• regioevent.de
  • heimatsport.de
  • am-sonntag.de


pnp.de 22.09.2014

Ostbayern

Heute: 14°C - 5°C

präsentiert von:


Login

   Jetzt registrieren!   Passwort vergessen?




Icon Breadcrumb Sie sind hier:
RSS-Feed abonnieren
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...




Würzburg  |  11.11.2012  |  22:20 Uhr

Wie weit darf die Polizei gehen?

von Sabine Kain

Lesenswert (12) Lesenswert 21 KommentareKommentare Weitersagen Weitersagen drucken Drucken






Heutekann der Tierarzt wieder lachen, wenngleich sein Humor oft düster ist. Im Fasching steht Rolf Herzel als Hauptmann Küppers auf der Bühne und singt ein Lied über die Polizei.  − Foto: Sabine Kain

Heutekann der Tierarzt wieder lachen, wenngleich sein Humor oft düster ist. Im Fasching steht Rolf Herzel als Hauptmann Küppers auf der Bühne und singt ein Lied über die Polizei.  − Foto: Sabine Kain

Heutekann der Tierarzt wieder lachen, wenngleich sein Humor oft düster ist. Im Fasching steht Rolf Herzel als Hauptmann Küppers auf der Bühne und singt ein Lied über die Polizei.  − Foto: Sabine Kain


Diese eisige Dezembernacht 2010 wird Rolf Herzel nie vergessen. Eine Frage verfolgt den heute 48-Jährigen seither wie ein Schatten: Warum hat man mir das angetan? Darüber zermartert sich der Familienvater aus Rottendorf bei Würzburg seit knapp zwei Jahren den Kopf. Von einem Glühweinfest soll der Mann betrunken nach Hause gefahren sein. Mitten in der Nacht klingelten Polizisten an seiner Tür. Einem Alkoholtest stimmte Herzel nicht zu. Daraufhin forderten die jungen Polizisten Verstärkung an. "Wenn wir im Haus sind, haben Sie keine Rechte mehr, wir sind die Staatsgewalt", soll ein Polizist gesagt habe. Zwölf Polizisten waren später in Herzels Haus. Irgendwann wollte sich Herzel über die Spüle beugen, um Wasser zu trinken. In diesem Moment hört er, wie jemand ruft: "Zugriff!" Wenig später liegt Herzel auf dem Boden, fixiert von mehreren Polizisten, der Ohnmacht nahe. In Handschellen, bekleidet nur mit seinem Schlafanzug zerren sie ihn aus dem Haus, tragen ihn in ein Dienstfahrzeug und fahren los. Die Nacht verbringt Herzel in der Zelle, vor und nach einer Untersuchung im Klinikum. Erst um 6 Uhr, nach Schichtwechsel, wird er von einem anderen Polizisten freigelassen.

Der Polizeieinsatz hatte ein juristisches Nachspiel − für Herzel. Gegen ihn wurde ein Verfahren wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt geführt. Nach langer Diskussion einigten sich beide Seiten im September darauf, dass der Tierarzt 1000 Euro spendet und das Verfahren eingestellt wird. Ein Freispruch zweiter Klasse, aber ein Notausgang, den Herzel seiner Familie zuliebe wählte. Noch ist der Albtraum nicht ausgestanden: Der Dienstgruppenleiter beschuldigt den Tierarzt, ihn gegen einen Türrahmen gestoßen zu haben. Dabei habe er eine Schädelprellung erlitten. 900 Euro Schmerzensgeld wolle der haben. "Ich hab' den nicht berührt", versichert Herzel. Fotos von seinen Händen, entstanden am Tag nach dem Einsatz, zeigen keine Spuren eines Kampfes. Das Verfahren gegen die Polizisten wurde eingestellt.

Ein rechtsmedizinisches Gutachten, das Herzel selbst bezahlt hat, ergab inzwischen, dass er in jener Dezembernacht, als er sein Auto von der Straße in den Carport fuhr,  etwa 0,1 Promille Alkohol im Blut hatte. 

"Der Beamte und seine Kollegin haben lange versucht, den Mann zu überreden, ihren Anordnungen Folge zu leisten", beschreibt Kriminaloberrat Heinz Henneberger vom Polizeipräsidium Unterfranken die Situation und spricht von "Engelszungen". Auch der lange Zeitraum, der verging, ehe Verstärkung angefordert wurde, zeige deutlich, "dass die Beamten den Fall kommunikativ lösen wollten". Erst als das keinerlei Wirkung zeigte, "wurde Herrn Herzel unmittelbarer Zwang angedroht". Hochgradig erregt sei der Tierarzt gewesen, habe entgegen der Anweisungen der Polizisten "ständig weggehen und sich der Klärung der Sache entziehen" wollen. Als er in das  Labor seiner Praxis  ging, wo die Beamten gefährliche Gegenstände vermuteten, erfolgte der Zugriff − aus Sicherheitsgründen, sagt  Henneberger.

Zum Thema:


Mehr zum Thema lesen am Montag, 12. November, in der PNP oder HIER.



