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München/Passau  |  11.09.2013  |  08:07 Uhr

Wie sollen Bayerns Kinder richtig schreiben lernen?

von Carsten Hoefer und Miriam Eckert

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Freude am Schreiben und Lesen soll in den ersten zwei Jahren in der Grundschule vermittelt werden. Erst ab der dritten Klasse werden Fehler intensiver korrigiert. Zu spät, wie viele Kritiker meinen.  − Foto: dpa

Freude am Schreiben und Lesen soll in den ersten zwei Jahren in der Grundschule vermittelt werden. Erst ab der dritten Klasse werden Fehler intensiver korrigiert. Zu spät, wie viele Kritiker meinen.  − Foto: dpa

Freude am Schreiben und Lesen soll in den ersten zwei Jahren in der Grundschule vermittelt werden. Erst ab der dritten Klasse werden Fehler intensiver korrigiert. Zu spät, wie viele Kritiker meinen.  − Foto: dpa


In Bildungsstudien belegen Bayerns Schüler regelmäßig erste Plätze – doch in manchen Bereichen sind sie nicht mehr ganz so spitze. Die Gymnasiallehrer beklagen nachlassende Leistungen in der Rechtschreibung. "Das ist deutlich schlechter geworden, auch in Bayern", sagt der Präsident des Bayerischen Philologenverbands (bpv), Max Schmidt. Einige häufige Fehler: lib statt lieb, unt statt und, fiele statt viele. Und manche Buben lieben "Fusball", während manche Mädchen ihre "Pupe" bevorzugen.

An diesem Donnerstag beginnt für 1,7 Millionen bayerische Schüler das neue Schuljahr, darunter knapp 417.000 Grundschüler. Eine Hauptaufgabe des neuen Schuljahrs im Ministerium: Die geplante Neufassung des Grundschullehrplans, in dem auch die Lehrmethode für die Rechtschreibung festgelegt wird.

Die Rechtschreibprobleme haben eine Ursache mutmaßlich in der seit einigen Jahren praktizierten Lehrmethode "Lesen durch Schreiben": Erst- und Zweitklässler sollen keine Angst vorm Schreiben haben und in ihrer Kreativität gefördert werden. Deswegen korrigieren viele Grundschullehrer Rechtschreibfehler in den ersten beiden Jahren nur noch sehr spärlich. Das Ergebnis: Viele Kinder gewöhnen sich Falschschreibungen an, die sie sich in späteren Jahren nur mit großen Mühen oder gar nicht mehr abgewöhnen können. In einer bpv-Umfrage unter 1100 Gymnasiallehrern beklagten im vergangenen November 60 Prozent der Befragten, die Einführung der neuen Lehrmethode habe sich negativ auf die Rechtschreibkenntnisse der Schüler ausgewirkt.

Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) – der hauptsächlich Grund- und Mittelschullehrer repräsentiert – sieht die Angelegenheit weniger dramatisch. "Es stecken auch Chancen drin", sagt BLLV-Präsident Klaus Wenzel. Die neue Methode fördere die Freude am kreativen Formulieren. Doch auch Wenzel hält nichts davon, die Kinder zwei Jahre ohne jede Korrektur ganz frei schreiben zu lassen, um dann in der dritten Klasse mit der Fehlerkorrektur zu beginnen.

In Ostbayern findet die aktuelle Lernmethode in den Grundschulen durchaus Befürworter: "Statt Texte kurzzeitig auswendig zu lernen, werden die Schüler gefördert, die Lautfolge zu erlernen und zugleich ein nachhaltiges Gehör und Gespür für die Sprache zu entwickeln", sagt Hubert Kainz, fachlicher Leiter des Schulamts Passau. Bernhard Glaser, Schulrat des Staatlichen Schulamts Altötting, steht der Methode, die bei den Kindern eine Schreib- und Lesefreude wecke, ebenfalls positiv gegenüber. "Aber es ist eine Gratwanderung, denn lautorientiertes Schreiben setzt lautorientiertes Hören voraus und das ist bei vielen Kindern nicht vorhanden."  − lby/pnp

Schreiben Sie uns!

Fallen auch Ihnen Defizite bei den Rechtschreib-Fähigkeiten der Kinder auf? Sollte auf korrekte Rechtschreibung bereits in den ersten Schuljahren mehr Wert gelegt werden? Ist dazu eine Lehrplan-Reform nötig? Schreiben Sie uns, liebe Leser, Ihre Meinung per Post an die Passauer Neue Presse, Medienstraße 5, 94036 Passau; Fax: 0851/802347; oder Mail: leserforum@pnp.de.








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