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vom 21.04.2010


„Mit Nietzsche Missbrauch getrieben“

Uraufführung von Franz Hummels Oper „Zarathustra“ am kommenden Samstag am  Theater Regensburg - Ein Gespräch mit dem Komponisten



Der bayerische Komponist Franz Hummel aus dem Altmühltal hat sich einen Namen gemacht mit Kompositionen über historische Persönlichkeiten, zum Beispiel „Gorbatschow“ (1989), „Beuys“ und auch „Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies“ im Musicaltheater Neuschwanstein (2000), sein bisher größter Erfolg. Vergangenes Jahr erlebte die Schauspieloper „Fouché“ über den grausamen Polizeipräsidenten Napoleons Premiere in Linz. Heuer stemmt das Theater Regensburg seine aufwendigste Produktion mit der Premiere von „Zarathustra“. Am 24. April ist Premiere der Oper über Leben und Werk des Philosophen Friedrich Nietzsche in Regensburg. Das Libretto verfasste Sandra Hummel, Regie führt Intendant Ernö Weil. Die PNP hat sich mit dem 71-jährigen Komponisten unterhalten.

Oper passt gut in eine
katholische Stadt


   Herr Hummel, was hat Sie bewegt, sich mit Friedrich Nietzsche zu beschäftigen?

Hummel: Über Nietzsche wollte ich schon früher schreiben. Das Thema lag mir seither wie eine Notwendigkeit auf der Seele - und es passt gut in eine katholische Stadt. Es hat ja mit der Romantik zu tun. Damals ein ungeheurer philosophischer Aufbruch - der nicht nur Gutes hervorgebracht hat. In der Oper geht es viel um die Person Nietzsches und den Missbrauch, der mit ihm getrieben worden ist, vorrangig von seiner Schwester Elisabeth. Und es geht um das kulturelle Umfeld, um Lou Salomé, Richard Wagner - man kann Anklänge an seine Musik hören.

  Die Oper ist ein Auftragswerk für das Theater Regensburg. Wie ist es dazu gekommen?

Hummel: Ernö Weil hat sich den „Zarathustra“ gewünscht. Er wollte schon länger etwas von mir haben. Das hat nie geklappt, weil ich mit anderen Sachen beschäftigt war. Vorletzten Winter kam in Erfurt „Der Richter und sein Henker“ heraus. Praktisch parallel dazu ist in Linz, der Kulturhauptstadt 2009, die Fouché-Oper uraufgeführt worden.

  Jetzt Nietzsche, kein leichter Stoff. Was hat uns dieser Denker heute noch zu sagen?

Hummel (mit Nachdruck): Er hätte uns was zu sagen, wenn wir ihn denn kennten und lesen würden! Unabhängig von einer Weltsicht könnte er uns wieder das Nach-denken lehren. Eine tiefere, substanzielle Betrachtung des äußerlich Scheinbaren, das ist uns doch ganz abhanden gekommen. In einer Beziehung geht es Nietzsche wie Wagner: Er wurde von den falschen Leuten geliebt und propagiert. Insbesondere von Hitler und seinen ihn umgebenden Idioten, so dass der Zugang der heutigen Menschen gefiltert ist durch dieses fürchterliche Gewicht.

  Was kann man dagegen tun?

Hummel: Den Filter wegschieben! Nietzsches Leben und Werk muss - meine ich - unabhängig vom ganzen Schutt betrachtet werden, der auf ihm liegt. Ein ganzes Jahrhundert von Missverständnissen, wie sein angeblicher Antisemitismus.

   . . . und Sprüche wie „Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht!“

Hummel: Nachweislich kein Ausspruch von Nietzsche! Es war die Reaktion auf ein inszeniertes Foto, wo die Frau (Salomé) die beiden Herren mit der Peitsche antreibt. Genau dieses falsche Gerücht aber ist haften geblieben. Wie die Idee vom Übermenschen, die auf so angstbesetzte Gehirne wie das von Hitler gleich Eindruck gemacht hat, als Gebrauchsinstrument von Machtusurpatoren.

  Und die Musik?

Hummel: Das ist so ähnlich wie das Problem mit Nietzsche - die Angst davor, etwas nicht zu verstehen. Musik ist nichts als Musik,

Akustische
Ausstellung

steht für nichts anderes. Die Oper „Zarathustra“ ist meiner Überzeugung nach von der Leidenschaft geprägt, die mich mit der Welt Nietzsches verbindet. Ich bin kein Savanarola der Musik. Aber wenn man in meiner akustischen Ausstellung die Ohren ein wenig aufsperrt, dann nimmt man das mit, was man seiner Persönlichkeit gemäß gebrauchen kann.

  Regensburg gilt nicht gerade als Hochburg in Sachen Kunst der Gegenwart .
 . .
Hummel: Wenn ich in einem Theater aufgeführt werde, das nicht als Avantgarde verschrien ist, freut mich das besonders. Es ist doch sonnenklar, dass ich etwas lernen kann, wenn ich Gegner habe. Ich möchte mich ja weiterentwickeln . . .   

Das Gespräch führte
Michael Scheiner.

Info: www.theaterregensburg.de.





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