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Passau/Brüssel  |  14.11.2012  |  18:38 Uhr

Frauenquote: Betriebe der Region sind dagegen

von Miriam Eckert

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 − Foto: dpa

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Die EU-Kommission beschloss gestern einen Gesetzesvorschlag, wonach bis zum Jahr 2020 alle Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen in Europa zu 40 Prozent mit Frauen besetzt sein müssen. Damit diese Quote EU-Gesetz wird, muss sie vom EU-Parlament und von den Mitgliedsstaaten angenommen werden.

Die Passauer Neue Presse hat diesen Entschluss zum Anlass für eine Umfrage bei Unternehmen in der Region genommen. Die Mehrheit sieht eine gezielte Förderung von Frauen als notwendig an. Eine staatliche Quotenregelung bei der Besetzung von Top-Positionen wird aber abgelehnt. Statt einer Quote, sollten die Unternehmen vielmehr die Weichen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellen und die Arbeitszeiten flexibler gestalten. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass eine branchenübergreifende Quote nicht zielführend sei, da es in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen zu wenige Frauen gebe.

"Wer will schon eine Quotenfrau sein?"

Eine konsequente Gegnerin der Frauenquote ist Elisabeth Hintermann, Geschäftsführerin des Bettwarenherstellers Mühldorfer (Lkr. Freyung/Grafenau). "Bei dieser Regelung wird nicht den Frauen geholfen, sondern nur einigen Top-Managerinnen in börsennotierten Unternehmen, das ist in Niederbayern vielleicht eine Frau", sagt Hintermann und zeigt beim eigenen Unternehmen in Haidmühle im Bayerischen Wald, dass es funktioniert. Bei ihr arbeiten zu 80 Prozent Frauen. Die Frauenquote sieht die Geschäftsführerin als ein "unnötiges Thema, das von der Politik und den eigentlichen Aufgaben ablenkt". Als Beispiele nennt sie Fachkräftemangel und hohe Jugendarbeitslosigkeit sowie die hohen Belastungen für Arbeitnehmer. "Die Frauen brauchen mehr netto als brutto", ist sie überzeugt.

Auch Gesellschafterin Veronika Lindner der Ausbaufirma Lindner aus Arnstorf (Lkr. Rottal-Inn) sieht die gesetzliche Frauenquote als problematisch an, vielmehr komme es auf die Leistung von Frauen wie Männern an. "Wenn eine Frau einen Job bekommt, möchte sie sich doch nicht ihr Leben lang fragen, ob sie ihn auch ohne die Quote bekommen hätte", sagt Lindner. "Wer will schon eine Quotenfrau sein." Stattdessen müssten mehr Lösungen gefunden werden, Beruf und Familie zu verbinden. "Bei uns sind 18 Prozent der Führungskräfte weiblich und das in der Bauindustrie und ohne Quote", betont sie.

Mehr Führungspositionen in Teilzeit anbieten

"Frauen brauchen faire Chancen – nicht mehr und nicht weniger", meint Frau Dr. Haas-Lensing, Geschäftsführerin Vertrieb in der Haas Group. "Politische Regelungen und Quoten sind nicht die Lösung, sondern wir streben individuelle Lösungen an, die Frauen Führungspositionen zeitlich überhaupt wieder ermöglichen", sagt Haas-Lensing, die gute Erfahrungen mit Frauen in leitenden Positionen gemacht hat. Das Problem liege also nicht bei der Frau, sondern daran, dass Führungspositionen nur schlecht in Teilzeit ausgeübt werden können - für Frauen wie für Männer. "Wenn, dann sollte mittelfristig daran gearbeitet werden einen gewissen Teil an Führungspositionen in Teilzeit (allerdings nicht unter 30 Stunden) möglich zu machen."

Die Firma Linhardt aus Viechtach (Lkr. Regen) spricht sich grundsätzlich gegen eine Frauenquote aus. "Frauen wollen durch ihre Leistung überzeugen", so die Sprecherin des Unternehmens. "Wer will schon eine Quotenfrau sein?" Wir sind Bewerbungen Frauen gegenüber Frauen sehr offen."
Auch Dr. Monika Kopra-Schäfer hat es an die Spitze geschafft und ist zusammen mit Christian Schubert Geschäftsführerin des Tubenunternehmens mit 1000 Mitarbeiter und über 100 Millionen Euro Umsatz.

"Individuelle Lösungen statt genereller Frauenquote"

Auch bei drei großen Unternehmen in der Region, Wacker Chemie AG (Lkr. Altötting), der ZF-Friedrichshafen AG (Lkr. Passau) und der BMW AG (Lkr. Dingolfing-Landau) zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Sie alle lehnen eine strikte Frauenquote als "nicht zielführend" ab. Stattdessen spielen berufliche Qualifizierung und persönliche Leistung eine große Rolle. Besonders die vorgesehene branchenübergreifende Quote stößt bei den Unternehmen auf Kritik. "Jedes Unternehmen hat andere Voraussetzungen und gerade im technischen Bereich gibt es zu wenige Absolventinnen um eine Quote von 40 Prozent zu erfüllen", sagt Jochen Frei, BMW-Pressesprecher. Es mache viel mehr Sinn individuelle Regeln aufzustellen, um Frauen einzustellen und zu halten. BMW setze besonders auf die technischen Ausbildungen und Trainee-Programme. "Dieses Jahr wurden unsere Ziele schon überschritten. Im technischen Bereich sind 16,8 Prozent und im Management-Trainee 37,3 Prozent Frauen eingestellt worden.

An den Aufsichtsräten aller drei Unternehmen sind derzeit Frauen beteiligt. Bei BMW sind seit Juni 2012 vier Frauen (zwei auf Kapitalgeberseite und zwei Frauen auf Seite der Arbeitnehmervertretung) im Aufsichtsrat, so Frei. "Also bereits eine Quote von 20 Prozent bei insgesamt 20 Mitgliedern. " Bei der ZF sitzen in diesem Gremium zwei Frauen und 18 Männer", bestätigt Pressesprecher Martin Demel. Bei der Wacker Chemie AG sei aktuell eine Frau gemeinsam mit 17 männlichen Kollegen im Aufsichtsrat des Konzerts, so Sprecher Christof Bachmair.












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Dokumenten Information
Copyright © Passauer Neue Presse 2013
Dokument erstellt am 2012-11-14 18:25:58
Letzte Änderung am 2012-11-16 11:44:28











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