Startseite Login E-Paper Kontakt Impressum Sitemap Hilfe
Suche
Zur\x87ck zur Startseite von pnp.de
ANZEIGENMARKT

ABONNENTEN

Registrieren! Passwort vergessen?
Nachrichten Lokales Sport Freizeit Journal Anzeigenmarkt ServiceCenter Mitmachen
Sie sind hier: Startseite / Nachrichten / Bayern / Artikel Dienstag, 9. Februar 2010
ALLE ARTIKEL (BAYERN)

Internet: So wird aus dem Segen kein Fluch

LESERBRIEFE

Rentner-Bande nahm Finanzberater als Geisel

Bluttat erschüttert Viechtach: Frau erschlägt ihren Mann

BAYERN KOMPAKT

Zeuge entlastet Schreiber: „Nur Kontakt vermittelt“

Ungeschützter Sex trotz Aids: Mann vor Gericht


ALLE ARTIKEL (NIEDERBAY.)

„Ostbayern ist sicherer geworden“

Säumer im Schnee


ALLE ARTIKEL (OBERBAY.)

„Nazis verhöhnen Peter und Sophie“

Bewährung für Betrüger

Obstbrenner wollen mehr Anerkennung


ARTIKEL
vom 18.02.2009


Fachärzte halten Gelbe Karte hoch

Rund 80 Prozent der Mediziner schließen Praxen - Aktionen in München, Nürnberg und Passau



Von Stefan Rammer
München/Passau/Altötting.
Mit Praxisschließungen und Protestkundgebungen in ganz Bayern haben gestern Fachärzte grundlegende Änderungen ihrer Arbeitsbedingungen gefordert. 70 bis 80 Prozent der rund 12 000 Facharztpraxen in Bayern sperrten ihre Praxen zu. Der Landesvorsitzende der Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB), Thomas Scharmann, verlangte in München bei einer Protestveranstaltung, die Bundesregierung müsse ins Sozialgesetzbuch einen neuen Paragrafen aufnehmen, der eine „facharztbasierte ambulante Versorgung“ garantiere. Außerdem müssten sämtliche Budgets, die die Honorare der Ärzteschaft begrenzen, aufgehoben werden. Andernfalls drohe ein flächendeckendes Praxen-Sterben, warnte Scharmann. Patienten müssten dann wesentlich weitere Wege zurücklegen.
„Wir fühlen uns von der Politik missbraucht. Das ist, wie wenn man am Nasenring durch die Manege gezogen wird“, sagt Dr. Klaus-Dieter Schnarr. Er ist Augenarzt in Vilshofen. Augenärzte bekommen laut Regelleistungsvolumen 21 Euro pro Patient. Wie bei allen anderen Fachärzten wird dieser Betrag nur einmal im Quartal pro Patient bezahlt, egal wie oft er die Praxis aufsucht.
Schnarr, der wie fast alle Fachärzte in Vilshofen sich der gestrigen Aktion angeschlossen und seine Praxis zugesperrt hat, nennt Gesundheitsministerin Ulla Schmidt beratungsresistent. Diese wolle ein staatlich gelenktes Gesundheitssystem. Sie wolle die wohnortnahe Versorgung auflösen und die Fachärzte in Zentren als Angestellte zusammenballen. Freiberufliche Fachärzte seien nur noch ein Störfaktor. „Sollen wir 14 Augenärzte aus Stadt und Landkreis Passau alle nach Passau gehen? Der Patient wird schnell merken, dass es mit der wohnortnahen Versorgung den Bach runtergeht.“ Die Facharztpraxen würden über kurz oder lang aussterben.