Ausführliche Berichte aus der Zeitung: Einzelausgabe als PDF online kaufen | Bereich für Abonnenten





Dokumenten Information
Copyright © Passauer Neue Presse 2014
Dokument erstellt am
Letzte Änderung am




article
580617
Würzburg
Wie weit darf die Polizei gehen?
Diese eisige Dezembernacht 2010 wird Rolf Herzel nie vergessen. Eine Frage verfolgt den heute 48-Jährigen seither wie ein Schatten: Warum hat man mir das angetan? Darüber zermartert sich der Familienvater aus Rottendorf bei Würzburg seit kn
http://www.pnp.de/nachrichten/bayern/580617_Wie-weit-darf-die-Polizei-gehen.html
2012-11-11 22:20:00
http://www.pnp.de/_em_daten/_ngen/2012/11/11/teaser/121111_1718_29_38168523_ska_herzel1_teaser.jpg
news







Anzeige











 - Fotos: dpa

Zelt, Bier, Breze und "ein Prosit der Gemütlichkeit": Die Grundzutaten des Münchner Oktoberfests...



Ein schwer bewaffnetes Sondereinsatzkommando rückte in Sondermoning an, um notfalls das Haus zu stürmen. − Foto: FDL/Lamminger

Beim Rasenmähen fand ein 32-jähriger Familienvater aus Sondermoning bei Nußdorf (Landkreis...



Der Ausblick ist deutlich eingeschränkt: Wenigstens bleibt Franz Paringer wegen des Durchlasses für die Fußgängerachse Preysingplatz-Sterngasse noch der Blick zur Stadtpfarrkirche. − Foto: Kellermann

"Diese Mauer war von Anfang an Bestandteil der Planung, sie ist schon im Bebauungsplan vorgesehen"...



Der bundesweite Blitzer-Marathon ist vorbei, aber in Bayern wird noch bis zum 25...



− Foto: dpa

Nur wenige Stunden nach dem Start des 181. Oktoberfestes in München hat es die erste Schlägerei mit...





Ministerpräsident Horst Seehofer, im Hintergrund CSU-Generalsekretär Andeas Scheuer − Foto: dpa

Vor dem Hintergrund des unaufhaltsamen Flüchtlingsstroms nach Deutschland hat die CSU einen...



− Foto: dpa

Schottland und Bayern haben eine wesentliche Gemeinsamkeit: Beider Länder Farben sind weiß-blau...



Mit seinem Buch "Bayern kann es auch allein" hat Wilfried Scharnagl bereits 2012 dazu eingeladen, sich Gedanken über mehr weiß-blaue Eigenständigkeit zu machen. − Fotos: dpa/Verlag

"Bayern kann es auch allein" – so heißt das Buch, das der langjährige Chef des "Bayernkurier"...



"Es reicht eben nicht, Blitzer aufzustellen", sagt Oliver Malchom, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (kl. Bild). − Fotos: Jäger/Polizei

"Eine PR-Aktion ohne nachhaltigen Effekt auf die Verkehrssicherheit" ist der Blitzer-Marathon auf...



− Foto: dpa

Einen vier Monate alten Säugling hat die Polizei aus einem überhitzten Auto in Cham (Oberpfalz)...





Michael Simon Reis beherrscht sein Handwerkszeug. − Foto: Modehaus Garhammer

Vor einem Jahr erst hat das Modehaus Garhammer sein Restaurant Johanns eröffnet – und...



40 von 65 Teisnachern sprachen sich am Dienstag komplett gegen eine Wiedereinführung des Bahnlinienverkehrs zwischen Gotteszell und Viechtach aus, der Rest eingeschränkt. Vor allem die befürchteten längeren Fußwege von Schulkindern zur Bahnhaltestelle und zu den Viechtacher Schulen waren die Gründe. − Foto: Augustin

Am Ende war der Tenor einhellig: Der Großteil der Teisnacher spricht sich gegen die Wiederaufnahme...



Überwältigt und stolz waren Ludwig Iretzberger (li.) und seine Kameraden, als sie am Morgen des 11. August den Gipfel erstürmten, den vor ihnen noch kein Mensch betreten hatte. − Foto: privat

Jubelschreie, Überwältigung und ein "riesen Glücksgefühl". Diese Emotionen begleiteten Ludwig...



Vor sechs Jahren war Veronika Reiner (29) die erste, die Alpakas im Altlandkreis besaß. Mit drei Tieren startete sie ihre Zucht; heute hat sie 13. Sie füttert ihre Hengste, die sie streng von den Stuten getrennt hält, mit frischem Gras. Alpaka Luminoso (r.) ist der Chef der Herde. − F.: Niedermaier

Bei Veronika Reiner war es Liebe auf den ersten Blick. Die 29-jährige Kollnburgerin verlor ihr Herz...



Da lässt die Knödelwerferin vor Freude fast den Knödel fallen: Luca, Maximilian und Kerstin Bindl (Mitte) sind die 700.000. Gartenschau-Besucher. Glückwünsche und Geschenke gab’s von Roland Albert (v.l.), Ingrid Rott-Schöwel, Susann Pade von Polster Catering, Christian Moser und Waltraud Tannerbauer. − Foto: Binder

Da haben die Gesichter mit der Sonne um die Wette gestrahlt: "Das Wichtigste haben wir geschafft"...