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vom 31.12.2009


Heimat mit Hirsch und Helikopter

Bürgermeister, Künstler und Publikum stehen Schlange: Das junge „Kulturwald“-Festival ist auf Erfolgskurs - Rund 30 Konzerte von 2. bis 12. September



Dunkles Dröhnen erfüllt die Luft, Augen suchen den Horizont ab, Rotorblätter von Helikoptern donnern über dem abendlichen Himmel von Deggendorf. An Bord spielen Musiker, ihre Töne mischen sich mit den Maschinengeräuschen und werden auf den Boden zum Publikum übertragen. Was der moderne Komponist Karlheinz Stockhausen mit seinem Helikopter-Streichquartett von 1992 vorgemacht hat, erlebt im Herbst eine Renaissance in Niederbayern.

Orff-Enkel komponiert
Vorspiel zu „Carmina“

Mit dieser spektakulären Inszenierung soll am 2. September 2010 das dritte „Kulturwald“-Musikfestival beginnen - Komponist und Carl-Orff-Enkel Moritz Eggert schreibt ein Vorspiel zu dessen Monumentalwerk „Carmina Burana“, das nach der Landung der Maschinen in der Deggendorfer Stadthalle gesungen wird. Der märchenhafte Erfolg des Festivals mit 6000 Besuchern bei 200 000 Euro Etat schon im zweiten Jahr hat seine Wurzeln darin, dass die Organisatoren Klassik auf exquisitem Niveau mit erfrischenden Ideen verbinden und es schaffen, dass sich die Menschen in der Region mit dem Projekt identifizieren.Für viele ist es nicht „der Kulturwald“, es ist „unser Kulturwald“.
Nur so - und mit unzähligen ehrenamtlichen Stunden der Organisatoren - ist zu erklären, warum das Festival kommendes Jahr von 2. bis 12. September schon in sechs Landkreisen vertreten ist: Basis bleibt der Wild-Berghof Buchet bei Bernried im Landkreis Deggendorf, Konzerte gibt es aber auch in den Kreisen Regen, Freyung-Grafenau, Rottal-Inn, Cham und erstmals auch im Passauer Schloss Feudenhain. „Wir könnten 100 Konzerte machen - die Gemeinden rennen uns die Türen ein“, sagt der in Metten geborene Sänger Thomas E. Bauer, der den „Kulturwald“ mit dem Wirt Thomas Gstettenbauer und dem Kulturmanager Joseph Liebl ins Leben gerufen hat. Letzterer hat sich inzwischen aus beruflichen Gründen aus dem Projekt zurückgezogen.
Weil das Festival über die Region hinausstrahlt, wird Thomas E. Bauer, der weltweit auftritt und viele enge Beziehungen zu Festivals, Künstler und Intendanten pflegt, Mitte Januar zum „Botschafter Niederbayerns“ ernannt. „Einfach ein beliebtes Klavierkonzert mit einem renommierten Pianisten aufs Programm zu setzen, funktioniert heute nicht mehr“, glaubt er. „Jedes Konzert muss ein Alleinstellungsmerkmal haben - und das geht nur übers Herz.“
Erneut will der „Kulturwald“ die Herzen auch durch Mitmachen erobern: Chöre und Einzelsänger der Region können die „Carmina Burana“ mitsingen, für Jugendliche wird ein Chor-Ferienprogramm angeboten (Anmeldung ab 1. März unter www.kulturwald.de, dann gibt es auch Karten online und bei den PNP-Geschäftsstellen).
Bewährtes wie die Nachtkonzerte, Kindertheater, die Bayerwald-Operette „Felizitas, die Zigeunerprinzessin“ und auch das Schafkopfturnier wird es auch 2010 wieder geben. Etwas gewagt scheint allerdings das Konzept, viele befreundete Künstler des Vorjahres wieder einzuladen: Erneut kommen Musiker vom norwegischen Lofoten-Festival in den Bayerischen Wald - in Planung ist bereits eine Kooperation mit einem Festival in der Mongolei -, erneut treten auch Volksmusikerin Monika Drasch, Sängerin Salome Kammer und Pianist Siegfried Mauser auf. Dass sich das Publikum dem verweigert, glaubt Bauer nicht: „Wir sind ein Künstlerfestival - die Leute wollen gerade ,alte Freunde‘ wiedersehen.“ Doch es gibt es auch Neues zu entdecken: hochrangige Bläserensembles etwa, das Chorwerk „Spem in alium“ von Thomas Tallis für 40 Stimmen und György Ligetis „Poème symphonique“ für 100 Metronome.

„Wir wollen was für unsere Leute machen“

„Wir wollen was für unsere Leute hier machen“, sagt Thomas Gstettenbauer und meint damit auch jene, die sich bisher nicht für Klassik interessiert haben. Das hat der „Kulturwald“ bereits geschafft: 2008, nach Händels „Messias“-Oratorium, sagte eine Frau zu ihrer Freundin am Ausgang: „Ich mag Operette eigentlich gar nicht, aber das heute war wirklich gut.“
Raimund Meisenberger



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