
Ihre Bücher lenken Hadizha von der Aufregung ab: Das Mädchen hat mehrere Operationen über sich ergehen lassen müssen. Sie sollen es ihr ermöglichen, selbstständig laufen zu können. − Foto: Fleischmann
Ihre Bücher lenken Hadizha von der Aufregung ab: Das Mädchen hat mehrere Operationen über sich ergehen lassen müssen. Sie sollen es ihr ermöglichen, selbstständig laufen zu können. − Foto: Fleischmann
Hadizha blättert um und lacht. Die Abenteuer des blonden Mädchens in ihrem Bilderbuch gefallen der Fünfjährigen. Bücher lenken das Mädchen von den aufregenden Tagen in ihrem eigenen Leben ab. Das Mädchen leidet an infantiler Zerebralparese, einer Bewegungsstörung, die auf eine frühkindliche Hirnschädigung zurückgeht. Seine Beine sind zum Teil spastisch gelähmt. Trotzdem lernt Hadizha laufen.
Doch dafür hat das tapfere Mädchen in den Monaten zuvor mehrere Operationen an ihren Füßen und der Hüfte über sich ergehen lassen müssen. Und der lange Weg ist noch nicht zu Ende: Bis Hadizha selbstständig und ohne Hilfsmittel gehen kann, braucht es noch viel Training und vor allem Geduld. Bald sollte Hadizha, deren geistige Entwicklung völlig normal ist, eingeschult werden. Mit den Gleichaltrigen zur Schule gehen können wird sie zwar anfangs wohl noch nicht − zu viele Barrieren birgt der Schulweg. Mit einem Rollstuhl hätte sie schlicht keinen Zugang zum Gebäude. Dass in ihrer eigenen Geschichte ein neues Kapitel beginnt, sie ihren Abschluss an einer regulären Schule macht und sich ihr Zeugnis auf den eigenen Beinen abholt, ist aber realistisch.
Hintergrund: Die russische Infrastruktur ist nicht auf Menschen mit Behinderungen ausgelegt. So sind viele öffentliche Einrichtungen und Transportmittel nicht für sie zugänglich. Ihre Chancen auf dem russischen Arbeitsmarkt sind schlecht: Nur jeder fünfte Schwerbehinderte im arbeitsfähigen Alter hat einen Job. − seb
