Sexuellen Missbrauch haitianischer Straßenkinder und die versuchte Einschleusung eines Minderjährigen wirft ihm die Anklage vor. Überraschend hat der Berliner Ingenieur Hans B. (58) nun in der Jugendkammer des Landgerichts Landshut ein Teilgeständnis abgelegt. "Ich war in den Buben verliebt", bekannte der einschlägig vorbestrafte ehemalige Geschäftsführer des angeblichen Berliner Hilfsvereins "Promote Afrika e. V.". Zum Auftakt des zweiten Prozesstages hatte der Richter ihm zuvor − ohne offizielle Verständigung − bei einem Geständnis eine Freiheitsstrafe von nicht über fünf Jahren in Aussicht gestellt.
Die ursprüngliche Anklage gegen den Berliner Ingenieur lautet auf elf Fälle des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, in neun Fällen in Tateinheit mit Vergewaltigung, auf Anstiftung zu versuchter Einschleusung von Ausländern in Tateinheit mit schwerem Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung. Hans B. wird unter anderem vorgeworfen, unter dem Deckmantel des angeblichen Hilfsvereins in der Dominikanischen Republik und in Haiti Straßenjungen im Alter von zwölf bis 13 Jahren missbraucht und sie auch an Pädophile vermittelt zu haben.
Gefasst wurden der Ingenieur und der brasilianische Fußballer Francesco de L. (27) im Februar 2011 am Münchner Flughafen, als sie versuchten, den vermutlich zwölf Jahre alten Flavio nach Deutschland einzuschmuggeln. Der Brasilianer hatte für den Buben mit einer gefälschten Geburtsurkunde in der Dominikanischen Republik einen Pass bei der brasilianischen Botschaft in Santo Domingo besorgt und sich dann bei der Landung auf dem Münchner Flughafen im Erdinger Moos als dessen Vater ausgegeben.
Allerdings waren die Zollbeamten misstrauisch geworden, die beiden Männer wurden festgenommen. Da der Flughafen zum Einzugsbereich des Landgerichts Landshut gehört, findet der Prozess vor der dortigen Jugendkammer statt. Der Fußballer wurde inzwischen − nach einem Geständnis − wegen versuchter Einschleusung eines Ausländers und Beschaffen von falschen amtlichen Ausweisen zu einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Der inzwischen vermutlich 13-jährige Flavio, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, wurde bei einer Pflegefamilie im Allgäu untergebracht und überraschte die Prozessbeteiligten bei seiner (nicht öffentlichen) Zeugenaussage mit fast perfektem Deutsch.
Bereits vor 15 Jahren war der damals in Gera lebende Ingenieur wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern auf der Anklagebank gesessen. Damals war er zunächst zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden, musste die Strafe dann aber absitzen und dazu noch weitere dreieinhalb Jahre, die er sich 1997 ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes eingehandelt hatte. Glimpflicher, nämlich mit einer Geldstrafe, kam er 2001 in Köln davon, wo er einen Jugendlichen begrapscht hatte. Der Landshuter Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. − tl
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