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Buchtipp vom 22.02.2010 |
Baedeker Redaktion »Baedeker Allianz Reiseführer Bayerischer Wald: mit großer Reisekarte«
Er gilt als Bibel unter den Reiseführern, als unerreichtes Vorbild in Sachen Genauigkeit und Faktenfülle: Der Baedeker. Seit über 170 Jahren gibt es Baedeker-Führer für Reiseziele in aller Welt. Ganz aktuell herausgekommen ist ein neuer Band über den Bayerischen Wald. Der Bayerwald-Bote hat ihn unter die Lupe genommen.
Darf man dem Internet-Lexikon „Wikipedia“ glauben, dann ist „Baedeker“ schon seit der Begründung der Führer-Reihe im Jahr 1835 durch Karl Baedeker der Inbegriff für penible Recherche und enorme Materialfülle bis hin zur Zahlen- und Faktenhuberei. Ein schweres Erbe lastet also gewissermaßen auch auf den Schultern von Dr. Bernhard Abend und Anja Schliebitz, die für den Text im Führer „Bayerischer Wald“ verantwortlich zeichnen.
Der Bayerwald reicht bis zur Altmühl Wer noch Baedeker-Bände älteren Datums kennt, klein gedruckt und selbstverständlich ohne Fotos, der sei vorab beruhigt. Die Traditions-Reihe ist mittlerweile leserfreundlich gestaltet, bebildert und zeitgemäß gegliedert. Unter „Reiseziele von A bis Z“ finden sich die Orte von Bad Kötzting bis Vilshofen aufgereiht, diese Abteilung bildet den Hauptteil des Buches. Dazu gibt es aber zahlreiche weitere Kapitel. Im „Hintergrund“ wird die Region allgemein charakterisiert, Naturraum, Geschichte, Kunstgeschichte und Wirtschaft werden vorgestellt. Umfangreiche praktische Tipps von Museen, Bädern, Gasthöfen bis zu Volksfesten, Rabattkarten und Einkaufsmöglichkeiten dürfen in einem touristischen Führer auch nicht fehlen.
Mit gut 320 Seiten hat der neue Baedeker nicht in der Gesäßtasche Platz. Das Mehrgewicht lohnt sich aber, denn anders als bei manchen Ultra-Kompakt-Reiseführern kratzt der Baedeker nicht nur die Oberfläche an. Und er trägt der Tatsache Rechnung, dass der Bayerische Wald in kultureller Hinsicht eng mit dem Donauraum verknüpft ist: Regensburg, Straubing und Passau sind ebenso mit aufgenommen wie die barocken Kirchen von Weltenburg bis nach Fürstenzell.
Wie kommt der Landkreis Regen weg? Unter den zur schnellen Orientierung aufgeführten 31 „Top-Reisezielen“ stehen unter anderem der Viechtacher Pfahl, der Große Arber, die Burg Weißenstein, die ehemaligen Klosterkirche Rinchnach, der Nationalpark, der Rachel und der Kaitersberg zu Buche. Glaskünstler Erwin Eisch ist mit einem Porträt unter den berühmten Persönlichkeiten vertreten. Eine eher weniger bekannte Perle heben die Autoren im Kunstgeschichte-Kapitel heraus: Die neuromanisch-byzantinische Kirche in Ludwigsthal.
Autoren aus der Region bürgen für Qualität Viel gibt es über Geschichte und gegenwärtige Lage der Glaserzeugung zu lesen, über Nationalpark und Borkenkäfer-Streit, über die Holzwirtschaft als traditionsreiche Branche. Und dazwischen gibt es zahllose kleinere Exkurse, etwa auf die Geschichte vom jüngsten Bürgermeister der Republik in Bodenmais. So manche Kommen-
tierung („Zum Kimbacher: Trotz der Dekoration als ,Erlebnisrestaurant‘ speist man hier gut bei herzlichem Service“) verrät Ortskenntnis. Hier wurde nicht einfach aus dem Tourismus-Prospekt abgeschrieben.
Die Autoren haben sich mehrere Autoren aus der Region ins Boot geholt, darunter auch den Volkskundler Dr. Jörg Haller und Bayerwald-Bote-Redaktionsleiter Michael Lukaschik. Das tut der Substanz des Buches erkennbar gut. Freilich hätte der gestrenge Karl Baedeker auch einige Verhauer rügen müssen, die wohl beim Bewältigen einer solchen Daten- und Faktenfülle in einem Verlagshaus fern des Bayerwaldes unvermeidlich sind. Da wird etwa in einer Bildunterschrift ein Mountainbiker mitsamt dem Geißkopf in den Nationalpark verlegt, ein anderes Foto bringt das Kunststück zustande, einen Blick vom Ruckowitzschachten zum Rachel zu zeigen. Und wer in der Rubrik „Wussten Sie schon?“ mit Sonderwissen zum Arber als Skigebiet prunken will, kann sich auch blamieren: Der Weltcup macht dort definitiv nicht erst seit 2004 Station.
Den guten Gesamteindruck können solche Detailfehler nicht trüben. Der neue Baedeker bietet eine gute Mischung aus Faktensammlung, kommentierten Tipps und Hintergrundberichten. Und bietet überdies eine Menge an weiterführenden Hinweisen zu Literatur und Internetadressen. (Johannes Fuchs)
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