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vom 31.03.2009


Wie dick darf ein
Feuerwehrmann sein?



Atemschutzgeräteträger werden strenger auf ihre Fitness getestet


Ohne Atemschutz geht bei Bränden gar nichts mehr − wie bei diesem Einsatz der Vilshofener Feuerwehr im letzten Jahr, als eine Holzhütte am Sechssessel fast ganz niederbrannte. (Foto: Lubig)
 



Von Carmen Keller
Vilshofen. Nach der Berechnungsformel hat Siegfried Haslinger einen BMI von über 28. Die Schlussfolgerung für den Vilshofener Feuerwehrkommandanten: Es besteht „eine leichte Tendenz zur Fettleibigkeit“. Es schwingt ausreichend Ironie mit, wenn der 100-Kilo-Mann das sagt. Denn eigentlich fühlt er sich bei einer Körpergröße von 1,88 Metern nicht dick. Doch so wie er rechnen jetzt viele Feuerwehrleute in Bayern nach - und ärgern sich.
Seit kurzem sollen die Träger von Atemschutzgeräten beim Body-Mass-Index (BMI) nicht über 30 kommen. Der BMI errechnet sich, indem man das Körpergewicht durch die Körpergröße im Quadrat teilt. Steckt hinter der neuen Vorschrift übertriebene Bürokratie, die freiwilliges Engagement konterkariert, oder eine sinnvolle Empfehlung?
„Der Body-Mass-Index darf nicht das Maß der Dinge sein“, sagt Kommandant Haslinger. Aus der Praxis weiß er, dass es auf den Gesamteindruck eines Atemschutzgeräteträgers ankommt. Er nennt ein Beispiel: „Ich habe einen Mann in meiner Truppe, der klar über dem BMI ist. Er war früher Leistungssportler und ist auch jetzt sportlich noch aktiv. Der ist ein Muskelpaket, nicht dick - er trägt beim Einsatz eine Person mit 80 Kilo allein raus“, macht Haslinger deutlich, dass es auf die Fitness ankommt.

„In keinster Weise
glücklich darüber“

Der BMI sei ein Kriterium von vielen und „irgendwo gerechtfertigt“ meint der Kommandant. Schließlich müssten hohe Anforderungen erfüllt sein, gelte es doch im Extremfall, Menschenleben zu retten. „Wenn einer mit schwerem Gerät über zwei oder drei Etagen hoch muss, ist nun mal Fitness gefordert“.
Von den derzeit 72 Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr Vilshofen sind 35 zum Tragen von Atemschutzgeräten berechtigt. „Das gehört heutzutage fast zur Grundausbildung“, erklärt Siegfried Haslinger. Um eine Gefährdung der Einsatzkräfte auszuschließen, werde der Atemschutz bereits bei relativ kleinen Bränden angelegt, beispielsweise bei einem Autobrand. Bei etwa 20 Einsätzen im Jahr müssen die Vilshofener Wehrleute mit Atemschutz arbeiten.
Haslinger befürchtet, dass drei oder vier seiner Atemschutzgeräteträger wegen der neuen Vorschriften „rausrutschen“ könnten.
Einen solchen Verlust würde auch Edmund Fischer sehr bedauern. Der Vilshofener fungiert als Atemschutzbeauftragter für den gesamten Landkreis Passau und ist „in keinster Weise glücklich“ über die neuen Statuten. Zwar hat er bisher noch keine Rückmeldungen, dass die Motivation der Aktiven in den Freiwilligen Feuerwehren nachgelassen hat, aber er bestätigt, „dass es für den einen oder anderen Kameraden Probleme geben könnte“.
Dennoch bleiben Fischer und Haslinger gelassen. Ein BMI von über 30 bedeutet nicht automatisch das Aus. Die BMI-Grenze ist eine Soll-Bestimmung. Schon in der Vergangenheit habe das Körpergewicht der Geräteträger eine Rolle gespielt, informiert Fischer. Der Gemeindeunfallversicherungsverband habe seine Vorgaben nun präzisiert. Letztendlich entscheide nicht ein Index über die Einsatzfähigkeit, sondern allein der Arzt. Bei den turnusmäßigen Untersuchungen wird unter anderem ein Belastungstest durchgeführt. Eine Blutuntersuchung, die mittlerweile vorgenommen wird, bezeichnet Haslinger als sinnvoll. „Wenn ein Arzt seine Aufgabe ernst nimmt, dann ist mir um unsere erfreulich junge Truppe nicht bange“, sagt der Vilshofener Kommandant.
Der Vilshofener Allgemeinarzt Rainer Doliwa, früher selbst als aktiver Feuerwehrmann Atemschutzgeräteträger, ist mit der aktuellen Problematik bestens vertraut. Er versichert, dass bei der Tauglichkeits-Bewertung für Pressluftatmer nach der in Feuerwehr-Kreisen bekannten Vorschrift G26/3 etwa die Ergebnisse einer Fahrrad-Ergometrie eine weit bessere Auskunft geben als die Anwendung einer Gewichts-Formel.
„Bei der Beurteilung ist nicht nur entscheidend, was eine Person wiegt“, betont Doliwa. Den BMI findet er schlichtweg „nutzlos“. Es liege im Ermessen des Arztes, ob er wie bisher die Broca-Methode (Größe minus 100) oder den BMI anwendet. Der

Arzt: Gewicht ist
nicht entscheidend

BMI benachteilige „unsere niederbayerisch g‘standenen Mannsbilder“, meint Doliwa schmunzelnd. Deshalb hält er sich weiter an die althergebrachte Broca-Methode.
Indirekt musste sich kürzlich der Stadtrat mit den neuen Bestimmungen für Atemschutzgeräteträger auseinandersetzen: Für sie sollen Überhosen zum Stückpreis von 200 bis 250 Euro beschafft werden. Weil derzeit nicht klar ist, ob die Zahl der Atemschutzgeräteträger gleich bleibt, wurde lediglich ein Grundsatzbeschluss über den Kauf gefasst. „Wir warten auf die Rückmeldung seitens der Feuerwehr“, sagt Bürgermeister Georg Krenn. Auch er hofft, dass sich trotz geänderter Statuten für die Betroffenen nichts ändert.





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