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KINO-KRITIKEN
vom 12.03.2010


Männer, die auf Ziegen starren
Absurder Krieg: Die "Männer, die auf Ziegen starren" sind eine US-Spezialeinheit, die mit Hippiemethoden kämpft.




Unglaublich, aber wahr: "Männer, die auf Ziegen starren" hat es in der US-Armee tatsächlich gegeben: Sie sollten den Gegner mit parapsychologischen Methoden besiegen. (Foto: Kinowelt)


V:Kinowelt, USA 2009, R: Grant Heslov, D: George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges u.a.




Hippies in Uniform

Man mag es nicht glauben, aber die "Männer, die auf Ziegen starren" hat es wirklich gegeben: Sie gehörten zu einer Spezialeinheit der US Army und probten paranormale Methoden der Kriegsführung. Der Journalist Jon Ronson hat einen Bestseller darüber geschrieben, den Grant Heslov als groteske, leider etwas langatmige Militärsatire verfilmte.

"Hiervon ist mehr wahr, als sie glauben würden", nach 90 Minuten ist klar, dass dieser Hinweis eine Warnung ist. Denn was sich da in der irakischen Wüste, und noch mehr in den Erinnerungen einiger Soldaten abspielt, haut selbst den abgebrühtesten Landser aus den Socken. Als Komödie deklariert ist "Männer, die auf Ziegen starren" eine ziemlich bittere satirische Pille über das Wesen des Krieges, über das Soldatsein, über das langsame Schleifen von Rekruten, bis von Verstand und Menschlichkeit nichts mehr übrig ist.

Reporter Bob Wilton (fragt sich selbstironisch, was ein Jedi ist: Ewan McGregor) ist ein kleines Licht in der lokalen Zeitungsredaktion. Und sowieso nicht ganz zufrieden mit seinem Leben. Die Frau und sein Chef ... die Chance, Kriegsberichterstatter im Irak zu werden, ist ihm mehr als willkommen. Zumal er hofft, dort eine unglaubliche Geschichte bestätigt zu bekommen: Vor ein paar Wochen hatte ihm ein Veteran von einer Spezialeinheit der US Army berichtet, die experimentelle Methoden der Kriegsführung erprobten. "Einer von uns konnte sogar mit Blicken töten", sagte der ehemalige Soldat. Okay, das Opfer war nur eine Ziege. Aber die Methode zählt.

Dieser Ziegenkiller heißt Lyn Cassady (kurz vor dem klinischen Wahnsinn: George Clooney) und wurde mittlerweile ebenfalls aus dem Dienst entlassen. Aber auch er ist im Irak: Bob und Lyn treffen sich dort zufällig und fahren gemeinsam durch das Kriegsgebiet - auf der Suche nach der legendären Hippie-Einheit, die einst mit Bewusstseinserweiterung, Drogen und Blumen in den Krieg ziehen sollten. In, zu vielen, Rückblenden erzählt Lyn ihre Geschichte.

So absurd und wahnwitzig wie diese Star-besetzte Militärfarce ist, so menschlich und zutiefst traurig ist sie auch. Sie sind alle gescheiterte Existenzen, diese Hippiekrieger. In der Armee dreht noch jeder durch, egal wie viele bunte Pillen die Generalität verteilt. Und der Tod gehört nunmal zum Soldatenleben dazu.

Ausgerechnet die Peace-Bewegung des New Age wird vom Militär zu einer strategischen Option befördert: Das kann sich kein Drehbuchautor ausdenken. Aber die besten Geschichten schreibt nun mal das Leben. Die Parapsychologen hat es in den 80er-Jahren wirklich gegeben. Regisseur Grant Heslov hat sich aus dem Sachbuch von Jon Ronson ein paar der absurdesten Anekdoten rausgesucht. Mit gewagter Optik und langem Erzählatem bemüht sich Henslov nicht um die schnellen Lacher, sondern fordert sein Publikum heraus.

Schmunzeln ist erlaubt, weicht aber irgendwann der Ungläubigkeit. Es kann doch kein Soldat so verrückt sein, wie zum Beispiel Bill Django - im Film Vater der neuen Methoden. Jeff Bridges spielt diesen traurigen LSD-Clown und erinnert dabei an einen abgewrackten - wenn das überhaupt möglich ist - und desillusionierten Big Lebowski.

Doch die Tragweite der Geschichte, ihre Tragik macht er nicht ganz greifbar. Dafür bleiben die Darsteller, in Nebenrollen sind Kevin Spacey ("Die üblichen Verdächtigen") und Stephen Lang ("Avatar") zu sehen, zu sehr im Schützengrabenlabyrinth des Drehbuchs gefangen. Das begeistert sich an der formidablen Grundidee und sorgt für ein paar herrlich mokierende Momente. Aber durch das fehlende Erzähltempo und die Verzettelung zwischen verschiedenen Zeitebenen wird der ganz große bissige Rundumschlag verpasst.

Andreas Fischer
teleschau - der mediendienst





INFOS
Filmbewertung:überzeugend
Starttermin:04.03.2010
Verleih:Kinowelt
Genre:Drama
Laufzeit:93 Min.
Jahr:2009
Land:USA





LINKS
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ARTIKEL
 •   Star-Portrait: Ewan McGregor





BILDER
Grossansicht (Foto: Kinowelt)
Grossansicht (Foto: Kinowelt)
GrossansichtSoldat Lyn Cassady (George Clooney) hat mal eine Ziege mit seinem Monsterblick getötet. (Foto: Kinowelt)
GrossansichtKleinstadtreporter Bob Wilton (Ewan McGregor) erfährt, dass es in der US-Armee einst eine Hippie-Einheit gegeben haben soll. Klar, dass er ungläubig dreinblickt. (Foto: Kinowelt)
GrossansichtMit ihm hielt LSD Einzug in die Kasernen: Vietnam-Veteran Bill Django (Jeff Bridges) wird zum New-Age-Krieger. (Foto: Kinowelt)
GrossansichtEx-Soldat Lyn Cassady (George Clooney, links) und Reporter Bob Wilton (Ewan McGregor) suchen in der irakischen Wüste die legendäre Hippie-Kampftruppe. (Foto: Kinowelt)
GrossansichtKevin Spacey spielt das Ekel Larry Hooper, das die Blumenkindersoldaten vom Spaß befreit. (Foto: Kinowelt)
Grossansicht (Foto: Kinowelt)
Grossansicht (Foto: Kinowelt)
Grossansicht (Foto: Kinowelt)



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