
L. Spaenle. − F.: Bircheneder
L. Spaenle. − F.: Bircheneder
Kultusminister Ludwig Spaenle schaltet sich in die Debatte um das "Tschüss"-Verbot an einer Passauer Schule ein. Die Begrüßung sollte kein Dogma sein, findet er. Trotzdem lobt er die Debatte über eine "hallo- und tschüssfreie Zone" an der Passauer Mittelschule. Denn es gehe nicht um den Begriff allein, erläutert Spaenle im PNP-Interview, sondern um den Respekt voreinander.
Hallo, Herr Minister.
Spaenle: Grüß Gott.
Herr Minister, war es unangemessen, Sie mit "Hallo" zu begrüßen?
Spaenle: "Hallo" ist durchaus eine gängige Begrüßung − sofern man sich persönlich kennt.
Ist es Sache der Schule, Kindern vorzuschreiben, wie sie zu grüßen haben?
Spaenle: In der Schule werden nicht nur Vokabeln und Formeln gelernt. Hier geht es auch um ein höfliches Miteinander. Dass man sich ordentlich grüßt, gehört für mich selbstverständlich dazu.
Sie würden also nicht sagen, dass die Schulleiterin ihre Kompetenzen überschreitet, wenn Sie die Schule zur "hallo- und "tschüss-freien Zone" erklärt?
Spaenle: Es macht pädagogisch Sinn, wenn man sich gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern überlegt, welche Begrüßung jeweils passend ist. Es macht durchaus einen Unterschied, ob ich einen Freund oder eine Lehrkraft grüße. Noch deutlicher wird der Unterschied bei Vorstellungsgesprächen. Hier sind sich die Gesprächspartner vielleicht vorher noch nicht begegnet. Der erste Eindruck kann, wie wir ja wissen, entscheidend sein. Allerdings denke ich, man sollte aus einer Begrüßung kein Dogma machen.
Wundern Sie sich über die Dynamik, die diese Diskussion mittlerweile erreicht hat, nachdem die PNP vor einigen Wochen darüber berichtet hat?
Spaenle: Ich finde es gut, dass sich die Menschen, auch unsere Schülerinnen und Schüler, Gedanken darüber machen, dass auch eine Begrüßungsformel eine spezielle Aussage haben kann. Man macht selbst deutlich, woher man kommt. Sprache kann auch Heimat bedeuten − für einen Bayer wie einen Nordfriesen.
Zu meiner Zeit, in den 70er Jahren, wurde in der Schule Hochdeutsch gesprochen − jetzt ist wieder Dialekt angesagt. Muss man das verstehen?
Spaenle: Dialekt ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Sprachkultur und Ausdruck lebendiger Geschichte der Menschen einer Region. Es ist mir wichtig, dass sich die Schülerinnen und Schüler − auch über den Dialekt − mit der eigenen Identität, der Heimat und der Geschichte auseinandersetzen und den Dialekt pflegen können.
Sprache verändert sich laufend. Ist es wirklich gut, sich dem entgegen zustellen? Es gibt die schöne Geschichte, dass ein Schüler seine Englischlehrerin gefragt hat, was cool auf Englisch bedeutet...
Spaenle: Sprache entwickelt sich und ist ein Zeichen ihrer Zeit. Die Verabschiedung "Adjes" vom französischen "Adieu" hört man heute kaum noch. "Servus" und "Pfiat Gott" hat sich in Bayern jedoch gehalten. Im Gegensatz dazu hört man − egal wo man hinhört in Deutschland − auch "Ciao". Wichtig ist, dass wir höflich und respektvoll miteinander umgehen.
Vielen Dank für das Interview, Herr Minister. Tschüss.
Spaenle: Pfiat Gott!
Interview: Alexander Kain
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Von "Servus" bis "Ciao": Eine kleine Kulturgeschichte der Grußformeln: www.pnp.de/gruss.
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