Väterchen Frost, der russische Weihnachtsmann, hat einen festen Wohnsitz − er residiert in einem Palast in Weliki Ustjug im äußersten Nordosten des europäischen Russland. Von dort macht er sich Jahr für Jahr auf, um die Kinder im Land zu beglücken. Er tut dies aber nicht an Heiligabend, sondern in der Silvesternacht. Denn unter den Kommunisten war das Weihnachtsfest verboten, die Sowjets machten stattdessen Silvester zum wichtigsten Familienfest und führten den Ersatzweihnachtsmann Väterchen Frost ein.
In der guten Stube steht dann ein geschmückter Tannenbaum, unter dem die Geschenke lagern. Väterchen Frost kommt mit Begleiterin Snegurotschka, dem Schneefräulein, zur Bescherung für die Kinder. Silvester ist ein Familienfest, zu dem man sich nicht vor 23 Uhr zu Tisch setzt. Um Mitternacht wird zum Klang der Kremlglocken aus dem Fernseher eine Flasche Sekt geleert − und dann nimmt die Feier erst so richtig Fahrt auf.
Doch immer mehr Russen feiern auch das christliche Weihnachtsfest − 2011 sollen 2,1 Millionen Menschen die Gottesdienste besucht haben. Das orthodoxe Weihnachtsfest wird erst am 7. Januar begangen. Der Grund: Die russisch-orthodoxe Kirche behielt auch nach der Kalenderreform im 16. Jahrhundert den "alten" julianischen Kalender bei, der hinter dem "neuen" gregorianischen um 13 Tage hinterherhinkt. Darum begehen am 13. Januar die ganz Hartnäckigen auch noch das "alte neue Jahr". Bis zur Oktoberrevolution von 1917 war offiziell der julianische Kalender gültig. Die siegreichen Bolschewiki führten 1918 dann die gregorianische Zeitrechnung ein. Aber die russisch-orthodoxe Kirche weigerte sich, die Kalenderreform der gottlosen neuen Machthaber zu übernehmen − und tut es bis heute. − epd
