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Freude, die man sieht: Brigitte Gehringer radelt mit der fünfjährigen Tina auf dem neuen Rollstuhlfahrrad. Die PNP-Stiftung hat  für die KonduktiveTagesstätte in Teising das Gefährt finanziert.Kleiner

Freude, die man sieht: Brigitte Gehringer radelt mit der fünfjährigen Tina auf dem neuen Rollstuhlfahrrad. Die PNP-Stiftung hat für die KonduktiveTagesstätte in Teising das Gefährt finanziert.Kleiner

Freude, die man sieht: Brigitte Gehringer radelt mit der fünfjährigen Tina auf dem neuen Rollstuhlfahrrad. Die PNP-Stiftung hat für die KonduktiveTagesstätte in Teising das Gefährt finanziert.Kleiner


Was ist Glück? Der österreichische Philosoph Gerhard Ortner sagt: "Glück ist ein Zustand, in dem wir uns selbst in einem Moment der Freude intensiv wahrnehmen."

 Tina ist fünf. Schmächtig. Zart und gebrechlich. Blass. Teilnahmslos wirkt ihr Gesichtsausdruck. Tina kann alleine nur schwer laufen und sie kann nicht gut sehen. Tina ist mehrfach behindert. Aber Tina kann gut hören. Und sie hört, wie man ihr sagt, dass sie mit einem neuen Rollstuhlfahrrad eine Runde drehen soll. Und sie versteht. Weil ihre Augen leuchten, als sie das Gefährt auf dem Hof ihres Kindergartens stehen sieht. Weil ihre Mundwinkel sich auseinanderziehen, als sie auf den Rollstuhlsitz gehoben wird. Weil sie

lacht, als eine Mama beginnt, sie rund um den Hof zu radeln. Tina lacht − obwohl mit einer solchen Regung gar nicht zu rechnen war. Und alle, die wir um sie herumstehen, lachen mit Tina.

 Mit der Anschaffung eines Rollstuhlfahrrades geht für die Konduktive Tagesstätte in Teising bei Altötting heuer in der Vorweihnachtszeit ein langersehnter Herzenswunsch in Erfüllung. Brigitte Gehringer, die Mama eines der insgesamt 24 behinderten Mädchen und Buben, die in der Tagesstätte von vier Konduktorinnen und einer Kinderpflegerin betreut werden, hat sich an die Stiftung der Passauer Neuen Presse gewandt. "Ein Rollstuhlfahrrad wäre für die behinderten Kinder, ihre Geschwister und Eltern ein großes Stück Freiheit. Die Kinder könnten an der Freizeitgestaltung der Familie besser teilnehmen. Das bedeutet mehr Lebensqualität für jede betroffene Familie. Denn ohne dieses Fahrrad sind Ausflüge mit den zum Teil schwerst behinderten Kindern nahezu unmöglich. Für uns Eltern und die Tagesstätte ist die Anschaffung unerschwinglich."

 Warum? Weil es sich bei der Konduktiven Tagesstätte in Teising um eine heilpädagogische Einrichtung handelt, die nach dem Förderungskonzept des ungarischen Arztes András Petö mit Kindern und Erwachsenen mit Bewegungsstörungen arbeitet. Die Konduktive Förderung verbindet Sprache, Bewegung, Rhythmus und fördert die motorische, sprachliche, geistige und soziale Entwicklung. Eine Methode, die von den Krankenkassen nicht anerkannt ist. Aus diesem Grund erhält die Teisinger Tagesstätte nur Fördermittel des Bezirkes Oberbayern in Höhe von 74 Euro pro Kind. Die decken lediglich die Lohnkosten. Alles andere muss die Einrichtung über Spenden finanzieren, wie z. B. jede Sandkastenschaufel – und das Rollstuhlfahrrad. Also bat Gitti Gehringer im Namen aller Eltern der behinderten Kinder: "Kann uns die PNP-Stiftung helfen?"

 Der Stiftungsrat prüfte und befürwortete das Anliegen. Man setzte sich mit einer Fachfirma in Verbindung, holte Kostenvoranschläge ein und entschied sich wegen der vielfach schwergewichtigen Kinder für ein Rollstuhlfahrrad mit Elektromotor im Wert von 7800 Euro.

Was ist Glück? Die deutsche Autorin Ursula Schachschneider sagt: "Glück ist ein unvorhersehbarer Moment, in dem dein Herz mit Sprungfedern über Türme hüpft."

 Noch immer stehen wir auf dem Hof der Tagesstätte und schauen auf Tina. Wir – das sind die Leiterin der Tagesstätte, Gabriella Podmaniczki, Reinhard Schuster von der Fahrradfirma "tour-me" aus Chieming, Peter Quadt, Gründer der Konduktiven Tagesstätte Teising, und ich, Eva Maria Fuchs, PNP-Stiftungsbeauftragte. Und wir sehen, wie der Fahrtwind die Bommel auf Tinas Mütze flattern lässt. Wir sehen, wie Tina sich leicht in die Kurven legt. Wir sehen, wie Tina mit zunehmender Geschwindigkeit ihren Oberkörper nach vorne beugt und sich an den Seitengriffen festhält, so, als wollte sie selbst die Fahrt noch beschleunigen. Wir sehen, wie Tina lacht.

Was ist Glück? Ein keltischer Spruch besagt: "Sich selbst nur Freude zu machen macht keine Freude. Freude macht nur Freude, wenn sie geteilt wird."

  Peter von Quadt, selbst Vater eines Sohnes mit zerebraler Schädigung, will dieses Rollstuhlfahrrad auch anderen Konduktiven Tagesstätten in Oberbayern zeigen und so Sponsoren gewinnen: "Dieses Gefährt ist bestens geeignet zur Inklusion. Also, dass Behinderte selbstverständlich teilnehmen können am täglichen Leben ohne Unterscheidung von behindert und nichtbehindert."

 Mittels einer Terminliste will Gitti Gehringer den sicherlich großen Andrang nach Fahrten regeln: "Das Rad bleibt in der Tagesstätte, die Eltern tragen sich für die Fahrten ein", sagts ´ und denkt an eine Rollstuhl-Wallfahrt im Frühjahr: "Da fahren wir mit allen Kindern zur Gnadenkapelle und lassen das Rad weihen." Radlfachmann Reinhard Schuster sagt spontan zu, dafür genügend Rollstuhlfahr-räder zu organisieren und zu verleihen. Außerdem will er das neue Radl kostengünstig warten.

Was ist Glück? Der deutsche Arzt Ebo Rau sagt: "Freude und Glück sind Gott sei Dank nicht von der Verfassung des Körpers abhängig."

 Mittlerweile hat Tina ihre Fahrt beendet. Mit geröteten Backen wird sie vom Rollstuhlfahrrad gehoben. Bevor sie in die Tagesstätte zurückgetragen wird, schaut sie noch einmal kurz auf das Gefährt − und lacht.



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