viele Deutsche – damit hatte sie nicht gerechnet. "Nur etwa 15 Prozent der Menschen, die in Dubai leben, kommen auch aus den Vereinigten Arabischen Emiraten." Allerdings sei die extreme Kluft zwischen Arm und Reich manchmal erschreckend gewesen.

Zwei Jahre lang hat sie die Stadt nicht mehr besucht. Dann ist eine arabische Firma auf die Lindner Group zugekommen, um gemeinsam den Innenausbau eines geplanten Großprojekts anzugehen. Noch im gleichen Jahr wurde die Gründung eines Joint Ventures auf den Weg gebracht. "Ich wollte damals eigentlich nicht ins Ausland und habe das Jobangebot zuerst abgelehnt", erinnert sich Sylvia Abel. Letztlich hat sie sich aber doch auf das Abenteuer Dubai eingelassen – und aus einem ursprünglich geplanten einjährigen Auslandsaufenthalt sind dreieinhalb Jahre geworden.

 Ihre Zelte in Niederbayern komplett abgebrochen hat Sylvia Abel jedoch nicht. Mit der Familie und Freunden hat sie über die Zeit so oft wie möglich Kontakt gehalten. Als im Januar 2011 die Möglichkeit bestand, ihren Job auch von Deutschland aus zu erledigen, ergriff sie die Chance und kehrte nach Hause zurück. "Ich bereue die Zeit im Ausland auf keinen Fall. Es gab so viele tolle Begegnungen zusätzlich zu den beruflichen Erfahrungen, die möchte ich nicht missen. Zudem lernt man aber auch, wann man an seine Grenzen stößt." Osterhofen sei jedoch ihre Heimat. "Für mich war immer klar, dass ich nicht mein Leben lang im Ausland bleiben möchte." Die Familie hat für sie Priorität und auch ihre Freunde und Bekannten hatten ihr beim Abschied 2007 gesagt: "Komm bitte bald wieder zurück!"

 Bis sich Sylvia Abel jedoch wieder komplett in Osterhofen eingelebt hat, hat es ein paar Monate gedauert. Der Arbeitstag der 34-Jährigen unterscheidet sich heute immer noch teilweise von dem ihrer Kollegen. "Freitag ist für mich der ruhigste Tag, da in Dubai und generell im Mittleren Osten ja nicht gearbeitet wird." Dafür muss sie jedoch auch am Wochenende erreichbar sein. "Da war es am Anfang etwas schwierig, abzuschalten und nicht am Wochenende zu viel Zeit mit der Arbeit zu verbringen." Mittlerweile habe sie jedoch Routine entwickelt, kann besser filtern, was wirklich wichtig ist und was später erledigt werden kann. Auch die Kollegen in Dubai hätten sich darauf eingestellt, nur im Notfall anzurufen. "Die Kollegen respektieren, dass hier anders gearbeitet wird, die Kunden nicht."

 Die Musik bringt sie nach einem anstrengenden Arbeitstag wieder runter. Seit ihrer Schulzeit spielt Sylvia Abel Klavier. Musik, Schwimmen und Zeit in der Natur sind für sie ein notwendiger Ausgleich. "Trotzdem wünscht man sich manchmal, dass der Tag ein paar Stunden mehr hätte." Aus Dubai sind es die Gerüche im Gewürzmarkt, das Glitzern der Schaufenster im Goldmarkt, das Meer vor der Haustür, die größten Wasserspiele der Welt in Downtown Burj Dubai und der einmalige Sonnenuntergang in der Wüste, die Sylvia Abel immer in Erinnerung bleiben werden.

Weitere Serienteile finden Sie unter www.pnp.de/indiewelt.



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