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vom 08.08.2009


Zeit der „Englischen“ Lehrerinnen ist vorüber

Mit Sr. Avita und Sr. Anna haben die letzten beiden Ordensfrauen den Schuldienst an den Maria-Ward-Schulen verlassen



Altötting. Die Tastaturen waren das Metier der einen, die Noten das der anderen: Nun haben Sr. Anna Zinnbauer (68) und Sr. Avita Bichlmaier (70) der Schule den Rücken gekehrt. 47 Jahre lang war Sr. Anna Fachlehrerin für Kurzschrift und Schreibmaschine, mit Einführung der Computer dann für Textverarbeitung. 42 Jahre lang unterrichtete Sr. Avita das Fach Musik. Nun ist das Wirken der beiden als Lehrerinnen vorüber, sie haben ih-
ren Ruhestand, der weiterhin mit klösterlichen Pflichten gefüllt sein wird, angetreten.
Zu Ende ist damit aber weit mehr als „nur“ zwei bemerkenswerte Schullaufbahnen - eine ganze Ära ist abgeschlossen. Denn die beiden Schwestern der Congregatio Jesu, ehemals Englische Fräulein, waren die letzten Ordens-frauen, die an den Maria-Ward-Schulen noch unterrichteten. Die ersten, die das taten, waren vier Schwestern, die mit Oberin Elisabeth von Giggenbach an der Spitze nach Altötting kamen. 1721 war das - also vor 288 Jahren.

Nach 288 Jahren:
Das Ende einer Tradition

Im Mai jenes Jahres kamen die Englischen Fräulein an den Gnadenort, am 4. Juni bereits gaben sie den ersten Unterricht für zwölf Mädchen. Diese waren unentgeltlich aufgenommen worden, handelte es ich doch zunächst um eine Armenschule, die nach und nach den Charakter einen Mädchenvolksschule annahm. Die Zahl der Schülerinnen nahm rasch zu: Für 1773 weisen die Annalen bereits 130 von ihnen aus. Damals handelte es sich bereits um eine Höhere Schule, deren Anfang die Errichtung des Pensionats markiert hatte. Möglich geworden war diese durch den Ankauf mehrerer benachbarter Gebäude.
In den Wirren der Säkularisation wurde das Pensionat 1803 geschlossen. Wiedergegründet wurde es 1823. Bis 1912 wurde es ausschließlich von Internatsschülerinnen besucht. In diese Zeit fällt eine Neuerung, die über die Jahre zur Normalität wurde. Unter Sr. Nepomuzena Meister, die von 1849 bis 1889 Oberin war, war die erste weltliche Lehrkraft und Erzieherin an der Klosterschule beschäftigt. Eine gewisse Madame Lidwine unterrichtete die Mädchen in Französisch und war auch für deren Freizeitgestaltung zuständig, wie Sr. Mechthild Steinberger, die amtierende Oberin, beim Durchforsten der Chronik entdeckt hat.

Wandel in
Etappen

Freilich blieben weltliche Pädagogen zu jener Zeit die Ausnahme. Noch bis 1970 sollte es dauern, bis das zahlenmäßige Verhältnis ausgeglichen war. Damals gab es ebenso viele klösterliche wie weltliche Lehrkräfte - jeweils 15. Die erste weltliche Leitung hatte das Gymnasium im Jahr 1982, die Realschule 2002. Beide Schulen gehören seit 1999 der Maria-Ward-Schulstiftung an - in welcher der Orden auch nach dem Rückzug seiner letzten beiden Lehrerinnen vertreten bleibt. Denn er ist nach wie vor Hausherr der Schulen. Und er bleibt diesen weiterhin verbunden, wie Oberin Sr. Mechthild betont.
Den Wandel der letzten Jahrzehnte hat Sr. Avita miterlebt, darunter auch 1982 die erstmalige Aufnahme von Buben ins Gymnasium sowie die Auflösung des Internats 1998. Denn Sr. Avita hat 39 ihrer insgesamt 42 Jahre als Lehrerin in Altötting verbracht - und sich in dieser Zeit auf jeden einzelnen Schultag gefreut, wie sie ver-
sichert. Die schönsten Erinnerungen aber hat sie an die Arbeit mit den Schulchören, deren Leitung sie schon im Jahr 2000 abgab.
Als oberste Devise für ihre Mädchen hatte sie stets ausgegeben, so schön zu singen, dass sogar die Männer weinen. Oft ist ihnen das gelungen. Eine Bestätigung bekam Sr. Avita erst kürzlich, als sie mit dem Ehemaligen-Chor in Simbach auftrat und ein Zuhörer bekannte, schon vom Vortrag beim Chorwettbewerb 1979 in Ingolstadt zu Tränen gerührt gewesen zu sein. Welche Qualität Sr. Avitas Chöre hatten, zeigt auch eine Begebenheit aus einem Tonstudio. Zwölf Titel hatten sie vorbereitet, der Aufnahmeleiter prognostizierte, dass man in den zur Verfügung stehenden drei Stunden maximal drei schaffen werde. Tatsächlich waren alle Stücke nach gut zwei Stunden auf Band, dann folgten noch drei, die die Sängerinnen aufnahmereif aus dem Ärmel schüttelten.
An den Schulen war es wie für Sr. Avita auch für Sr. Anna der Alltag, der ihr bei der Arbeit mit den jungen Leuten Erfüllung gab - bis auf einmal. Mit dem Wechsel von Simbach nach Altötting vor 20 Jahren hat sie „Blut geschwitzt“, wie sie sich erinnert. Denn an der neuen Schule gab es einen PC-Raum, selbst aber hatte sie noch keinerlei Erfahrung mit dem neuen Medium Computer. So besuchte sie einen Vhs-Kurs: „Mit dem war ich den Schülern immer ein paar Stunden voraus“. Diese Herausforderung hat Sr. Anna bestens gemeistert - wie ihr ganzes Berufsleben, das nun zu Ende ist. - sh



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