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| KINO-KRITIKEN |
vom 12.03.2010
Der Ghostwriter Roman Polanskis Thriller "Der Ghostwriter" ist handwerklich gut gemacht, überraschen kann der Film aber nur selten.
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Roman Polanskis neuer Thriller "Der Ghostwriter" basiert auf einer Bestsellervorlage von Robert Harris. (Foto: Kinowelt)
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V:Kinowelt, F / D / GB 2010, R: Roman Polanski, D: Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall u.a.
Tödliche Geheimnisse
Der arme Tony Blair. Erst hat ihm sein Volk die Liebe entzogen und jetzt wird er zu allem Überfluss noch zur alles andere als ruhmreichen Hauptfigur in einem Thriller. Nein, da machen Regisseur Roman Polanski und sein Autor Robert Harris in "Der Ghostwriter" gar nicht lange herum: Adam Lang, die Hauptfigur des Filmes, soll niemand anderes sein als der ge(sc)hasste englische Premierminister.
Ex-James-Bond Pierce Brosnan spielt jenen Adam Lang als ein aalglattes und gescheitertes Politikerwrack, das im wahrsten Sinne des Wortes auf der US-Atlantikinsel Martha s Vineyard gestrandet ist. Heim nach London kann er nicht, weil man ihn dort sofort wegen vermeintlicher Kriegsverbrechen vor ein UN-Gericht zerren würde. "Hausarrest" denkt man da natürlich und wundert sich über die Ironie, die das Leben immer wieder parat hat. Schließlich saß Regisseur Roman Polanski, während sein Film jüngst bei den 60. Internationalen Filmfestspielen in Berlin präsentiert wurde, daheim in Gstaad. Er stand unter Hausarrest. Wenigstens kommt ihm in der Schweiz kein käsiger "Ghostwriter" (blass wie nach einer Darmgrippe: Ewan McGregor) daher, um sein Leben marktgerecht niederschreiben.
Man muss wahrlich nicht alle Filme im Stile von "Die Akte", "Die Firma" oder gar "Wag the Dog" gesehen haben, um angesichts dieser Ausgangslage den Verlauf der Geschichte erraten zu können. Wenig überraschend stößt der Ghostwriter - der sowieso nur Ersatz ist, weil sein Vorgänger unter äußerst dubiosen Umständen das Zeitliche segnete - bei seiner Arbeit schnell auf haufenweise seltsame Ungereimtheiten in der Biografie des Auftraggebers. Prompt wird aus dem Auftrags-Schreiberling auffällig zufällig ein Enthüllungsautor auf eigene Faust, der sich mit allerlei Bösewichten im Dienste staatlicher Einrichtungen herumschlagen muss. Und am Ende dreht sich alles um die ewige Thriller-Frage: Wird die Hautfigur die Wahrheit herausfinden, bevor sie von der Macht der Bösen ins Jenseits geschickt wird?
Der längst nur noch ehemalige Blair-Freund Robert Harris lässt in seinem Drehbuch kein Klischee aus: Die biestige Sekretärin, die vereinsamende Ehefrau, der getriebene Ex-Politstar, rachsüchtige Minister, Geheimdienstmänner in schwarzen Limousinen - "Der Ghostwriter" ist ein Film, der von einer routinierten Mannschaft mit absoluter Präzision auf die Erwartungen des Durchschnittspublikums ausgelegt wurde. Alles, sogar das Hochsicherheits-Ferienhaus, in das sich der von den Medien gejagte Lang zurückziehen muss, sieht so aus, wie man es sich vorstellen muss. Auch wenn die Bunker-Villa nicht auf Martha s Vineyard stand. Gedreht wurde im kalten und windigen Deutschland, auf Sylt.
Polanski erzählt die Geschichte des "Ghostwriters" dabei fast schon minimalistisch. Große Szenen gibt es kaum. Wenn sich Lang, seine Frau und der Beraterstab zur persönlichen und weltpolitischen Krisensitzung treffen, hat das manchmal sogar etwas von einem Kammerspiel. Und immer mittendrin, durch manch ungelenke Wendung im Verlauf der über zwei Stunden: Ewan McGregor. Er spielt die einzige Figur in diesem Film, die keinen Namen hat. Dafür aber wenigstens einen klaren Charakter. Er ist der Gute in diesem geopolitischen Verwirrspiel. Der einzige Gute. Als er dies erkennt, ist es allerdings schon zu spät. Aber auch das überrascht letztlich niemanden.
Luca Marek teleschau - der mediendienst
| INFOS | | Filmbewertung: | akzeptabel | | Starttermin: | 18.02.2010 | | Verleih: | Kinowelt | | Genre: | Thriller | | Laufzeit: | 128 Min. | | Jahr: | 2010 | | Land: | F / D / GB |
| BILDER |  | (Foto: Kinowelt) |  | (Foto: Kinowelt) |  | (Foto: Kinowelt) |  | (Foto: Kinowelt) |  | Ewan McGregor lüftet als Ghostwriter einige Geheimnisse, die sein Leben in Gefahr bringen. (Foto: Kinowelt) |  | Der britische Ex-Premier Adam Lang (Pierce Brosnan, mit Kim Catrall, links und Olivia Williams) hat sich auf eine US-Insel zurückgezogen, um seine Memoiren verfassen zu lassen. (Foto: Kinowelt) |  | Zwischen Adam Lang (Pierce Brosnan, links) und seinem Ghostwriter (Ewan McGregor) herrscht nicht unbedingt ein starkes Vertrauensverhältnis. (Foto: Kinowelt) |  | Adam Langs Beraterin Amelia Bly (Kim Catrall) spielt eine zwielichtige Rolle. (Foto: Kinowelt) |  | (Foto: Kinowelt) |  | (Foto: Kinowelt) |  | Regisseur Roman Polanski stellte "Der Ghostwriter" während seines Hausarrests in der Schweiz fertig. (Foto: Kinowelt) |  | (Foto: Kinowelt) |
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