Bevölkerung muss aufgeklärt werden

Schnarr ist gestern nach Passau gefahren. Der Urologe Dr. Volker Walther hat dort einen Informationsstand aufgebaut und seine Kollegen gebeten, ihre Situation der Öffentlichkeit klarzumachen. Alle Fachrichtungen kamen: Frauenärzte, Orthopäden, Chirurgen, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Kardiologen. Dermatologen, Hautärzte oder Physiotherapeuten. Aus Wegscheid, Pocking oder Hauzenberg bekamen die Passauer Unterstützung.
Ärzte mit Trillerpfeifen und Transparenten, das ist kein alltägliches Bild. In Passau haben rund 100 Mediziner und Praxisangestellte zudem noch jede Menge Flugzettel verteilt. „Was können Sie für 32,80 Euro an Ihrem Auto reparieren lassen?“, fragt Dr. Peter Karschay. „Wenn es nach dem Willen der Politiker geht, sollen wir Hals-Nasen-Ohrenfachärzte für diesen Betrag Ihre Gesundheit wiederherstellen.“ Die „Gelbe Karte für eine missratene Gesundheitspolitik“ wurde gestern vielfach in die Höhe gehalten. „So geht es nicht mehr“, sagt Dr. Walther. „Wir tragen unseren Unmut zur Bevölkerung. Sie muss aufgeklärt werden.“ Dr. Wolfgang Bötsch, Orthopäde in Ruderting (Lkr. Passau), ergänzt: „Bis zur Bundestagswahl werden wir keine Ruhe mehr geben. Wir müssen in die politische Arbeit einsteigen.“ Beim Politischen Aschermittwoch wollen die Fachärzte vor der Dreiländerhalle eine Kundgebung machen und sich bei Ministerpräsident Horst Seehofer Gehör verschaffen.
Im Bereich Altötting und Mühldorf beteiligten sich fast alle Fachärzte an der Aktion. Koordinator Dr. Albert Beyer (Internist) sagte: „Die Resonanz ist sehr gut. Im Landkreis Mühldorf sind 93 Prozent, im Landkreis Altötting 88 Prozent der Facharztpraxen geschlossen. Die Zustimmung zu dem Protest ist sehr hoch unter den Kollegen, aber auch in der Bevölkerung, wie eine Abstimmung auf unserer Homepage (www.rlvprotest.de) zeigt. Der Landkreis Rotttal-Inn hat sich unserer Aktion angeschlossen.“
Unterstützung von einem Bundespolitiker bekamen die Ärzte gestern in Passau: MdB Max Stadler (FDP) nannte den Gesundheitsfonds ein bürokratisches Monster und die Ursache allen Übels. „Die haus- wie die fachärztliche Versorgung droht verloren zu gehen. Wir wollen die Tendenz stoppen und medizinische Poli-Zentren wie früher in der DDR verhindern.“
Die Fachärzte bezeichnen die Folgen der Gesundheitsreform als „Planwirtschaft in der Patientenversorgung“. Während die Mitglieder der gesetzlichen Versicherungen seit Jahresbeginn noch mehr zahlen müssen, kommt bei ihren Ärzten weniger Honorar an: Drei Monate frauenärztliche Normalversorgung bringen nur 16 Euro ein, so viel kostet die Nachhilfestunde, gegeben von einem Kollegiaten am Gymnasium, rechnen die Gynäkologen vor.
Der Verband der Ersatzkassen in Bayern bewertete die Forderungen der Ärzte als „einfach realitätsfremd“. Deutschland stecke in der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit, aber ausgerechnet jetzt forderten die Fachärzte mehr Geld von den Krankenkassen, kritisierte der Leiter des Ersatzkassenverbands, Ralf Langejürgen. „Den protestierenden Ärzten sollte klar sein, wen die Forderungen nach mehr Geld unter den Bedingungen des Gesundheitsfonds einseitig belasten, nämlich ihre Patienten.“

Weitere Protestaktionen im März geplant

An Demonstrationen in München, Augsburg, Bayreuth und Nürnberg nahmen jeweils mehrere hundert Menschen teil. GFB-Vorsitzender Scharmann erklärte, es könne sein, dass bereits im März die Praxen wieder einen Tag lang geschlossen bleiben. Dann beteiligen sich auch die Deggendorfer Fachärzte, wie der Orthopäde Willi Wiesenberger gestern mitteilte.





foo
NACHRICHTEN
Überblick
Tickermeldungen
Das Thema
Politik
Bayern
Niederbayern
Oberbayern
Wetter
Wirtschaft
Börse
PNP-VideoNews
Feuilleton
Journal
Interviews
Leserzuschriften
Spendenaktion '09
PNP-Spezial
Schule macht Kunst
Zeitung macht Schule
Menschen in Europa
PNP-Paper
 KINOTIPP
Alles rund ums Kino
Welcher Film läuft wo? Was taugt der neue Film "Up in the Air" und vieles mehr... [mehr]

 WISSENSTEST
Geographie-Wissenstest
Sind Sie ein Fan des Spieles Stadt, Land, Fluss? Dann ist dieser Test genau richtig für Sie... [mehr]

 URLAUBSREIF?
Reisekataloge KOSTENLOS bestellen
Besser informiert den Urlaub planen [mehr]




Nachrichten · Lokales · Sport · Freizeit · Magazin · Anzeigenmarkt · ServiceCenter · Mitmachen · Kostenlose Community · Bayerischer Wald
Copyright © Neue Presse Verlags-GmbH. Alle Inhalte von PNP-Online sind urheberrechtlich geschützt.
Eine Weiterveröffentlichung, Vervielfältigung, Verbreitung auch in elektronischer Form, sowie eine Speicherung,
die über die private Nutzung hinausgeht, ist ohne vorherige Zustimmung des Verlages nicht zulässig.